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Saudi-Arabien gibt Verantwortung für Große Moschee in Brüssel ab

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Saudi-Arabien gibt Verantwortung für Große Moschee in Brüssel ab

Saudi-Arabien gibt Verantwortung für Große Moschee in Brüssel ab
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Ende eines brisanten Pachtvertrags: Belgien kann die Verwaltung der Großen Moschee in Brüssel von Saudi-Arabien übernehmen. Das gab Außenminister Didier Reynders nach einem Gespräch mit seinem saudischen Kollegen Adel al-Dschubeir bekannt. „Wir arbeiten mit der belgischen Regierung zusammen, sodass alles transparent verläuft – mit Blick auf Toleranz und Integration“, so al-Dschubeir. „Was die Finanzierung betrifft, muss alles transparent sein“, sagte der Belgier Reynders.

"Es ist das erste Mal, dass ein Land dieses System für seine innere Sicherheit als gefährlich ansieht"

Georges Dallemagne belgischer Abgeordneter

Bislang wurde die Große Moschee von der Islamischen Weltliga finanziert, deren Geld weitgehend aus den Kassen des salafistisch regierten Saudi-Arabien stammt. Der Verdacht von Kritikern: Auf diesem Wege werde salafastisch-wahhabistisches Gedankengut in Belgien verbreitet – es gilt bei Kritikern auch als Nährboden für Terror im Namen des Islams.

Georges Dallemagne, Arzt, Abgeordneter, aktiv in der Untersuchungskommission zu den Terroranschlägen in Brüssel am 22. März 2016:

"Es ist das erste Mal, dass ein Land dieses System für seine innere Sicherheit als gefährlich ansieht und ihr in seinem Bereich ein Ende setzt. Ich persönlich würde mir wünschen, dass dieses System weltweit demontiert wird, weil es eine Bedrohung für die globale Sicherheit darstellt."

Tamer Abou el Saod, leitender Aufseher der Moschee in Brüssel, wehrt sich gegen die pauschale Assoziierung „Islam“ und „Bedrohung“:

"Definitiv lehren wir hier nichts in dieser Richtung, genau das möchte ich sagen und das habe ich auch immer vertreten."

Belgien wird die Verwaltung einer moslemischen Vereinigung übertragen, wahrscheinlich der Exekutive der Muslime Belgiens, der offiziellen Ansprechpartnerin der belgischen Behörden in Sachen Islam.

Die Exekutive der Muslime Belgiens (flämisch: Executief van de Moslims van België, französisch: Exécutif des musulmans de Belgique) ist der offizielle muslimische Ansprechpartner der belgischen Bundesregierung für die Umsetzung des am 19. Juli 1974 beschlossenem Gesetzes, das den Islam als eine der öffentlich geförderten Religionen oder säkularen Gemeinschaften in Belgien gemäß dem Gesetz vom 4. März 1870 anerkennt.

GRANDE MOSQUÉE

1967 hatte König Baudouin ein Gebäude am Brüsseler Cinquantenaire-Park Saudi-Arabien in Erbpacht überlassen. Seit 1978 ist dort die „Grande Mosquée“ angesiedelt. Weil Saudi-Arabien der Hausherr ist, wird in der Moschee auch der dort dominante Wahhabismus gepredigt, eine sehr konservative, beinahe salafistische, Auslegung des Islam.

Der Salafismus gilt als ultrakonservative Strömung innerhalb des Islams, die eine geistige Rückbesinnung auf die „Altvorderen“ anstrebt. Zu den Salafisten werden auch die Wahhabiten gezählt. Die meisten Wahhabiten leben heute in Saudi-Arabien, wo ihre Lehre seit 1932 Staatsdoktrin ist und etwa durch die Islamische Weltliga global verbreitet werden soll. Die Anhänger Ibn Abd al-Wahhabs nehmen für sich in Anspruch, als einzige die islamische Lehre authentisch zu vertreten. Glaubensauffassungen, die mit dem Wahhabismus nicht vereinbar sind, werden in der Regel als "unislamisch" deklariert - Nichtmuslime, gemäßigte und säkulare Sunniten, Anhänger des Sufismus und Schiiten.

Einige Auswirkungen im öffentlichen Leben:

• Autofahr-Verbot für Frauen

• Verbot für Frauen, sich in der Öffentlichkeit mit fremden Männern zu zeigen

• Öffentliche Scharia-Strafen wie Hinrichtungen und Auspeitschungen

• Verbot der freien Religionsausübung

• Lange Zeit waren Musik und Fernsehen uneingeschränkt verboten.

• Zerstörung des islamischen Kulturerbes in Saudi-Arabien

SAUDI-ARABIENS "VISION 2030"

In Saudi-Arabien gilt seit April 2016 die "Vision 2030", ein ehrgeiziges wirtschaftliches Projekt der saudischen Führung, dessen Details von Kronprinz Mohammed bin Salman verkündet wurden. Der Plan setzt er eine deutliche Öffnung des Landes und einen Mentalitäts- und Kulturwechsel seiner Bevölkerung und politischen Führung voraus.

Sigrid Ulrich