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Was aus dem "Dschungel" von Calais wurde

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Der „Dschungel" von Calais anderthalb Jahre nach der Räumung. Wo rund 9.000 Flüchtlinge auf die Überreise nach England hofften, erstreckt sich heute ein Naturschutzgebiet. Lager weg, Problem gelöst – diese Rechnung der französischen Regierung ging nicht auf.

Im Herbst 2016 ließ Paris das improvisierte Zeltlager entfernen. Seither bemüht sich die Hafenstadt um einen Imagewandel. Das Gelände soll zum Naherholungsgebiet werden. Doch es kommen weiter Flüchtlinge nach Calais. Mehrere Hundert sollen sich derzeit in und um die nordfranzösischen Stadt befinden.

„Sie versuchen noch immer, von hier aus nach England zu kommen. Doch das ganze Gebiet wird streng überwacht. Spezialeinheiten der Polizei drehen regelmäßig ihre Runden“, erklären Alexandre Driencourt und Mélanie Calcoen, die auf dem ehemaligen „Dschungel“-Gebiet arbeiten.

Viele Migranten sind deshalb aufs Umland ausgewichen. Jeder Versuch, ein Lager einzurichten, werde von der Polizei unterbunden – oft mit Gewalt, erzählt ein Mann aus Eritrea.

Hilfsorganisationen gehen davon aus, dass die Sicherheitskräfte den Befehl haben, die Migranten auf diese Weise abzuschrecken. Mit dem Ziel: einen zweiten „Dschungel“ um jeden Preis zu verhindern.

„Nach dem Motto: Es gibt kein Lager mehr, es sind weniger Flüchtlinge vor Ort, also ist die Sache geregelt. Aber das ist wirklich nicht der Fall. Es ist alles nur schlimmer geworden. Die Lebensbedingungen der Migranten sind schlechter, sie können sich nirgendwo niederlassen, sind schutzlos und haben keinen Zugang zu Sanitäranlagen“, sagt Loan Torondel von der NGO „L’Auberge des Migrants.“

Die Verzweiflung der Menschen entlade sich oft in Gewalt. Torondel und die anderen Helfer versorgen die Flüchtlinge zumindest mit dem Nötigsten. Ihr Vorwurf: Emmanuel Macron löse mit seinem härteren Kurs gegen Migranten keine Probleme, er kaschiere sie, lagere sie aus. Dasselbe gelte für die gesamte Europäische Union.