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Italiens Küstenwache schreitet bei Bergung ein "um Crew zu retten"

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Italiens Küstenwache schreitet bei Bergung ein "um Crew zu retten"

Italiens Küstenwache schreitet bei Bergung ein "um Crew zu retten"
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REUTERS/Heino Kalis/File
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Italien ist in dieser Woche bei einer Seenotrettung von Migranten durch ein privates italienisches Schiff eingeschritten. Den Angaben der Besatzung zufolge hatten die Migranten ihnen zuvor gedroht - aus Angst sie würden den libyschen Behörden übergeben.

Die Vos Thalassa nahm am Sonntag 67 Migranten, darunter sechs Kinder, an Bord, und reagierte damit auf einen Notruf vor der libyschen Küste.

Widersprüchliche Berichte

Mehrere lokale und internationale Medien berichteten, dass dem Schiff wegen der Migranten die Erlaubnis verweigert wurde, in italienischen Häfen anzulegen. Es wäre das erste Mal, dass die Regierung ein italienisches Schiff abweist.

Die Migranten wurden dann der italienischen Küstenwache übergeben, heißt es in den Berichten.

Die internationale Reederei Vroon, die das Versorgungsschiff Vos Thalassa betreibt, teilte Euronews mit, dass das Schiff "nie einen italienischen Hafen oder gar italienische Hoheitsgewässer anlaufen wollte".

Stark in der Unterzahl

Vroon sagte, als das Schiff in Richtung libyscher Küstenwache fahren wollte, um die Migranten zu übergeben, begannen sie, "die Besatzung zu bedrohen, sie zu umzingeln und zu schubsen und ihnen in Gesten der Kehle durchzuschneiden".

"Aufgrund dieser Bedrohungen kehrte das Schiff zu seiner Position zurück und meldete diese Situation dem MRCC (Maritime Rescue Coordination Centre, der Leitstellen zur Koordination der Seenotrettung) in Rom.

Die Reederei sagte: "Es ist sehr beängstigend, mit einer wütenden Menge, die wenig zu verlieren hat und in der Überzahl ist, an Bord eines Handelsschiffes zu sein".

"Wir sind sehr stolz auf die Professionalität unserer Crew unter diesen schwierigen Umständen."

Die italienische Küstenwache wiederholte die Behauptungen in einer Erklärung gegenüber Euronews und sagte, dass der Kommandant des Schiffes von "einer Situation ernster Gefahr für die Sicherheit des Schiffes und seiner Besatzung berichtete, verursacht durch einige Migranten die Besatzungsmitglieder bedrohten".

Die Küstenwache versucht nun nach eigenen Angaben, die Verantwortlichen für die Unruhen zu identifizieren.

Der italienische Verkehrsminister Danilo Toninelli schrieb auf Twitter, er sei stolz auf die italienische Küstenwache, die die Migranten, "die das Leben der Besatzung des italienischen Schiffes Vos Thalassa gefährdeten".

"Jetzt weiter mit Ermittlungen, um Unruhestifter zu bestrafen", schrieb er.

Vorgehen gegen Migranten

Italien geht derzeit vermehrt gegen illegale Migranten vor.

In einem Interview mit einem italienischen Radiosender sagte Innenminister Matteo Salvini, die Häfen des Landes würden den ganzen Sommer über für Nichtregierungsorganisationen, die Migranten transportieren, geschlossen. Auch Treibstoff für ihre Schiffe will Italien den Organisationen verwehren.

Im vergangenen Monat hat Libyen mit Unterstützung Italiens und der Europäischen Union einen großen Teil der Seemigrantenroute nach Europa. Ein Punkt den Hilfsorganisationen sehr kritisch sehen.

Vor dem Wechsel gab es keine offizielle Such- und Rettungszone in der Region. Die Koordination wurde dann meist von Italien übernommen.

Während Migranten nach internationalem Recht in Sicherheit gebracht werden sollen, sagten Such- und Rettungsorganisationen Euronews, dass sie jetzt nach Libyen zurückgebracht würden, wo es keine sicheren Häfen gebe.

Humanitäres Drama

Vroon sagte, er könne sich nicht zur Migrationspolitik der italienischen Regierung äußern. Das Thema bezeichnet man dort als "sehr trauriges und humanitäres Drama".

"Die Pflicht, Menschen in Not zu retten, ist eine universelle Verpflichtung, die in der ganzen Welt gilt. Unsere Schiffe stehen in sehr engem Kontakt mit dem MRCC in Rom", hieß es.

Mehr als 640.000 Migranten sind seit 2014 an der italienischen Küste gelandet. Die Zahl ist im vergangenen Jahr drastisch zurückgegangen. Im Jahr 2018 kamen bisher rund 17.000 Menschen an.