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Pekings Aufschwung, Boom im Marketing & die Türkei im Glück

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Pekings Aufschwung, Boom im Marketing & die Türkei im Glück
Copyright  euronews   -   Credit: Dubai Tourism
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Peking erlebt einen wirtschaftlichen Aufschwung, aber werden die verschlechterten Handelsbeziehungen mit Washington Chinas Erholung einen Dämpfer versetzen? Außerdem: ein Interview mit dem Gründer einer der am schnellsten wachsenden Marketingagenturen der Welt - unter anderem über den schönen Schein. Und: Die Türkei im Glück mit der Entdeckung von Erdgasvorkommen im Schwarzen Meer. Themen in dieser Business-Line-Folge.

Kampf der Giganten

Die chinesische Wirtschaft hat sich im zweiten Quartal 2020 rasch erholt, nachdem sie im ersten Quartal deutlich geschrumpft war. Peking profitiert von dem Aufschwung, aber es zeichnet sich eine Verschlechterung der Beziehungen zu Washington ab, seit Präsident Donald Trump die Idee einer wirtschaftlichen "Entkoppelung" ins Spiel brachte.

Das Pekinger Nachtleben hat wieder angefangen und die chinesische Start-up-Börse ChiNext ist wieder offen, ein Pendant zur US-amerikanischen Technologiebörse NASDAQ. Alles Anzeichen für eine sich erholende Wirtschaft. Chinas Bruttoinlandsprodukt stieg im 2. Quartal 2020 um 3,2%, nachdem es im 1. Quartal geschrumpft war. Das hat die Erwartungen der Analysten übertroffen.

Ein Verkäufer auf dem Freiluftmarkt im Pekinger Stadtviertel Sanlitun beschreibt die aktuelle Stimmung: "Während der Epidemie gab es hier weniger Kunden und Unterhaltungs-Möglichkeiten. Auf diesem Markt haben wir persönlichen Kontakt mit den Verbrauchern. Das ist für uns Verkäufer eine große Hilfe. Die Branche erlebt einen neuen Frühling, die Unternehmen erholen sich", meint Liu Xiao.

Die USA bereiten sich auf die anstehenden Präsidentschaftswahlen vor, Präsident Donald Trump facht die Handelsspannungen mit China an. "Kein Land hat uns mehr abgezockt als China. Sollten wir uns entkoppeln? Das ist eine sehr interessante Frage, denn bis jetzt haben wir nicht von China profitiert."

Mögliche "Entkopplung" der Handelspartner

Das chinesische Außenministerium steht sowohl mit den Republikanern als auch mit den Demokraten in Washington in Kontakt: Vielleicht ein Hinweis darauf, dass man nicht an einen Wahlsieg von Donald Trump im November glaubt:

"China hofft, dass beide US-Parteien, sowohl die demokratische als auch die republikanische, die Beziehungen zwischen China und den USA objektiv betrachten und mit China zusammenarbeiten können, um die Beziehungen zwischen China und den USA durch Koordination, Kooperation und Stabilität zu fördern", sagt Zhao Lijian, Sprecher des chinesischen Außenministeriums. "Sie dienen den gemeinsamen Interessen der Menschen in China, den USA und der ganzen Welt."

Unabhängig davon, ob eine "Entkoppelung" der beiden Handelsgiganten überhaupt machbar ist, eine Sache steht fest: Wer auch immer 2021 im Oval Office sitzt, wird die bilateralen Handelsbeziehungen aus einer schwächeren Position mit einem erstarkten Peking verhandeln müssen.

Der schöne Schein des Online-Marketings

Die in Dubai ansässige Marketingagentur "Create Media" wurde kürzlich von der US-Fachzeitschrift "Adweek" als eine der 50 weltweit am schnellsten wachsenden Marketingagenturen eingestuft. Mit Gründer Tom Otton spreche ich über die sich rasant entwickelnde Welt der sozialen Medien und darüber, wie wichtig der schöne Schein ist.

Tom Otton, Gründer & Geschäftsführer Create Media Group:
"Create Media" startete um das Jahr 2010 herum. Als wir anfingen, wollten wir unserem ersten großen Kunden eine Webseite präsentieren. Der Kunde war eigentlich eine Nummer zu groß für uns. Wir waren gerade dabei, unsere ersten Räumlichkeiten zu beziehen. Also habe ich den Termin immer wieder hinausgezögert. Dann kam es zu dem Treffen. Aber wir hatten noch keinen Stromanschluss. Ich rief einen Freund an und fragte ihn nach einer großen Batterie, die ich an einen Computer anschließen könnte. Ich legte sie unter den Tisch im Sitzungssaal und machte die vollständige Präsentation damit. Zu der Zeit gab es etwa 15 Leute in der Agentur. Sie saßen an Computern ohne Stromanschluss und taten so, als würden sie arbeiten.

Euronews-Reporter James O'Hagan:

Mit welchen Kunden arbeiten Sie aktuell?

Tom Otton:
Wir arbeiten mit 'Visit Dubai' von 'Dubai Tourism' zusammen. Bei unserem Kunden 'Expo 2020' kümmern wir uns um all ihre sozialen Medien, und wir arbeiten auf Projektbasis mit der 'Emirates Airline', wir erstellen viele ihrer Videos. Mit Spider-Man haben wir einen wirklich coolen Beitrag für den neuen Film 'Far From Home' gemacht.

Euronews:
Das Online-Marketing war von der Covid-19-Pandemie nicht allzu sehr betroffen. Wie ist es Ihnen ergangen?

Tom Otton:
Am Anfang war es eine Achterbahnfahrt. Wir haben ein paar Kunden verloren, die ziemlich stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Aber abgesehen davon haben wir ein Wachstum erlebt. Im vergangenen Jahr haben wir die Mitarbeiterzahl um 91 Prozent erhöht. Wir sind auf Kurs, dieses Jahr wird der Personalbestand wahrscheinlich wieder um etwa 50 bis 60 Prozent steigen. In der vergangenen drei bis vier Jahren erlebten wir ein rasantes Wachstum. Die US-amerikanische Fachzeitschrift 'Adweek' listet die am schnellsten wachsenden Agenturen weltweit. Wir haben in diesem Bereich den vierzigsten Platz belegt. In diesem Ranking waren wir die einzige Agentur aus dem Nahen Osten. Ich bin zuversichtlich, dass wir es auch in diesem Jahr auf diese Liste schaffen werden.

Euronews:
Wie hat Covid-19 den Wandel in der digitalen Landschaft beeinflusst?

Tom Otton:
Der digitale Wandel ist bereits im Gange, Covid hat ihn lediglich beschleunigt. In den vergangenen, ich würde sagen drei, vier, fünf Monaten haben wir erlebt, dass unser Dreijahresplan von Januar buchstäblich in nur einem Vierteljahr umgesetzt wurde. Es passiert so viel im Nachrichtenrhythmus, dass wir vielen Regierungsstellen helfen, diese Geschichte zu schreiben, zu erzählen, eine Strategie aufzubauen. Zum Beispiel mit dem Tourismus in Dubai. Wie zeigen wir, dass Dubai offen für Touristen ist? Wir verkaufen immer noch den Traum vom Reisen. Aber gleichzeitig müssen wir auch sicherstellen, dass wir auf die Sicherheit achten, auf die Maßnahmen, darauf, dass die Menschen auf dem richtigen Weg vom Flughafen bis zum Hotel kommen.

Junge Konsumenten haben keine Zeit für Hochglanzbilder

Euronews:
Wie erreichen Sie junge Konsumenten wie die Generation Z?

Tom Otton:
Die jüngere Generation hat keine Zeit für Hochglanzbilder. Das sieht man beispielsweise bei TikTok. Es gibt nichts roheres als TikTok. Dort stellen Menschen Kurz-Videos ein, oft aus ihren eigenen vier Wänden. Aber einige Marken verstehen das nicht richtig: Es geht nicht darum, dieselbe Botschaft zum Beispiel auf eine TikTok-Werbung zu übertragen, nur weil dort das jüngere Publikum ist. Es geht darum, die Psyche der Menschen zu verstehen, die diese Plattform nutzen, was sie sehen, wem sie folgen wollen, und diese Geschichte auf die entsprechende Weise zu gestalten.

Die Türkei im Glück

Die Entdeckung von großen Erdgas-Vorkommen im Schwarzen Meer könnte die wirtschaftlichen Probleme der Türkei entschärfen. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass das Land sich zu einem regionalen Energiezentrum entwickelt, aber man könnte die Abhängigkeit von Iran und Russland im Energiebereich verringern sowie der türkischen Wirtschaft einen willkommenen Auftrieb geben.

Nachdem die türkische Lira in diesem Sommer auf Rekordtiefststände gefallen war, könnte eine Ankündigung des türkischen Präsidenten positive Auswirkungen auf die Währung haben: Recep Tayyip Erdogan gab im August die Entdeckung von rund 320 Milliarden Kubikmetern Erdgas im Schwarzen Meer bekannt:

"Die Türkei hat jetzt die Stärke, den Willen und die Möglichkeiten, auf eigenen Füßen zu stehen, ohne dass sie sich in irgendeinem Bereich in irgendeinen Schatten stellen muss. Unser Ziel ist es, das Gas aus dem Schwarzen Meer bis 2023 für unsere Nation nutzbar zu machen."

Schwierige Erschließung

Die Erschließung im Schwarzen Meer gilt als schwierig. Aber dieser Gasfund ist eine willkommene Nachricht, denn die Energieimporte der Türkei beliefen sich 2019 auf rund 35 Milliarden Euro. Experten bezweifeln allerdings, dass eine Förderung innerhalb drei Jahren realistisch ist.

"Der Zeitplan 2023 erscheint mir übertrieben ehrgeizig. Die vielleicht besten historischen Beispiele stammen aus Israel, das in den vergangenen 20 Jahren zwei riesige Felder entdeckt hat. Die Erschließung von beiden hat mehr als zehn Jahre gedauert", so Dr. John Bowlus, Chefredakteur von Energy Reporters / Center for Energy and Sustainable Development an der Kadir Has University. Die Entdeckung kommt zu einer Zeit, da die Spannungen zwischen den NATO-Verbündeten Türkei und Griechenland wegen der Öl- und Gasförderung in umstrittenen Gewässern im östlichen Mittelmeer steigen. "Dieser Fund liegt im Schwarzen Meer. Dort hat die Türkei bereits ihre Grenzen mit den Schwarzmeer-Anrainern abgesteckt. Die Türkei kann die Vorkommen aus eigener Kraft erschließen. Es wird also eine türkische Gasquelle sein, die die türkische Wirtschaft auf eine bessere Grundlage stellt. Der Fund wird helfen, ihr Leistungsbilanzdefizit zu reduzieren."

Der Energiebedarf sollte zwar auf erneuerbare Energien umgestellt werden, aber diese Entdeckung gibt der türkischen Wirtschaft eine Perspektive.