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Cannes: Chancengleichheit für Filmemacherinnen

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Cannes: Chancengleichheit für Filmemacherinnen

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Die Filmbranche ist bis heute eine von Männern dominierte Welt. Das Filmfestival von Cannes ist da keine Ausnahme. Viele Frauen wollen sich mit dieser Nebenrolle nicht mehr abfinden: Sie fordern Chancengleichheit.

Kate Kinninmont, CEO von "Women in Film and Television (UK)" sagt: "Im Filmgeschäft wurden Frauen schon immer zu Objekten gemacht. Der Gedanke, dass eine Frau nicht gleichzeitig schön und klug sein kann, ist noch immer verbreitet. Frauen wollen vor der Kamera keine kindlichen Rollen à la Marilyn Monroe mehr spielen. Wir können hübsche Frauen nicht länger in eine Schublade stecken und manipulieren. Diese Zeiten sind vorbei."

Die Filmfestspiele 2018 sind auch die ersten ohne Harvey Weinstein. Doch der Skandal um den Produzenten, der lange Zeit als "König der Croisette" galt, wirft weiter seine Schatten. Für Opfer sexueller Übergriffe wurde eine Hotline eingerichtet. Auf Partys werden Flyer verteilt, auf denen "Verhalte dich angemessen" steht.

In der Jury sind die Frauen mit fünf zu vier in der Mehrheit. Bei den Anwärtern auf die Goldene Palme sieht das anders aus. Nur bei drei von 21 Filmen, die um die Goldene Palme kämpfen, haben Frauen Regie geführt.

Das habe nichts mit Sexismus zu tun, sondern schlicht mit der Tatsache, dass es in der Regie mehr Männer und folglich mehr Auswahl gebe, so Festivalleiter Thierry Frémaux:

"Cannes wurde immer als Ort gebrandmarkt, an dem es für Frauen nicht genug Platz gibt. Wir hatten sogar Jahre, in denen überhaupt keine Filmemacherinnen vertreten waren. Ich habe immer gesagt, das hat mit der künstlerischen Realität zu tun und nicht mit unserer Filmauswahl."

Die Filmemacherin Wanuri Kahiu stellt in Cannes mit 'Rafiki' erstmals einen kenianischen Beitrag vor. Von einer Frauenquote bei der Filmauswahl hält sie nichts. "Ich bin hier nicht in erster Linie Frau, sondern Filmemacherin. Ich will, dass es mein Film nach Cannes schafft, weil er gut ist, und nicht wegen meines Geschlechts“, so Kahiu.

Für Anna Serner, Leiterin des Schwedischen Filminstituts und überzeugte Feministin, liegt das Problem tiefer. Man müsse sich zuerst die Frage stellen: "Wer wählt überhaupt aus, was die Jury zu sehen bekommt? Wir sehen doch immer wieder dieselben Namen. Ich denke, dass einige rausgeschmissen werden müssen, um neue hereinzulassen.“

Vor rund einer Woche hatten 82 Frauen in Cannes einen Appell für mehr Chancengleichheit gestartet. 82 Frauen für 82 Filme, die in der Geschichte des Filmfestivals bisher von Frauen stammten... Gegenüber 1688 männlichen Beiträgen. Die Festivalleitung hat jetzt versprochen, sich künftig stärker für die Gleichbehandlung der Geschlechter in Cannes einzusetzen.