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Ohne Le Pen? Marion Maréchal (28) will politische Elite ausbilden

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Ohne Le Pen? Marion Maréchal (28) will politische Elite ausbilden

Ohne Le Pen? Marion Maréchal (28) will politische Elite ausbilden
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REUTERS/Emmanuel Foudrot
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Die Enkelin von Jean-Marie Le Pen hat in Lyon eine private Uni gegründet: im ISSEP, dem Institut für soziale, wirtschaftliche und politische Wissenschaften, will Marion Maréchal künftige Entscheidungsträger ausbilden. Den Namen Le Pen, mit dem sie als Poltikerin des rechtsextremen "Front National" bekannt wurde, hat die 28-Jährige abgelegt. Seinen Namen hat unlängst auch die Partei ihrer Tante geändert: der "Front National" nennt sich seit dem 1. Juni "Rassemblement national" (RN).

Die neue Uni im Vorzeigeviertel Confluence ist in den Räumen einer Kindertagesstätte untergebracht, die jetzt umgezogen ist. Die in Braun-und Gelbtönen gehaltenen Namensschilder des ISSEP wurden über Nacht angebracht - auf die Videoüberwachung wird deutlich hingewiesen. Hunderte Polizisten sind im Einsatz, ein paar hundert Meter entfernt - vor dem Hôtel de Région - dem Amtssitz von Laurent Wauquiez - gibt es auch Proteste gegen Marion Maréchal und ihre "rechte Uni". In einer Umfrage unter Wählern des rechten Lagers hat die Le-Pen-Enkelin den konservativen Oppositionsführer Laurent Wauquiez von "Le Républicains" überholt. Der für seine populistischen Sprüche bekannte 43-jährige Wauquiez kämpft in der eigenen Partei um Anerkennung.

Politik-Experten in Frankreich glauben, dass Marion Maréchal davon profitiert, dass sie sich in der vergangenen Zeit aus der Politik zurückgezogen hat. Sie selbst spricht jetzt gern von "Metapolitik". Ihre Uni soll vor allem französisch und christlich sein, aber nicht unter der Fuchtel einer politischen Partei stehen. Anders als Marine Le Pen hatte Marion Maréchal an den Protesten gegen die "Ehe für alle" teilgenommen. Nicht nur damit hat sie sich auch bei den extremen Rechten beliebt gemacht.

REUTERS/Emmanuel Foudrot
Marion Maréchal in LyonREUTERS/Emmanuel Foudrot

Kontakte zu "Breitbart" und Bannon

Wer genau am ISSEP unterrichten soll, steht noch nicht fest. Auf der Liste der 120 Professoren, die sich spontan beworben haben sollen, stehen nicht nur ehemalige französische Politiker, sondern - laut "Le Monde" und anderen Medien - auch Raheem Kassam, ein Ex-Chefredakteur der britischen Ausgabe von "Breitbart", dem Hetzblatt des ehemaligen Trump-Beraters Steve Bannon. In Frankreich wird ohnehin darüber spekuliert, dass die rechtsextreme "Far Right"-Bewegung aus den USA eine der Finanzquellen für die neue Uni sein könnte. Im März hatte Bannon auf seiner EUropa-Tour persönlich die junge Marion Maréchal in den höchsten Tönen gelobt und als "eine der beeindruckendsten Persönlichkeiten der Welt" bezeichnet.

In den USA hat Marion Maréchal im Februar eine Rede auf Englisch gehalten, in der sie ihr Verständnis für Trumps Devise "AMERICA FIRST" zum Ausdruck brachte und die EU kritisierte. Wann und ob, die Ex-Abgeordnete wieder die politische ¨Bühne betritt, bleibt abzuwarten.

An ihrer "Akademie" bewerben können sich junge Leute, die nach dem Abitur bereits drei Jahre lang Jura, Politik oder Wirtschaftswissenschaften studiert haben. Marion Maréchal will eine andere "politische Elite ausbilden" - bewusst nicht in Paris, wo die aktuelle Elite unter sich bliebe. Marion Maréchals Uni soll im September die ersten Studierenden aufnehmen - staatlich anerkannt ist diese Ausbildung nicht.