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Südengland: Britisches Paar ungewollt vergiftet?

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Südengland: Britisches Paar ungewollt vergiftet?

Polizist in Amesbury
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REUTERS/Henry Nicholls
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Wieder Südengland und wieder Nowitschok: Vier Monate nach dem Anschlag auf den Ex-Doppelagenten Skripal und dessen Tochter sind in Südengland wieder ein Mann und eine Frau vergiftet worden - und das offenbar mit dem gleichen Kampfstoff "Nowitschok" wie im Fall des Ex-Agenten.

Das britische Paar, eine 44-jährige Frau und ein 45-jähriger Mann, wurde am Wochenende aus ihrem Haus in Amesbury ins Krankenhaus gebracht. Lebensbedrohlich erkrankt liegen beiden nun in derselben Klinik in Salisbury wie damals Sergej Skripal und seine Tochter.

"Nach der detaillierten Analyse der Proben können wir bestätigen, dass der Mann und die Frau dem Nervengift Nowitschok ausgesetzt waren“, sagte Neil Basu von der Metropolitan Police. "Das ist dasselbe Mittel wie das, was bei Julia und Sergej Skripal festgestellt wurde. Allerdings sind wir noch nicht in der Lage, zu sagen, ob das Mittel aus derselben Charge stammt, der die Skripals ausgesetzt waren."

Ungewollt vergiftet?

Unklar bleibt zudem, ob das britische Paar bewusst als Ziel ausgewählt wurde. Einem Bericht zufolge könnte das im Fall Skripal verwendete Behältnis für den Kampfstoff Nowitschok ungewollt auch die nun erkrankten Briten in Lebensgefahr gebracht haben, berichtete die Nachrichtenagentur Press Association unter Berufung auf eine ranghohe Regierungsquelle. Statt eines zweiten Anschlags prüfen die Ermittler demnach auch den Verdacht einer solchen Kreuzkontamination.

Der vor dem Anschlag auf die Skripals verwendete Behälter zur Aufbewahrung des Nervengifts sei bis heute nicht gefunden worden, berichtete PA unter Verweis auf die Regierungsquelle. Denkbar sei deshalb, dass das Paar mit demselben Gegenstand in Berührung kam - ohne bis dahin selbst etwas mit dem Kriminalfall Skripal zu tun gehabt zu haben.

Diplomatische Krise im Fall Skripal

Das Attentat auf die Skripals hatte eine schwere internationale Krise ausgelöst. Großbritannien bezichtigte Russland, als Drahtzieher hinter der Tat zu stecken. Nowitschok war in der früheren Sowjetunion hergestellt worden.

Zahlreiche westliche Staaten, auch Deutschland, wiesen Dutzende russische Diplomaten aus. Moskau reagierte mit ähnlichen Maßnahmen.