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Schon gesehen? Jerusalem ist jetzt in Berlin

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Nicht jeder schafft es, nach Jerusalem zu reisen. Aber auch für Leute, die schon mal dort waren, bietet die Ausstellung "Welcome to Jerusalem" im Jüdischen Museum in Berlin einen überraschenden Blick und vielschichtige Einblicke auf die Stadt. Seit der umstrittenen Initiative von Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennen zu wollen, steht die seit Jahrtausenden umkämpfte Stadt ja wieder im Fokus der internationalen Politik.

Auf mehrere Wände gleichzeitig projizierte Videos, in denen israelische Sicherheitskräfte durch die engen Gassen der Altstadt des palästinensischen Ost-Jerusalem Streife laufen, vermitteln sofort das Gefühl, vor Ort zu sein. Der Besucher spürt die angespannte Stimmung - körperlich.

Ein Highlight ist der Nachbau des Tempelbergs als riesiges Modell. Interaktive auf Tischen aufrufbare Karten erklären die komplizierte Geschichte der Stadt durch die Jahrhunderte, zeigen auf, wie Jerusalem gewachsen ist und wann welcher Teil von Christen, Muslimen oder Juden beherrscht wurde.

Besonders einprägsam sind die Geschichten der Menschen.

Im Video wird gezeigt, wie der bekannte Tätowierer Wissam Razouk arbeitet Er sagt, dass viele Christen, (aber auch Menschen anderer Religionen) als Erinnerung an Jerusalem ein Tattoo wollen. Der Palästinenser, dessen Familie seit Generationen tatowiert, arbeitet auch für die Vertretung Kanadas in Ramallah.

Wissam Razouk in einem Video der Ausstellung

Da erzählt der Angestellte eines Luxushotels in Jerusalem, dass er morgens um 3 Uhr aufsteht, weil er auf dem Weg zur Arbeit stundenlang an einem Checkpoint warten muss: er wohnt im Westjordanland und macht im israelischen Teil der Stadt Hotelzimmer sauber.

Ein 15-Jähriger, der ebenfalls auf der anderen Seite der Mauer wohnt, ruft seinem Kumpel zu, der über die Mauer geklettert ist, um einen Drachen zurückzuholen, er solle Steine auf die israelischen Soldaten werfen. Der Jugendliche geht seit drei Jahren nicht mehr in die Schule.

"Jerusalem ist jetzt in Berlin" ist mehr als nur ein Slogan. Die Ausstellung ist noch bis zum 30. April 2018 geöffnet.