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Smartphone-App teilt Familie mit: "Ich lebe noch"

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Smartphone-App teilt Familie mit: "Ich lebe noch"

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Im Libanon können Smartphone-Besitzer ihren Angehörigen und Freunden nun per App mitteilen, dass sie nach einem Anschlag noch leben. “I am still Alive” (Ich lebe noch), so der Name der Anwendung, die einen standardisierten Text über Twitter versendet, ergänzt um die Hashtags #Lebanon und #LatestBombing.

Erdacht und entwickelt hat die App die 26-jährige Sandra Hassan. Wir haben die in Paris lebende Informatikerin zu ihrer Erfindung befragt.

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Wie kamen Sie auf die Idee?

Sandra Hassan
Die Lage im Libanon ist zur Zeit ziemlich unruhig. Im Januar gab es bereits zahlreiche Explosionen. Wie alle Libanesen stürze ich nach jeder Detonation ans Telefon und versuche, meine Freunde und Familie anzurufen um sicherzugehen, dass sie in Sicherheit sind. Und wenn man im Ausland ist, macht man sich umso mehr Sorgen.

Die Idee zu der App kommt aus dieser Erfahrung. Als ich vergangene Woche die jüngste Version herausgebracht habe, geschah dies als Reaktion auf eine Explosion an ebendem Tag. Obwohl die Lage traurig ist, hoffe ich, dass die App von Nutzen ist, ich entwickle sie weiter.

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Wie kommt es, dass Sie für die App Twitter nutzen?

Sandra Hassan
Sobald es einen Anschlag oder ein ähnliches Problem gibt, sind die Telefonleitungen sofort überlastet. Die Leute können ihre Angehörigen also nicht kontaktieren. Und noch wichtiger: Diejenigen, die betroffen sind, können keine Notrufe machen. Twitter oder andere Onlinemedien sind schnelle und wirkungsvolle Kommunikationswege, die den Druck vom Telefonnetz nehmen können.

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Wollen Sie noch andere solcher Notfall-Apps entwickeln?

Sandra Hassan
Ich arbeite an Updates für diese App, damit sie unabhängig von sozialen Netzwerken funktioniert, Twitter und später auch Facebook aber als Optionen für die Nutzer bereithält. Die App braucht nur minimale Bandbreite, und sie steht auch jenen zur Verfügung, die keine Konten bei sozialen Netzwerken haben.

Die Anwendung kann in jeder Notfall-Situation genutzt werden, nicht nur bei Bombenanschlägen. Ich habe begonnen, mit dem Observatoire International des Crises zusammenzuarbeiten, um die App auch im Katastrophenschutz einzusetzen.