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Greenpeace-Chef will USA zum Umdenken bewegen

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Greenpeace-Chef will USA zum Umdenken bewegen

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Hier in einem Vorort von Amsterdam trifft sich die Führungsrige von Greenpeace. Aus allen Ecken der Welt haben sie sich zusammengefunden, um über die Klimakonferenz in Cancun zu beraten und neue Aktionen der größten Nichtregierungsorgansation weltweit zu planen.

Seit einem Jahr ist Kumi Naidoo der Geschäftsführer von Greenpeace International. Zum ersten Mal hat ein Afrikaner den Vorsitz inne. Der 45-jährige Menschenrechtsaktivist gehört zur indischen Minderheit Südafrikas. In jungen Jahren kämpfte er gegen die Apartheid, was 1986 zu seiner Verhaftung führte und ihn drei Jahre später ins Exil zwang. 2005 gehörte er zu den Gründern von “Deine Stimme gegen Armut”. Naidoo promovierte in Politikwissenschaften.

Laura Davidescu, euronews:

Der Klimagipfel in Cancun ist in vollem Gange. Jeder weiß, dass kein verbindliches Abkommen in 2010 erreicht werden kann. Ist die Dringlichkeit von Kopenhagen verloren gegangen?

Kumi Naidoo, Geschäftsführer von Greenpeace International:

Die Dringlichkeit ist noch inmmer in weiten Teilen der Bevölkerung weltweit vorhanden. Leider wird dies nicht von unseren politischen Leitfiguren widergespiegelt.

Wenn wir nur auf das Jahr 2010 schauen und darauf, was auf diesem Planeten passiert ist, sollte dies ein klarer Aufruf für unsere Politiker sein, nicht wie bisher mit der Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder zu pokern.

Laura Davidescu, euronews:

Nach acht Entwürfen lag es in Kopenhagen am Ende an US-Präsident Barack Obama und dem chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jibao ein politisches Abkommen zu treffen. Sie taten es nicht.

Kumi Naidoo, Geschäftsführer von Greenpeace International:

China und die USA müssen anerkennen, dass sie besondere Verantwortung tragen. Ein gemeinsames Gespräch ist wichtig. Aber ich unterstreiche auch, dass die US-Regierung nicht weiter fortfahren kann, sich hinter China zu verstecken. Das war jedoch zu einem großen Teil der Fall. Denn wenn wir auf China schauen, ist es weit davon entfernt, so ein Notfall zu sein, wie wir es gerne hätten, keine Frage. Aber sie haben wichtige Schritte unternommen, die anerkannt werden müssen. Die USA kamen nach Kopenhagen und boten an, bis 2020 den CO2-Ausstoss um drei Prozent zu reduzieren.

Laura Davidescu, euronews:

Im Vergleich zu dem Niveau von 1990.

Kumi Naidoo, Geschäftsführer von Greenpeace International:

Ich denke, wir müssen die USA, China und andere Länder dazu bringen, dass sie anerkennen, dass dies in Jedermanns Interesse liegt.

Laura Davidescu, euronews:

Wenn sie sagen, wir müssen die US-Regierung dazu bringen, was schwebt Ihnen da vor?

Kumi Naidoo, Geschäftsführer von Greenpeace International:

Also es gibt zwei Dinge, die sich in der Dynamik der USA ändern müssen. Wir müssen die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten ändern. Wir müssen unsere Aufrufe in verschiedenen Teilen der Gesellschaft intensivieren – bei den Gewerkschaftsführern, religiösen Führen und Chefs von Nichtregierungsorganisationen. Interessanterweise gibt es Leute in der CIA und im Pentagon, die sich des Klimawandels bewusst sind. Sie haben gesagt, dass in Zukunft die größte Bedrohung des Friedens und der Sicherheit das Klima sein wird. Es gibt also Auffassungen, die genutzt werden können, um die Dynamik zu ändern. Das ist harte Arbeit. Ich würde lügen wenn ich sage, dass dies ein Spaziergang ist. Es ist eine echte Herausforderung, aber ich denke, wir können es schaffen.

In den USA stecken die von Konzernen bestimmten Medien mit der fossil fuel industry unter einer Decke. Sie werfen mit Millionen von Dollarn um sich, um die öffentliche Diskussion zu verderben.

Laura Davidescu, euronews:

Wie wollen sie dem entgegenwirken?

Kumi Naidoo, Geschäftsführer von Greenpeace International:

Wir werden versuchen, zu reagieren. Wir haben bereits Erfolg, aber wir sind noch nicht am Ende angelangt. Wir haben keine andere Wahl als zu versuchen, die öffentliche Meinung in den USA zu ändern.

Laura Davidescu, euronews:

Ist das eine ihrer Top-Prioriäten?

Kumi Naidoo, Geschäftsführer von Greenpeace International:

Wir werden, nein wir haben bereits eine massive Kampagne gegen Kohle geführt. Wir werden für eine Energierevolution werben.

Laura Davidescu, euronews:

Ich würde Ihnen gern ein paar Bilder zeigen.

Ich würde das wie folgend zusammenfassen: Aktivisten auf einem Kran, spektakuläre Turnübungen: eine wichtige Botschaft: Erzählen diese Bilder Greenpeaces Philosophie der Nussschale?

Kumi Naidoo, Geschäftsführer von Greenpeace International:

Es erzählt Teile dessen, was Greenpeace heute kurz vor seinem 40. Geburtstag ist. Was nicht wirklich bekannt ist, sind die vielzähligen Bereiche in denen Greenpeace aktiv ist. Sie sind nicht alle so aufregend wie diese Bilder.

Wir verwenden viel Zeit darauf, mit den Regierungen und Unternehmen zusammen zu arbeiten. Als ich vor einem Jahr zu Greenpeace kam, war meine Vision, widersprüchlich. Auf der einen Seite müssen wir den Widerstand gegen Umweltzerstörung verstärken und auf der anderen Seite aber den Dialog intensivieren.

Leider sind die Hauptbilder, die die Medien festhalten, die aufregenderen Sachen und es wird nicht so sehr gezeigt, was wir hinter den Kulissen machen. Als ich im Januar dieses Jahres nach Davos zum Weltwirtschaftsforum gefahren bin, war ich überrascht, wieviele Firmenchefs bereit waren, mich zu treffen. Ein Firmenchef sagte mir: Einige von uns hoffen, wenn wir sie mit an einen Tisch holen, dann werden wir nicht auf ihrer Speisekarte stehen.

Laura Davidescu, euronews:

Also fühlen sie immer noch die Macht von Greenpeace etwas zu boykottieren?

Kumi Naidoo, Geschäftsführer von Greenpeace International:

Nur ein Beispiel: Wir haben dieses Jahr eine Online-Kampagne gegen Nestlé gemacht, um sie davon abzubringen Palmöl aus dem indonesischen Regenwald zu verwerten. Wir waren erfolgreich und haben den Konzern dazu gebracht, nicht mehr aus Regenwaldzerstörung gewonnenes Palmöl zu kaufen. Firmen, die einen Markennamen haben und von einer guten öffentlichen Reputation abhängig sind, weil sie die Produkte direkt an die Öffentlichkeit verkaufen, sind offensichtlich angreifbar.

Laura Davidescu, euronews:

Von der Macht Greenpeace?

Kumi Naidoo, Geschäftsführer von Greenpeace International:

Aktivismus. Aber es ist wichtig, dass einige der größten Verursacher der Umweltzerstörung Veränderungen vornehmen. Das sind Unternehmen wie die KOCH-Industrien oder Cargill, letzterer ist ein riesiger Lebensmittelkonzern, der einer der größten Verursacher für die Regenwaldzerstörung im Amazonas war. Aber diese Unternehmen verkaufen ihre Produkte nicht direkt an die Öffentlichkeit, sie zu einer Änderung zu bewegen, ist viel schwieriger.

Laura Davidescu, euronews:

Wenn ich Sie General Naidoo nenne, denn sie sind wie ein Armeechef, ein friedlicher aber trotzdem. Wenn man ihnen eine größere Armee geben würde, wo würden sie diese hinschicken?

Kumi Naidoo, Geschäftsführer von Greenpeace International:

Ich muss sagen, dass ich den Vergleich mit der Armee unangenehm finde. Auch wenn wir zum Teil sehr engagierte, gewagte Aktionen durchführen, bei der die Polizei versucht, uns festzunehmen, wehren wir uns doch nie. Wir bleiben immer friedlich. Lassen sie mich sagen: zivile Ungehorsamkeit hat die Welt zu einer faireren gemacht. Wenn sie die größten Kämpfe die die Menschheit ausstehen musste, betrachten: wie Sklaverei, Kolonialismus, Apartheid, das Wahlrecht der Frauen, die amerikanische Bürgerrechtsbewegung unter Martin Luther King – all diese Bewegungen kamen zustande, weil anständige Frauen und Männer sagten: genug ist genug.

Greenpeace wurde sehr vom Erbe Mahatma Ghandis und Martin Luther Kings beeinflusst, friedlich zu sein, zivilen Ungehorsam als einen Weg zu nutzen, diejenigen mit Macht zu drängen, ernsthafter zu regieren. Aber am Ende müssen wir auch darüber nachdenken, wie wir Aktionen zeigen können, bei der viele Menschen mitmachen. Zum Beispiel, eine Menschenkette von 10.000 vor einem Kohlekraftwerk

Wir können die Wissenschaft nicht ändern, wir müssen die Politik ändern. Wenn die Politiker nicht gewillt sind, einen fairen Klimadeal zu verhandeln, dann müssen viele Menschen mobilisiert werden. Wenn wir nicht die Politik ändern können, dann müssen wir versuchen, die Politiker zu ändern – das wird sie hoffentlich dazu ermahnen, aktiv zu werden.