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Theater im Halbschatten der Behörden

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Theater im Halbschatten der Behörden

Theater im Halbschatten der Behörden
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Ein Theater in einer Garage. In einem Hinterhof in der weissrussischen Hauptstadt Minsk.

Das Theater nennt sich BFT, Belorus Free Theater, Freies Theater von Weißrussland.

Das BFT agiert im Halbschatten der Behörden, es ist nicht offiziell, aber auch nicht verboten. Das Theater gibt es seit 2005, immer wieder waren Stücke von der weißrussischen Behörden untersagt und abgesetzt worden.

Gründer und Intendant des Theaters sind im Exil in London und werden vor jeder Vorstellung per Skype zugeschaltet, um das Publikum zu begrüßen.

Heute abend auf der Programm: Ein Stück über Menschen mit Behinderung.

Unter den Schauspielern ist Sasha Chichikowa, die im vergangenen Jahr zur ersten "Miss Welt im Rollstuhl" gewählt worden war. Sie meint: "Ich möchte, dass die Menschen Behinderte anders sehen, nicht nur Behinderte im Rollstuhl, allgemein Menschen mit Behinderung, besonders Frauen."

Sexualität, soziale Probleme, politische Unterdrückung, hier kommt alles auf die Bühne.

Kiril Kalbasnikau ist Schauspieler und Journalist. Er sagt: "Wir sind politisch, wir sind kritisch, wir schießen scharf. Den Behörden passt das natürlich nicht."

Offiziell ist das Theater nicht registriert, daher wird auch kein Eintritt verlangt, sondern um Spenden gebeten.

Schauspieler Pawel Gorodnitski erklärt: "Es gibt eine Kommission, die an den Theatern die Stücke gutheißt, oder eben nicht. Es wird geprüft, ob Nacktheit oder Schimpfworte in den Stücken vorkommen. An unseren staatlichen Theatern gibt es so etwas nicht. Alles ist schön. Tschechow, Shakespeare, Sie wissen schon. Wir machen bei dem Spiel nicht mit. Wir wollen kreatives Theater schaffen, damit die Leute über das nachdenken, was vor sich geht."

Im März war es den Theatermachern sogar möglich, auf einer großen Open-Air-Bühne in der Hauptstadt aufzutreten. Zum 100. Jahrestag der Republiksgründung.

Die Ordnungsmacht war nicht eingeschritten. Das war schon etwas für Kiril und die anderen. Kiril macht sich dennoch keine Illusionen.

Kiril meint: "Das ist das erste Mal, dass das BFT vor so viel Publikum und aus einem solchen Anlass spielen durfte. Ein Schritt nach vorn, oder vielleicht sage ich das zu früh. Ich möchte in diesem Land keine Familie gründen, denn das Leben wird zu sehr eingeschränkt. Es ist traurig. Wenigstens setze ich mich für Veränderung ein."

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