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Unterkühlte Beziehung: Merkel und Trump

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Unterkühlte Beziehung: Merkel und Trump

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REUTERS/Jonathan Ernst
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Die engen Nachkriegsbeziehungen zwischen den USA und Deutschland manifestieren sich am Checkpoint Charlie - einem der Orte, an dem US-Truppen West-Berlin bis zum Fall der Berliner Mauer bewachten. Doch angesichts des anstehenden Besuchs der Kanzlerin Angela Merkel im Weißen Haus ist klar, dass das aktuelle deutsch-amerikanische Verhältnis angespannt ist.

Meinung

"Wir haben unterschiedliche Weltsichten."

Josef Braml USA-Experte

"Wir haben massive Unterschiede. Nicht nur in einzelnen Politikfeldern, sondern wir leben auf unterschiedlichen Planeten. Wir haben unterschiedliche Weltsichten. Wir glauben noch an die regelbasierte, internationale, liberale Ordnung. Trump ist dabei, diese Ordnung einzureißen, und das ist ein Riesenproblem für eine Handelsmacht wie Deutschland, die von dieser Ordnung lebt", sagt Josef Braml, USA-Experte bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

Merkel wird wahrscheinlich die von den USA ab 1. Mai geplanten Zölle auf Aluminium und Stahl ansprechen. In Deutschland sieht man die Pläne mit Sorge - nicht nur wegen der direkten wirtschaftlichen Auswirkungen, sondern auch aufgrund des langfristigen Trends zu mehr Protektionismus.

"Dieser Stil, der droht im Moment überzugreifen auf andere Handelspartnerländer, wenn die dann sagen, wenn die USA so mit uns umgehen können, können wir das auch. Das wäre aber das Schlechteste, wenn das passiert, aber es ist nicht auszuschließen", so Volker Treier, Direktor des Deutschen Industrie- und Handelskammertags.

Kann Merkel die Beziehungen verbessern?

Berichten zufolge hat Trump ein viel besseres Verhältnis zum französischen Präsidenten Emmanuel Macron als zu Angela Merkel.

Die Frage ist, ob die Kanzlerin die Wirtschaftskraft Deutschlands nutzen kann, um mit Trump - der sich selbst als Dealmaker bezeichnet - einen "Deal" auszuhandeln, um die Beziehungen zu verbessern.

"Ich glaube, wir müssen Trump das Eine oder Andere anbieten, amerikanische Rüstungsgüter kaufen, damit militärisch abhängig bleiben von den USA. Das könnte ein Deal sein, so wie er Trump schmeckt. Ob Frau Merkel sich darauf einlässt, das werden wir sehen", so Josef Braml.

Euronews-Reporter Jona Källgren in Berlin:

"Das Treffen zwischen dem mächtigsten Mann der Welt und der mächtigsten Frau Europas wird hier in Berlin mit Sorge verfolgt werden. Aber die Hoffnung ist, dass sie genügend gemeinsame Interessen und Kompromisse finden, damit die deutsch-amerikanischen Beziehungen zumindest in naher Zukunft stabil bleiben."