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Kroatien steht kurz vor dem Beitritt zur EU

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Kroatien steht kurz vor dem Beitritt zur EU

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Am 1. Juli wird Kroatien als 28. Mitgliedsstaat der EU beitreten. Der Neuseeländer Wade Goddard, der vor 20 Jahren als Kriegsfotograf in das ehemalige Jugoslawien kam und heute eine Galerie in Dubrovnik hat, beschreibt den Umbruch.

Wade Goddard:

“Ein großer Teil der Bevölkerung hat mit der Vergangenheit abgeschlossen. Natürlich gibt es Menschen, die so viel verloren und die es so schlecht getroffen haben, dass sie zu einem Neuanfang nicht in der Lage sind. Das gilt wohl für jeden Krieg. Ich hoffe, der Beitritt in die Europäische Union hat für uns nicht so katastrophale Auswirkungen wie für Griechenland, Portugal oder Spanien. Italien hat auch Schwierigkeiten und Irland geht durch die Hölle.”

Das Pro-Kopf-Einkommen in Kroatien liegt bei 60 Prozent des europäischen Durchschnitts, deshalb sprechen reichere EU-Länder bereits von einer neuen Welle der Einwanderung.

Eine andere Sicht hat die Chefin einer humanitären Organisation, die sich um Arbeitslose kümmert.

Jany Hansel, DESA:

“Deutschland braucht ausländische Arbeitskräfte, kroatische Arbeitnehmer sind aufgrund ihrer Fähigkeiten gefragt, man nimmt sie gern.”

Die Gegend um Dubrovnik ist durch einen zu Bosnien-Herzegowina gehörenden Landkorridor (der Gemeinde Neum) vom übrigen Kroatien getrennt.

Nikola Dobroslavic, Bezirksleiter von Dubrovnik-Neretva:

“Wir wollen eine Brücke bauen, die die beiden Teile Kroatiens verbindet, die ab dem 1. Juli auch zwei Teile der EU sind.”

euronews-Reporterin Isabel Marques da Silva:

“Für Kroatien ist die EU nicht nur ein politisches Projekt, das den Frieden zwischen den Völkern fördert, sondern auch eine Möglichkeit, um seine Wirtschaft zu modernisieren. Brüssel brauchte zwar lange, um über europäische Hilfen zu entscheiden, aber bis 2020 wird das Land mit 14 Milliarden Euro unterstützt werden.”

Ein Potenzial, das Studenten nach einem Auslandsstudium dank dem Erasmus-Programm vielleicht auch Zukunftschancen in der Heimat bietet.

Nikolina Potrebica, Koordinatorin für das Erasmus-Programm an der Universität von Dubrovnik:

“Ich hoffe, dass nicht nur unsere Studenten und jungen Leute Europa entdecken, sondern dass sich Kroatien auch für ausländische Investitionen öffnet und sich Unternehmen bei uns ansiedeln. Dann können junge Kroaten im eigenen Land bleiben und arbeiten.”

So wie im Fall von Petra Cehic, die in Österreich studierte:

“Ich habe viel gelernt, was mir heute nützlich ist, nicht nur für den Beruf, in dem ich hoffentlich eines Tages arbeiten werde, sondern auch etwas über Wirtschaft, was bei meiner jetzigen Arbeit in der Tourismusbranche hilfreich ist.”

Die Altstadt von Dubrovnik, UNESCO-Weltkulturerbe seit 1979, ist ein Anziehungspunkt für Touristen.

Marina Kristicevic, Verband der Touristenführer in Dubrovnik:

“Wir haben eine Zunahme von Touristen aus der Türkei, der Ukraine und Russland. Ab 1. Juli werden sie ein Visum brauchen, was bisher nicht nötig war. Wir wissen noch nicht, wie das den Tourismus beeinflussen wird, ob die Zahl der Touristen aus diesen Ländern abnimmt oder nicht.”

Die Rezession der vergangenen fünf Jahren und eine Arbeitslosenquote von etwas 20 Prozent zwingen Kroatien zu wirtschaftlichen Anpassungen und Sparmaßnahmen.

Die Krise der Eurozone ist auch Thema für den Journalisten Luko Brailo:

“Das Goldene Zeitalter der Europäischen Union ist lange vorbei. Es war in den 70er und 80er Jahren. Jetzt gibt es viele Krisen. Und zwar nicht nur in Spanien, Portugal, Italien und besonders in Griechenland. Auch hoch entwickelte Länder wie Schweden, Dänemark und Deutschland haben Probleme.”

Kroatien ist verpflichtet, die Landeswährung Kuna gegen den Euro einzutauschen, aber das ist ein Prozess, der viele Jahre dauern wird.