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"Lesen Sie afrikanische Literatur!" Tsitsi Dangarembga erhält Friedenspreis

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Von Euronews  mit DPA / EBU
Tsitsi Dangarembga bei ihrer Dankesrede in der Paulskirche
Tsitsi Dangarembga bei ihrer Dankesrede in der Paulskirche   -   Copyright  DAMIAN SANCHEZ/AFP   -  

Die simbabwische Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga ist mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt worden.

Dangarembga sei "eine weithin hörbare Stimme Afrikas in der Gegenwartsliteratur", hieß es in der Begründung der Jury.

Hierarchische Denkmuster überwinden

Die 62-Jährige wurde für ihr künstlerisches Schaffen, aber auch für ihr politisches Engagement ausgezeichnet. Sie kämpft seit Jahren gegen für Freiheitsrechte und gegen Korruption und muss sich deswegen vor Gericht verantworten.

In ihrer Dankesrede warb sie dafür, alte hierarchische Denkmuster zu überwinden, auch mithilfe von Sprache.

"Die Lösung besteht darin, die rassistischen und anderen hierarchischen Denkweisen, die auf demografischen Merkmalen wie Geschlecht, Sex, Religion, Nationalität und Klasse beruhen, aufzuheben. Und ebenso alle anderen Denkmuster, die im Laufe der Geschichte und auf der ganzen Welt die Bausteine von Imperien waren und sind."
Tsitsi Dangarembga
Friedenspreisträgerin 2021

"Bitte Lesen Sie die afrikanische Literatur!"

Die Laudatio mit einem flammenden Appell in der Frankfurter Paulskirche hielt eine langjährige Freundin der Preisträgerin, die kenianische Germanistin und Soziologin Auma Obama, Halbschwester des früheren US-Präsidenten Barack Obama.

"Mit deiner Arbeit hast du gegen alle Widerstände, wir haben gesehen, du wurdest verhaftet mit allen möglichen Mitteln, Schreiben, Filmemachen, laut werden für die Stimmlosen und für die Meinungsfreiheit in deinem Land Simbabwe gekämpft.

"Bitte Lesen Sie die afrikanische Literatur. Schauen Sie über Ihren Horizont. Rundheraus: Wir sind da, wir sind stark. Lass es nicht ein Einzelfall sein. Read African books. Vielen Dank."
Auma Obama
Laudatorin

In Deutschland wurde sie erst spät entdeckt

Bekannt wurde Dangarembga 1988 mit ihren gefeierten Debüt-Roman "Nervous Conditions" ("Aufbrechen"), dem ersten Teil einer autobiografisch geprägten Trilogie.

In Deutschland wurde sie erst spät entdeckt, dabei hat sie eine besondere Beziehung zu Deutschland, hat mehrere Jahre in Berlin studiert und einen deutschen Ehemann. Dangarembga erhält als erste Schwarze Frau den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Zwischenfall in der Paulskirche

Während der Ansprache des Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) in der Paulskirche, der auf die Debatte über die Grenzen der Meinungsfreiheit bei der diesjährigen Buchmesse ein ging, wurde er plötzlich von Mirrianne Mahn unterbrochen.

Die Stadtverordnete für die Grünen in Frankfurt kam ungeplant auf die Bühne. "Das Paradox ist, dass wir hier in der Paulskirche, der Wiege der Demokratie, einer schwarzen Frau den Friedenspreis verleihen, aber schwarze Frauen auf genau dieser Buchmesse nicht willkommen waren", sagte sie. "Und ich sage ganz klar 'nicht willkommen waren', weil nicht dafür gesorgt wurde, dass sie sich sicher fühlen."

Zu der Kontroverse war es gekommen, nachdem die Autorin Jasmina Kuhnke ("Schwarzes Herz") ihren Auftritt auf der Messe wegen der Anwesenheit des rechten Jungeuropa-Verlags abgesagt hatte. Später waren weitere Autorinnen und Autoren gefolgt.