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Rosetta: Der Kometenjäger ist erwacht

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Rosetta: Der Kometenjäger ist erwacht

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Die Augen der Welt waren auf das Rosetta-Team gerichtet, als es auf einen Rückruf aus dem Weltraum wartete. Irgendwo dort draußen, mehr als 800 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, ist die Raumsonde erwacht. Das Signal sollte um kurz nach Sechs am Abend die Erde erreichen, 45 Minuten später war es soweit. “Das ist unglaublich. Jetzt haben wir eines der fantastischsten Abenteuer vor uns, eine der größten Herausforderungen im All, die es je gegeben hat”, meint Andrea Accomazzo, einer der ESA-Operateure. Projektleiter Matt Taylor sagt: “Ich bin etwas weniger gestresst als vor einer Minute. Ich dachte, das könne mich nicht so mitnehmen, ich war aber sehr aufgeregt. Jetzt haben wir sie wieder und wir können über die nächsten Jahre unsere Forschungsarbeiten fortsetzen, das ist brilliant.”

Es war kein gewöhnlicher Tag im deutschen Darmstadt. Das Rosetta-Team stand einer außergewöhnlichen Medienpräsenz gegenüber. Gut 90 Journalisten hatten sich auf dem Gelände der Europäischen Raumfahrtagentur ESA eingefunden, und sie alle hatten Fragen und wollten Interviews. Paolo Ferri von der ESA: “Die Aufmerksamkeit der Medien war außergewöhnlich. Wir sind also von Operateuren zu einer Art Erklärer geworden. Wir mussten den Leuten klar machen, dass sie sich keine Sorgen machen sollten, obwohl wir uns selsbt Sorgen machten. Wir mussten deutlich machen, dass alles unter Kontrolle war.”

Der Grund für diese Aufmerksamkeit war die waghalsige Natur der Mission. Rosetta soll einen Kometen jagen, abfangen und schließlich ein Jahr lang im inneren Solarsystem begleiten. Matt Taylor steht an der Spitze eines Wissenschaftler-Teams, das 21 Instrumente entwickelt hat, mit denen der Komet detailliert vermessen, abgetastet und untersucht werden soll. “Um Ihnen einen Eindruck davon zu vermitteln, wo Rosetta ist und zuvor war, habe ich hier eine Karte des Solarsystems”, sagt er. “Jetzt, im Jahr 2014, kommen wir zurück ins innere Solarsystem. Das ist die Hauptphase der Mission, während der wir unsere wichtigsten Forschungen an diesem Kometen betreiben. Im Sommer haben wir ein Rendez-Vous mit dem Kometen, wenn er sich wieder der Sonne annähert. Dann ist er am aktivsten und sondert sekündlich Tonnen Material von sich ab.”

Eine derart komplexe Mission benötigt konstante Aufmerksamkeit von Leuten wie Armelle Hubault. Sie ist eine der Ingenieure in einem Team, das Rosetta 24 Stunden am Tag und an sieben Tagen in der Woche steuert. Sie haben ein einzigartiges Werkzeug, das ihnen dabei hilft: eine detaillierte Kopie von Rosetta, an der sie Tests und Simulationen ausführen können. Dennoch machen sie sich um die echte Raumsonde Sorgen. “Ich bin aufgeregt. Es ist ein wenig, als würde man einen alten Freund wiedertreffen, den man seit Jahren nicht gesehen hat. Man kannte diese Person gut, aber man weiss nicht mehr, wer sie ist. Man ist also neugierig und gleichzeitig auch ein wenig besorgt darüber, ob es klappt oder nicht”, so Hubault. Natürlich lernt man sich am Besten kennen, wenn man miteinander spricht.
Hubault: “Im Moment benutzen wir noch eine sehr niedrige Bit-Rate, es braucht also eine lange Zeit, um mit der Raumsonde zu reden. Wir müssen sehr sehr langsam sprechen. Eine unserer ersten Aktivitäten ist also, den Modus der Kommunikation zu ändern, damit wir schneller miteinander reden können.”

Die ersten Daten waren eine willkommene Überraschung. Rosetta wurde im Jahr 2004 losgeschickt. Aber auch nach zehn Jahren in einer rauen Umgebung fünktionieren ihre Sonnensegel noch immer so gut wie vor ihrem Winterschlaf. Jetzt können erst einmal eine ganze Reihe von Tests durchgeführt werden. Paolo Ferri erklärt: “Wir werden alle Einheiten an Bord einschalten und testen. Später im Frühjahr werden wir dann die wissenchafltichen Instrumente ausprobieren. Das wird uns auf die Spur des Kometen bringen. Wir wollen, dass die Kamera an Bord der Raumsonde den Kometen sieht, damit wir sie auf den richtigen Weg bringen können.”

Dem Operateur Andrea Accomazzo steht ein intensives Arbeitsjahr bevor. Seit dem Erwachen Rosettas führen er und das Team eine Reihe von Testprozeduren durch, um eventuelle Fehler in der Software der Raumsonde zu beseitigen. “Der beste Teil der Mission liegt noch vor uns. Den Kometen erreichen, dort anhalten, ihn beschreiben – wir müssen beweisen, dass wir innerhalb eines kurzen Zeitraums in der Lage sind dicht über seiner Oberfläche zu manövrieren”, sagt er.

Es ist eine enorme Herausforderung. Rosetta wird sich nicht im leeren Raum bewegen, sondern einem unbekannten Ball aus Staub und Eis von der Größe des Mont Blanc nachjagen. Die Mission wird das technische Team bis an die Grenzen seines Könnens bringen, sie soll der Wissenschaft bisher ungekannte Erkenntnisse liefern. Taylor: “Es geht nicht nur um den Kometen. Wir werde etwas darüber lernen, wie das Solarsystem entstanden ist, wie der Komet sich seit dem frühen Stadium der Entwicklung des Solarsystems verändert hat. Wir können daraus Rückschlüsse auf die Entstehung der Planeten und ihre Evolution ziehen. Die Kometen waren schon zu Beginn des Solarsystems da. Sie wurden in diesen tiefen Frost geschleudert und haben Informationen gespeichert. Diese ursprüngliche Materialmischung gibt uns außerdem Hinweise darauf, woher wir selbst kommen.”