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Bestäuber in Bedrängnis

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Bestäuber in Bedrängnis

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Bestäuber wie Hummeln werden in Europa immer seltener. In unserer Sendung Futuris haben wir uns auf die Suche nach Gründen, Konsequenzen und Lösungen gemacht.

Der Lebensraum für Insekten wird kleiner, sagen Wissenschaftler. Krankheitserreger und natürliche Feinde machen den Tieren zu schaffen, auch die Chemie und der Klimawandel sind Aspekte.

Bienen und andere Bestäuber spielen eine wichtige Rolle innerhalb des Ökosystems. Verschwinden Sie, hat das Auswirkungen. Auf die Pflanzenwelt, die Landwirtschaft und unsere Ernährung.

Simon Potts von der University of Reading erläutert: “Das ist eine Erdbeere, die sehr gut bestäubt wurde. Sie hat eine gute Farbe, eine gute Größe und ist symmetrisch. Im Gegensatz dazu eine schlecht bestäubte Erdbeere. Wir sehen, dass sie etwas kleiner, verunstaltet und nicht sehr ansprechend ist. Sie enthält vermutlich weniger Zucker. Bestäuber sind ein wichtiger Teil der Landwirtschaft. Und wenn wir von ihnen in Europa weniger haben, bekommen wir Probleme, qualitativ hochwertige Nahrungsmittel anzubauen.”

Die Mitarbeiter eines Forschungsprojekts beschäftigen sich mit den Gründen und möglichen Lösungen. So könnte man etwa auf nicht genutzten Flächen Blumen anpflanzen, die Insekten eine neue Heimat geben.

“Wir dachten: Wenn wir hier viele Blumen ansiedeln, können wir das Maximum aus dieser Fläche herausholen”, sagt die Wissenschaftlerin Victoria Wickens. “Wir können Bestäuber anlocken, indem wir ein spezielles Blumengemisch verwenden. Das zieht verschiedene Bestäuber an: Hummeln, Schwebfliegen und andere. Unser Gedanke war, dass die Tiere herkommen, sich vermehren und sich dann um die Pflanzen kümmern.”

Die Untersuchungen im Feld und im Labor scheinen diese Theorie zu bestätigen.

“Die ersten Ergebnisse zeigen, dass diese mit Blumen bepflanzten Streifen die Anzahl der Bestäuber um 500 Prozent erhöhen. Was die Vielfalt betrifft, entdecken wir in den Landwirtschaftsflächen seltene Arten. Das ist toll, weil das bedeutet, dass wir Bestäuber aus den geschützten Gebieten in die Landwirtschaft locken”, sagt Jennifer Wickens.

Um all diesen Bestäubern eine zweite Chance zu geben, stoßen die Forscher weitere Initiativen an. Auch dort, wo man es nicht unbedingt erwartet.

Der Biologe Duncan Coston erläutert: “Also, hier haben wir zwei Einkaufskörbe. Der eine enthält Produkte, die mit Bestäubung von Insekten nichts zu tun haben. In dem anderen sind Produkten, die Bestäubung benötigen. Wie zum Beispiel Apfelsinen, Apfelwein, Birnen, Seife, Kaffee und Mandeln. Ohne Kaffee, Schokolade oder Schokobrötchen sieht Ihr Frühstück ganz schön langweilig aus.”

Wissenschaftler bauen regelmäßig Stände in Schulen oder Supermärkten auf. Damit wollen sie auf die Problematik aufmerksam machen und über die Auswirkungen auf das tägliche Leben aufklären.

“Die Kakaopflanzen werden von einer bestimmten Mücke bestäubt. Ohne diese Mücke gibt es also keine Schokolade. Eine Bienenart bestäubt die Kaffeeplanzen. Ohne diese gebe es keinen Kaffee. Auch Baumwolle braucht Insekten, um bestäubt zu werden. Ohne diese Bestäuber würde der Ertrag sinken – die Kosten würden letztlich in die Höhe schnellen”, sagt Coston.

Das Verschwinden der Bestäuber aufzuhalten, ist noch möglich, sagen die Wissenschaftler. Doch dafür müsse gehandelt werden.

http://step-project.net