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Taliban-Regierung: Ex-Sicherheitsberater erzählt vom 15. August, 2021

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Von Euronews
Der ehemaliger stellvertretende Staatschef und Sicherheitsberater des ex-Präsidenten wusste, sie mussten schnell handeln, um das Leben des Präsidenten zu retten
Der ehemaliger stellvertretende Staatschef und Sicherheitsberater des ex-Präsidenten wusste, sie mussten schnell handeln, um das Leben des Präsidenten zu retten   -   Copyright  Euronews   -  

Ein Jahr nach der Rückkehr der Taliban. Seit dem Fall von Kabul und dem Zusammenbruch der afghanischen Regierung haben viele ihrer Mitglieder versucht, ihre Seite der Geschichte zu erzählen. Zu diesen gehört auch Hamdullah Mohib, der ehemalige stellvertretende Stabschef und nationaler Sicherheitsberater von Präsident Ashraf Ghani. Im Interview mit Euronews Reporterin Anelise Borges teilt er seine Erinnerungen an den 15. August 2021.

Hamdullah Mohib: Der 15. August ist ein Tag mit vielen Realitäten. Ich glaube, viele Dinge sind so schnell passiert, dass man jede Minute darüber nachdenken könnte, was passiert ist und was sich im Laufe des Tages in jeder Sekunde geändert hatte. Aber die afghanische Geschichte hat gezeigt, dass es sehr schnell gehen kann, wenn eine Regierung zusammenbricht, einschließlich das damalige Taliban-Regime selbst - als es dann fiel, ging es sehr rasch. Frühere afghanische Regierungen, die gestürzt wurden, hatten eine lange Vorbereitungszeit wenn dieser Fall eintritt. Wenn es dann mal soweit ist, geht es sehr schnell, und es gibt nur ein kleines Zeitfenster, in dem einige Dinge getan werden können. Dazu gehört auch, das Leben des Präsidenten zu retten. Denn wir würden das Land so oder so verlieren, egal was passiert. Das war offensichtlich.

Anelise Borges: Ich glaube, Sie waren der engste Mitarbeiter von Präsident Ashraf Ghani? Waren Sie derjenige, der ihm sagte, dass es Zeit sei zu gehen?

Hamdullah Mohib: Ja, das war ich.

Anelise Borges: Und wie hat er darauf reagiert?

Hamdullah Mohib: Er hat verstanden, dass der Zeitpunkt gekommen war. Wir hatten nur ein sehr kleines Zeitfenster. Wäre er noch länger geblieben, wäre die Chance, dass er überhaupt das Land noch verlassen kann, geringer geworden.

Als ich also erkannte, dass ihn sein eigenes Sicherheitskommando nicht mehr schützen konnte, und wir vom Geheimdienst wussten, dass Taliban-Gruppen auf Kabul vorrückten und Präsident Ghani ihr Ziel war, war es Zeit zu gehen. Er wusste auch von all den Geheimdienstinformationen die nicht nur Wochen, sondern Monate vor dem Fall von Kabul schon eintrafen. Es war somit keine Überraschung.

Es gab in dem Moment eine Gelegenheit, eine Chance, denn die Amerikaner waren mit ihren Truppen immer noch da. Sie hatten eine Abmachung mit den Taliban. Der Krieg der Taliban würde enden, wenn Ghani von seinem Posten entfernt werden würde. Und die Amerikaner konnten ihre Arbeit mit den Taliban fortsetzen, in den zwei Wochen die ihnen dort noch geblieben waren.