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"Mögen die toten Kinder dich in deinen Träumen verfolgen"

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Von Euronews  mit AP, AFP
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Die russische Journalistin Marina Owsjannikowa vor Gericht in Moskau.
Die russische Journalistin Marina Owsjannikowa vor Gericht in Moskau.   -   Copyright  Alexander Zemlianichenko/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved

Eine trotzige Marina Owsjannikowa hat ihren Protest gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine selbst aus dem Angeklagtenkäfig des Gerichtssaals heraus fortgesetzt.

Während ihrer Verhandlung in Moskau hielt die Journalistin eine handgeschriebene Botschaft auf einem Blatt Papier hoch: "Mögen die toten Kinder dich in deinen Träumen verfolgen". 

Marina Owsjannikowa hatte Anfang des Jahres während der wichtigsten Live-Nachrichtensendung im russischen Staatsfernsehen ein Protestschild in die Kameras gehalten und damit auch international Berühmtheit erlangt. "Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen", stand damals auf dem Transparent. 

Momentan steht Owsjannikowa wegen eines Straßenprotests im vergangenen Monat vor Gericht. Dabei hatte sie ebenfalls mit einem Transparent protestiert: "Putin ist ein Mörder, seine Soldaten sind Faschisten. 352 Kinder sind getötet worden. Wie viele Kinder müssen noch sterben, damit Sie aufhören?"

Im Falle einer Verurteilung drohen Owsjannikowa nach einem neuen Gesetz, das Äußerungen gegen das Militär unter Strafe stellt, bis zu 10 Jahre Gefängnis. Das Gesetz wurde kurz nach dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine erlassen.

"Marina wurde zur Geisel ihres eigenen Gewissens und zur Geisel ihrer Liebe zu ihren Kindern", sagte ihr Anwalt Dmitri Zakhvatov nach der Anhörung.

"Sie kann nicht im Ausland sein, weil ihre Kinder hier sind, und sie kann hier nicht schweigen, weil sie eine Gefangene ihres Gewissens ist", sagte Zakhvatov. "Als Mutter kann sie nicht schweigen. Sie sieht, was vor sich geht, und das zwingt sie, ihre Stimme zu erheben."

Nachdem ihre Karriere bei Staatsfernsehen im März beendet war, wurde Owsjannikowa zu einer Aktivistin, die Mahnwachen gegen den Krieg veranstaltete und sich öffentlich gegen den Konflikt aussprach.

In den letzten Wochen wurde sie zwei weitere Male zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie in einem kritischen Facebook-Post das Militär verunglimpft hatte.

Nach Angaben von Net Freedoms, einer Rechtshilfegruppe, die sich auf Fälle der freien Meinungsäußerung konzentriert, gab es bis Mittwoch 79 Strafverfahren wegen der Verbreitung falscher Informationen über das Militär und bis zu 4.000 Verwaltungsverfahren wegen der Verunglimpfung der Streitkräfte.

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