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Ein schwarzer Harry Potter? Plakat-Aktion in London begeistert das Internet

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Ein schwarzer Harry Potter? Plakat-Aktion in London begeistert das Internet

In sozialen Medien teilten zahlreiche Menschen Bilder der Kampagne
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Abgeänderte Plakate von Filmklassikern wie Titanic, Harry Potter und James Bond haben in Großbritannien eine Debatte über ethnische Vielfalt in der Filmwelt losgetreten.

Die Filmposter tauchten in der Londoner Stadtteil Brixton auf und fanden schnell ihren Weg in soziale Netzwerke.

Die Kampagne stammt aus der Feder der britischen Menschenrechtsgruppe Legally Black, eine Gruppe von vier jungen Londonern, die sich für soziale Gerechtigkeit und im besonderen auf die Darstellung und Vertretung dunkelhäutiger Menschen in den Medien einsetzt.

"Es gibt derzeit nur sehr wenige schwarze Darsteller in Fernsehsendungen. Die einzigen britischen Serien, die ich kenne, in denen dunkelhäutige Schauspieler Hauptrollen spielen, sind Black Mirror und Luther, sagte der 17-jährige Mathematik-Student Bel Matos da Costa und Legally-Black-Aktivist im Interview mit euronews. Wünschenswert seien Filme und Serien über das Leben schwarzer Hauptdarsteller.

Die Kampagne wurde mit der Hilfe eines Grafikers und eines Fotografen zusammengestellt. Auf den Filmposter seien Freunde, Eltern und Kinder lokaler Schulen anstelle der Hauptdarsteller zu sehen.

Doch bei der Kampagne gehe es nicht nur um die Vertretung schwarzer Schauspieler, so Costa.

"Wir wollen eine große Vielfalt an Rollen, wir wollen komplexere Rollen. Wir wollen schwarze Frauen, wir wollen schwarze Muslime, wir wollen schwarze LGBT (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transexuelle). Wir wollen Geschichten rund um diese Menschen, und, dass über ihre Lebensumstände gesprochen wird."

Die Reaktion in sozialen Netzwerken sei "phänomenal" gewesen. Man hoffe nun, dass die Aktion auch etwas bewirke.

"Wir würden wirklich gerne mit Vertretern von Netflix, Channel 4 und der BBC sprechen, um schwarze Geschichten, schwarze Schriftsteller, schwarze Produzenten vorzustellen... und ich denke, dass wir jetzt, wo wir uns Gehör verschafft haben, tatsächlich etwas bewegen können."

Schwarze Schauspieler - Das sagen die Zahlen

Die Knappheit an Rollen für Minderheiten im britischen Film und Fernsehen ist in den letzten Jahren deutlich geworden - sowohl vor der Kamera als auch hinter den Kulissen.

Untersuchungen des British Film Institute (BFI) haben ergeben, dass 59% der britischen Filme, die zwischen 2006 und 2016 veröffentlicht wurden, keine schwarzen Schauspieler vorkamen. Unter den 1.172 Filmen gab es nur 218 Hauptrollen, die mit dunklehäutigen Schauspielern besetzt wurden. Tatsächlich wurden von 45.000 Rollen, die mit britischen Schauspielern in dieser Zeit besetzt wurden, nur 0,5% von schwarzen Schauspielern gespielt.

Im Jahr 2017 stellte die Medienaufsichtsbehörde Ofcom außerdem fest, dass die Mitarbeiter von BAME (Black, Asain und Minority Ethnic) in fünf großen Rundfunkanstalten - BBC, Channel 4, ITV, Sky und Viacom - 12% der Belegschaft ausmachten und damit unter dem nationalen Bevölkerungsdurchschnitt von 14% lagen.

Veränderung kommt langsam

Ab diesem Jahr müssen die Filme, die in der Saison 2018/19 für den BAFTA-Preis eingereicht werden, einige von der BFI festgelegte Diversity-Standards erfüllen. Dazu gehört der Nachweis, dass Minderheitencharaktere oder -geschichten auf sinnvolle Weise dargestellt werden oder dass Mitarbeiter, die einer Minderheit angehören, für Schlüsselpositionen in der Produktion gesucht werden müssen.

"Es bleibt aber noch viel zu tun", so der Gründer der Diversity School Initiative (DSI), Steven Kavuma.

Der 21-jährige Schauspielschüler gründete 2016 die Non-Profit-Organisation DSI, um gegen die Unterrepräsentation in den Ausbildungsstätten der darstellenden Künste anzukämpfen.

"Wenn man mehr unterschiedliche Leute in der Branche haben will, dann muss man damit anfangen, wo wir Leute ausbilden, und das ist an den Schauspielschulen", sagte er Euronews.

"Wir müssen mutig sein"

"Ich bin es leid, über Veränderung zu sprechen. Lasst es uns angehen. Machen wir unsere Arbeit. Es ist ein Durcheinander, unangenehm, schwierig aber irgendwo müssen wir anfangen und wir müssen mutig sein.", schrieb Kavuma in einem Aufruf für Unterschriften an Schauspielschulen.

Kavuma studiert selbst Schauspiel im letzten Jahr an der Royal Central School of Speech and Drama in London.

Unter Beteiligung von Vorstandsmitgliedern und Schauspielschulen hat er mit DSI einen Vertrag entworfen, der Unterzeichner dazu verpflichten, die Vielfalt in ihren Einrichtungen zu verbessern.

Bislang haben fünf Schulen die dreijährige Vereinbarung akzeptiert, darunter die weltberühmte Royal Academy of Dramatic Art in London.

"Wir sagen, wir haben es satt zu reden, wir haben es satt, zu Veranstaltungen über Vielfalt zu gehen. Wir wollen Dinge erledigen", sagt Kavuma.

"Und es geht nicht um 10 Jahre, es geht nicht um 20 Jahre - es geht um das nächste Jahr, es geht um den nächsten Monat. Es geht darum, wie wir das in größerem Maßstab machen können? Und wie bringen wir Schulen, an denen wir studieren, dazu, uns zu vertreten".