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Kinder des Kalifats

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Kinder des Kalifats

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"Kinder des Kalifats" ist ein 99-minütiger Dokumentarfilm, der einzigartige Einblicke in die systematische Radikalisierung von Kindern liefert. Um ihn zu drehen, kehrte Filmemacher Talal Derki in seine Heimat Syrien zurück, wo er eine radikal-islamistischen Familie mehr als zwei Jahren lang in ihrem Alltag begleitete.

Regisseur Talal Derki

"Ich habe versucht, mich auf das immerwährende Verhältnis Vater-Sohn zu konzentrieren und zu zeigen, wie sehr der Vater in so einer Gesellschaft der Chef ist. Alles was geschieht, richtet sich im Grunde gegen das Naturell des unschuldigen Kindes, das Osama genannt wird, weil der Vater Osama bin Laden verehrt. Und so bestimmt er von Anfang an, was aus dem Jungen werden soll."

Derki dokumentiert, wie diese Kinder schon früh ihre Kindheit hinter sich lassen und zu Jihad-Kämpfern gemacht werden.

"Der Jungs versuchen immer wieder, sich gegen diese Situation aufzulehnen, haben aber gar keine andere Wahl als zu gehorchen. Der Film will ein tieferes Verständnis erzeugen. Er zeigt, wie diese Gesellschaft stark wird und die Menschen einer Gehirnwäsche unterzieht."

Der in Berlin lebende syrische Filmemacher gab sich als Jihadbefürworter und Kriegsreporter aus, um Osama und seiner Familie nahe zu kommen. Er zeigt ihren Alltag, aber auch wie der Vater seinen erst 12jährigen Sohn in ein Lager schickt, wo er Shariaunterricht und militärisches Training bekommt.

"Das größte Problem ist, dass die Bombardierungen die Menschen immer mehr radikalisieren, weil es so viele Opfer und Tragödien gibt," sagt Derki. "Sie sind mehr und mehr der Ansicht, dass sich die Bomben gegen ihren Glauben, ihre Religion richten, ihrer Vernichtung dienen. Sie kämpfen dagegen und wollen Vergeltung."

Der vom SWR koproduzierte Dokumentarfilm hatte seine Premiere auf der IDFA in Amsterdam und wurde beim Sundance Film Festival 2018 mit dem "World Cinema Grand Jury Prize" für Dokumentarfilm ausgezeichnet. Inzwischen ist er auf vielen Festivals weltweit zu sehen.

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