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Der vergessene Konflikt in der Ostukraine

Der seit über vier Jahren dauernde Krieg in der Ostukraine hat das Leben von 10.

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Der vergessene Konflikt in der Ostukraine

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Der seit über vier Jahren dauernde Krieg in der Ostukraine hat das Leben von 10.000 Menschen gekostet. Fast 3.000 von ihnen waren Zivilisten. Mehr als anderthalb Millionen Menschen wurden vertrieben. Mehr als eine Million floh ins Ausland. Derzeit sind vier Millionen Menschen im Land auf humanitäre Hilfe
angwiesen.

Ein Ende des Konflikts in der Ostukraine ist lange nicht in Sicht. Allein in diesem Jahr gab es erneut zivile 400 Opfer an der “Kontaktlinie”.

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Diese trennt das von der Regierung kontrollierte Gebiet von der prorussischen Separatistenregion. Das sind mehr Opfer als im vergangenen Jahr. Es vergeht kein Tag, ohne dass geschossen wird – trotz der Waffenruhe.

Die 80-jährige Evdokia Vasilieva Taranenkolebt seit 42 Jahren in Pervomaiske.

AID ZONE - UKRAINE .

Ihr Haus befindet sich drei Kilometer entfernt von der Front. Es wurde zweimal stark beschädigt.

“Eine Bombe ist tagsüber auf der Straße gelandet. Diese drei Fenster zerbarsten, während ich im Haus war,” erinnert sich Evdokia. Sie lebte zwei Jahre lang mit einem beschädigten Dach. Die EU unterstützt die Nichtregierungsorganisation People in Need finanziell, damit diese den Menschen noch vor dem Wintereinbruch helfen kann. Bisher reparierte die tschechische NGO bereits 40 Häuser. NGO-Mitarbeiter Sergey Saenko sagt, “manchmal müssen wir nur Material oder Geld bereitstellen, sodass die Menschen sich selbst kümmern können. Aber meistens sind es alte, gebrechliche Menschen, die an der Front leben. Sie können nicht selbst renovieren, deshalb stellen wir nicht nur das Material bereit, sondern suchen auch Arbeiter vor Ort und bezahlen sie.”

Im Dorf leben im Vergleich zu Friedenszeiten nur noch halb so viele Menschen. Langsam aber kommen die Ersten zurück. Derzeit sind es 1.500 Menschen, hauptsächlich alt und arbeitslos, die die verlassenen Ruinen wieder aufbauen oder reparieren. Eine gefährliche Arbeit, denn im Boden liegen verstreut Minen und Sprengsätze.

Der Alltag wird zur Herausforderung. Evdokia sagt, “es ist Krieg. Manchmal ist unser Dorf tagsüber unter Beschuss und niemand kann mehr nachvollziehen, woher die Schüsse kommen. Gar nicht so einfach. In der Nacht ist es noch unheimlicher.”

Wir fahren in den Süden, in die Nähe von Donetsk. Marinka ist einer der gefährlichsten Orte an der Kontaktlinie, er ist systematisch unter Beschuss. Ganze Straßenzüge sind seit 2014 ohne Gasversorgung. Der Winter wird die Lage weiter verschlimmern.

PIN-Programmleiter Andrew Meyer erklärt, “wir haben eine Liste mit 250 Haushalten, die sofort Hilfe brauchen. Wir haben uns dazu entschieden, die betroffenen Häuser mit Heizöl zu versorgen. Dazu kommt Brennholz, mit dem man während des Winters heizen kann.”

Die Hilfe der tschechischen NGO erreicht die Hälfte der Bedürftigen in Marinka. Jede Familie erhält 6 Kubikmeter Brennholz, was für den Winter ausreicht.

Die humanitäre Lage hat sich nach Meinung der NGOs global verschlechtert. Vertriebene kehren zwar nach Hause zurück, haben aber kein festes Einkommen. Güter können nicht frei zirkulieren, die Preise steigen auf beiden Seiten der Kontaktlinie. Humanitäre Hilfe wird weiter dringend gebraucht. Die EU will gezielter helfen, wie Mathias Eick erklärt: “In den letzten anderthalb Jahren bleibt die Kontaktlinie stabil. Wir kümmern uns mittlerweile gezielt um die Menschen in der Konfliktzone, aber die Herausforderung liegt darin, neben dem Zugang zur von der Regierung kontrollierten Zone auch ins nicht kontrollierte Gebiet vorzudringen.”

Heizen und ein Dach über dem Kopf, das sind nur einige der Grundbedürfnisse der Menschen, die an der Kontaktlinie leben.