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Amsterdam: Fotografieren der Sexarbeiter verboten

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Amsterdam: Fotografieren der Sexarbeiter verboten

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Der Amsterdamer Stadtrat hat neue Regeln für geführte Spaziergänge im Rotlichtviertel der Stadt eingeführt. Touristenführer müssen etwa in Zukunft dafür sorgen, dass die Besucher, wenn sie stillstehen, mit dem Rücken zu den Rotlichtfenstern stehen. Das Fotografieren der Sexarbeiter ist zudem verboten. Das berichtet die englischsprachige Nachrichtenseite dutchnews.nl. Weitere neue Regeln sind etwa:

  • Keine Führungen mit Drogen oder Alkohol und kein lautes Schreien

  • Führungen müssen bis spätestens 23.00 Uhr abgeschlossen sein

  • Schärfere Bedingungen für Rad- und Segwaytouren

  • Eine spezielle Lizenz für Touren mit mehr als fünf Teilnehmern
  • Außerdem soll der Guide, bevor die Führung beginnt, die Teilnehmer dazu auffordern, Respekt vor Anwohnern, Unternehmern und Prostituierten zu zeigen.

    Um die Stadt für Amsterdamer lebenswert zu halten, sollten Gruppen nicht zu groß sein und sich benehmen, schreibt die Stadtgemeinde auf ihrer Internetseite. Unabhängige Guides und Unternehmen, die gegen die Regeln verstoßen, werden mit hohen Bußgeldern rechnen müssen. Diese Entscheidung ist die jüngste in einer Reihe von Bemühungen der Stadt, die Konzentration der Touristen in den ältesten Stadtteilen zu verringern.

    Eine Vice-Doku über das Rotlichtviertel. (Englische Untertitel kann man am unteren Rand des Videos einschalten.)

    Auch Verbot für neue Fast-Food-Restaurants oder Souvenirgeschäfte

    Im Oktober kündigten die Beamten auch ein Verbot für neue Geschäfte an, die sich auf Fast Food oder Souvenirs konzentrieren. Laut Medienberichten beherbergt das Stadtzentrum mittlerweile 280 Geschäfte, die sich hauptsächlich an Touristen richten. Die neuen Regeln für geführte Touren wurden eingeführt, nachdem man versucht hatte, die Touristikunternehmen dazu zu bewegen, einem informellen Leitfaden zuzustimmen. Nur 40% der Firmen, die Führungen anbieten, sind dem nachgekommen.

    Der Besucheransturm in Amsterdam ist groß. Die Übernachtungszahlen stiegen von gut acht Millionen im Jahr 2006 auf 14 Millionen im vergangenen Jahr. Dazu kommen unzählige Tagesgäste. Zwar bringen die Touristen Geld in die Kassen und stützen Arbeitsplätze, doch die immateriellen Kosten für die 850.000-Einwohner-Metropole mit ihrem zum Unesco-Welterbe zählenden historischen Grachtengürtel wiegen schwer. Vor allem jene Besucher, die die Stripclubs und zwielichtigen Kneipen überschwemmen, für die die Prostituierten in den Rotlicht-Gassen und die Coffee-Shops die Hauptattraktionen sind, stören in ihren Massen die Bewohner.