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Öko-Heim, Glück allein

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Öko-Heim, Glück allein

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Sind Würfel aus Holz die Häuser von morgen? Die dänische Stadt Aarhus hat ein neues ökologisches Viertel gebaut.

Die Bewohner des neuen Stadtteils Lystrup leben in revolutionären Appartements, die sehr energiesparsam sind.

Auf ihren Komfort muss Agnete dennoch nicht verzichten: “Ich habe einmal in einem sehr alten Haus gewohnt. Es gab Löcher in den Wänden und es war sehr kalt. Ich trug ständig Pullover. Doch hier ist es dank der guten Isolation warm.”

Selbst im tiefen Winter müssen die Bewohner nur wenig heizen. Das kommt dem Geldbeutel zugute, früher gab Agnete rund 200 € pro Monat für die Heizung aus, heute nur noch 50€. “Wir haben Solarzellen für die Lichter draußen, für das Gemeinschaftshaus und für den Waschraum. Wenn wir auch noch Solarzellen auf dem Dach hätten, könnten wir noch mehr Strom sparen. Das wäre perfekt,” so Agnete.

Das Haus hat seinen Energiebedarf um 70 Prozent verringert dank der Technologien, die im Rahmen des SHE-Projekts entwickelt wurden.

SHE steht für nachhaltiges Wohnen in Europa und ist ein europäisches Forschungsprojekt, an dem vier Länder teilnehmen. Palle Jorgensen, der Koordinator in Dänemark erklärt:

“Es ist wirklich sehr einfach Energie zu sparen. Wir wissen, wie es geht. Hier besteht fast alles zu 100 Prozent aus erneuerbaren Materialien. Die Häuser bestehen zu 90 Prozent aus Holz.”

Das europäische Forschungsprojekt SUME entwirft die Stadt der Zukunft.

Komponenten wie Klimawandel, CO2 Ausstoß und Landnutzung werden dabei berücksichtigt.

Der Österreicher Christof Schremmer ist einer der Koordinatoren des SUME-Projekts und arbeitet am Konzept eines nachhaltigen städtischen Stoffwechsels: “Der Rand der Stadt wird zu einem Außenbezirk, mit einer geringen Häuserdichte. Das sollten wir verhindern. Die Stadt Wien arbeitet daran, doch es gibt immer noch viele zu füllende Lücken.”

Jüngsten Vorhersagen zufolge wird sich Wien in den nächsten 40 Jahren stark ausdehnen. Die neuen Wohngebiete würden rund 100 Quadratkilometer in Anspruch nehmen.

Die Stadtplaner des SUME-Projekts setzen sich für eine effektive Raumnutzung ein. Dank ihrer Ideen wird die zu erwartende Ausdehnung der Stadt 80 Prozent weniger Land verschlingen. “Wir haben mehr oder weniger drei verschiedene Herangehensweisen: erstens wäre da die Planung des Verkehrswesens, dann befassen wir uns mit der Energieeffizienz der Gebäude und drittens wäre da noch das Design und die Architektur. Mit diesem Projekt versuchen wir herauszufinden, wie diese drei Herangehensweisen künftig bei der Entwicklung von Städten kombiniert werden können,” so Schremmer.

Die Forscher nehmen den städtischen Stoffwechsel unter die Lupe. Je mehr Menschen ihr Auto in der Garage lassen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren, desto besser.

Schremmer zufolge muss das öffentliche Verkehrswesen also nutzerfreundlich sein und gut funktionieren: “Wenn man pro Tag drei oder vier Fahrten in einem Gebiet macht und dabei die Stadt nicht verlässt, dann braucht man sein Auto nicht zu nehmen. Auf diese Weise spart man Energie, es kommt zu weniger CO2-Ausstoß und es wird weniger Land besiedelt. Es lohnt sich also.”

Am SUME-Projekt nehmen neben Österreich acht weitere Länder teil. Das Wachstum von Großstädten wie Wien zu planen, ohne dabei die Umwelt aus den Augen zu verlieren, so lautet die neue Herausforderung.

Den Wissenschaftlern geht es darum, den Energieverbrauch zu verringern und Umweltverschmutzung zu vermeiden. Doch auch in der Bevölkerung wächst das Umweltbewusstsein. Agnete ist sehr zufrieden mit ihrer Öko-Wohnung:

“Wenn man hier lebt, leistet man einen Beitrag zum Schutz des Planeten. Ich denke, das spricht dafür. Doch leider wohnen wir weit weg von der Stadt, wir brauchen also ein Auto. Wenn wir Gemeinschaftsautos hätten, wäre es perfekt.”

Das Öko-Viertel kommt gut an und der Bürgermeister von Aarhus hat bereits weitere Viertel dieser Art in Auftrag gegeben.

Der Architekt Niels-Peter Mohr arbeitet derzeit am Entwurf. Diesmal ist auch ein Straßenbahnnetz vorgesehen: “Wir wollen neue Stadtteile bauen. Derzeit sind vier Viertel in Planung, sie sind alle untereinenader per Straßenbahn verbunden. Die Menschen, die künftig in Aarhus leben, werden ein neues Straßenbahnnetz haben und in nachhaltigen Häusern wohnen, ähnlich wie das Haus, dass sie gesehen haben.”

Neben Dänemark nehmen außerdem Italien, Portugal und Frankreich an dem nachhaltigen Wohnprojekt teil.

Die ökologischen Wohnviertel sind sehr gefragt und dank der Projekt-Viertel wie Lystrup in Dänemark können sich Stadtplaner und Politiker selbst ein Bild machen. “Wir geben den Politikern die Möglichkeit, aus der Fiktion Wirklichkeit zu machen. Sie können die Gebäuderichtlinien und die Baugesetze ändern, um Projekte wie dieses zu unterstützen,” so Jorgensen.

In den heutigen Metropolen wird viel Energie verschwendet. Nachhaltiges Wohnen und ökologische Stadtplanung könnten einen großen Unterschied machen. Sie müssen nur noch umgesetzt werden.

Mehr Informationen finden Sie hier:

www.she.coop

www.sume.at