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Golf-Star Jose-Maria Olazabal im Euronews-Interview

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Golf-Star Jose-Maria Olazabal im Euronews-Interview

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Großer Golf-Sportler, großes Charisma – große Ehre: Jose Maria Olazabal wird am Freitag der Prinz-von-Asturien-Preis für seinen Lebenslauf verliehen.

Der 47-jährige Spanier hat in seiner langen Karriere zwei Major-Turniere gewonnen und ist Mitglied der European – und der amerikanischen PGA-Tour. Als größter Erfolg gilt aber der Triumph im Ryder Cup 2012 als Kapitän des Teams Europa.

Euronews gewährte Olazabal vor der Verleihung in Oviedo ein Interview.

Euronews:
Was bedeutet Ihnen die Verleihung des Prinz-von-Asturien-Preises – mit dem ja bereits zahlreiche Sport-Größen ausgezeichnet worden sind, aber nur zwei Golfer – nämlich ihr 2011 verstorbener Landsmann Severiano Ballesteros und jetzt Sie?

Jose Maria Olazabal:
Nun gut…ich bin stolz und zufrieden. Das ist aber auch eine Verantwortung. Hier in die Fußstapfen von Severiano Ballesteros zu treten, ist schon sehr speziell.
Einzigartig an dieser Auszeichnung ist, dass nicht nur sportliche Erfolge honoriert werden, richtig? Es sind auch noch andere Werte, die zählen. Das Leben abseits der Sportplätze ist eben auch wichtig für die Leute.

Euronews:
Es gibt viele Gründe für den Erhalt des Prinz von Asturien-Preises. Einer ist ihr Triumph mit dem Team Europa beim Ryder Cup 2012. Was passierte da genau an diesem historischen 30. September?

Olazabal:
Nun, das bleibt natürlich vertraulich, o.k.?
Im Ernst: Der Umgang mit den Spielern war wichtig. Das Beste aus jedem herauszuholen. Den Glauben zu vermitteln, das die Schlacht vor dem Schlusstag noch nicht geschlagen war an diesem Sonntag. Das aggressive Spiel, auf den Sieg ausgerichtet, ohne Angst – das hat uns den Weg zum Turniersieg geebnet.

Euronews:
Welche Rolle hat beim Team Europa 2012 der verstorbene Severiano Ballesteros gespielt?

Olazabal:
Er hat eigentlich mit uns gewonnen und ich danke ihm im Geiste. Als ich mich auf den Ryder Cup vorbereitet habe, hatte ich sein Bild und die Erinnerung an ihn vor Augen.
Am Schlußtag traten alle Spieler in marineblau und weiß an . also so, wie Severiano es Sonntags auch immer gemacht hat.
Außerdem trugen wir Seves Antlitz auf unserer Kleidung – mit seinem Geburtsjahr und dem Jahr seines Todes aufgedruckt.
Das hat gewirkt. Einige Spieler – wie Justin Rose – haben es mir hinterher erzählt.
In schwierigen Situationen haben sie auf den Schlussbahnen auf Seves Abbild auf ihrem Ärmel geschaut. F´Das hat ihnen einen Schub an Stärke und Motivation gegeben.

Euronews:
Ihre Beziehung zum Ryder Cup ist sehr speziell…eventuell wird man Sie an der Seite von Paul McGinley sehen bei der nächsten Ausgabe?

Olazabal:
Der Ryder Cup hat – das sehen Sie richtig – einen Platz in meinem Herzen. Wenn Paul McGinley mich als Co-Kapitän haben möchte oder in einer anderen Funktion, werde ich mich mit ihm zusammen setzen.
Das ist keine vorzeitige Zusage, aber grundsätzlich stehe ich bereit.

Euronews:
Viele Profis schließen auf der PGA-Tour in Europa umstrittene Wetten ab. Warum? Wie wäre das zu ändern?

Olazabal:
Das ist wohl der wirtschaftlichen Situation geschuldet, mit der wir hier in Europa überall konfrontiert sind. Es fehlt an Sponsoren.
In dieser Beziehung sind uns die USA weit voraus. Ich bin aber überzeugt, dass weiterhin Profis der US-amerikanischen PGA-Tour nach Europa kommen werden, um sich dem Wettbewerb hier zu stellen.

Euronews:
Was halten Sie von den extra langen Putting-Schlägern?

Olazabal:
Einige Dinge sollten so bleiben, wie sie sind.
Golf hat seine eigenen Charakteristik. Ganz am Anfang unseres Sports durften nur die Hände den Schläger berühren. Das hat sich dann im Laufe der Jahre etwas geändert. Nicht unbedingt zum besseren, wie ich finde.
Es macht keinen Sinn, wenn zum Beispiel Teenager anfangen würden, den Schläger auch noch mit ihren Füßen zu benutzen – übertrieben ausgedrückt.

Euronews:
Wer ist für Sie der beste Golfer aller Zeiten?

Olazabal:
Ufff…haben Sie genug Zeit mitgebracht? Ich glaube, die Ära von Arnold Palmer und Jack Nicklaus war großartig… aber natürlich auch Tom Watson. In der Gegenwart führt kein Weg an Tiger Woods vorbei. Eine wahre Nummer eins.
Aber die Zeiten ändern sich und die Anforderungen auch. Es wäre unfair, einen besonderen Spieler hervorzuheben.

Euronews:
Nach “Major”-Titeln liegt Jack Nicklaus vorn. Wird Tiger Woods erfolgreicher sein?

Olazabal:
Ich habe nicht auf Skeptiker gehört, die Woods abgeschrieben haben. Ich habe selbst mit Tiger gespielt. Er ist kein einfacher Spieler, sondern ein wunderbarer Athlet. Seine größtes Plus ist aber seine mentale Stärke und, dass er sich selbst treu bleibt. Er wird seine “Major”-Turniere gewinnen auf den Fersen von Jack Nicklaus und ähnliche Erfolge erzielen.

Euronews:
Wann wird ein spanischer Golfer so weit sein?

Olazabal:
Das ist nicht so richtig absehbar. Wir Spanier hatten gute Jahre, ja sogar goldene Jahre. Sergio Garcia hat genug Potenzial und Möglichkeiten, um ein Großer des Golfs zu werden. Früher oder später wird Garcia auch so weit sein. Er steht für Spaniens Golf-Zukunft.

Euronews:
Sie haben einige Schwierigkeiten ihre Tour Card für die European Tour zu bewahren. Denken Sie schon an einen Rückzug?

Olazabal:
Wie im richtigen Leben…hat alles seinen Anfang und sein Ende. Ich bin näher an das Ende heran gerückt. Aber ich habe schon schwere Zeiten durchgemacht und das hat mir Kraft gegeben.
In diesem Sinne…sehe ich alles relativ. Ich werde perspektivisch weiter hart arbeiten, um Tour-Mitglied zu bleiben. Das ist im Moment mein Ziel.

Euronews:
Was kommt nach dem Sport? Kommentator für das Fernsehen oder Golfplatz-Designer?

Olazabal:
Es gibt viele Dinge zu tun. Golfplatz-Gestaltung gehört sicher zu meinen Interessen. Aber es gibt auch junge Anfänger im Golf-Sport. Mein Wissen und meine Erfahrungen könnten da helfen. Vielleicht mit einer eigenen Schule? Ich weiß es auch nicht so genau. Nur Kommentator zu sein, wäre mir perspektivisch wohl zu wenig….