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Aus diesen Ländern kommen die meisten europäischen Dschihadisten

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Aus diesen Ländern kommen die meisten europäischen Dschihadisten

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Europas Auslandskämpfer

Diese Grafik zeigt die Zahl europäischer Dschihadisten, die zwischen Dezember 2013 und November 2014 in Ländern wie Syrien oder dem Irak gekämpft haben. Daneben die Zunahme in Prozent.



Dez 2013Nov 2014% Veränderung
Frankreich412700+ 69.9
Großbritannien366500+ 36.6
Deutschland240400+ 66.7
Belgien296300+ 1.4
Niederlande152150- 1.3
Dänemark84100+ 19
Spanien95100+ 5.3
Schweden87100+ 14.9
Österreich6060
Italien5050
Norwegen4050+ 25
Finnland2030+ 50
Irland2630+ 15.4
Schweiz110+ 900

Quelle: Quilliam Foundation/The International Centre for the Study of Radicalisation and Political Violence.

Deutschland, Frankreich und Großbritannien: Aus diesen europäischen Ländern reisen zahlreiche Islamisten nach Syrien oder den Irak in den Kampf. Die Behörden tun sich schwer, die Gotteskrieger zurückzuhalten.

Die Zahlen dazu stehen in einem Bericht zur Terrororganisation Islamischer Staat (ISIL), den die Quilliam Foundation herausgegeben hat. Demnach ist die Zahl islamistischer Kämpfer aus Europa in weniger als einem Jahr von 1929 auf 2580 gestiegen.

Aus Frankreich sind zwischen dem Dezember vergangenen Jahres und dem November dieses Jahres geschätzte 700 Islamisten mit französischer Staatsbürgerschaft in den Krieg gezogen, eine Zunahme um 69,9 Prozent.

Aus Deutschland gingen im selben Zeitraum rund 400 Staatsbürger in den Kampf, ein Zuwachs um 66,7 Prozent.

Aus Großbritannien sind rund 500 Bürger ausgereist, auch hier ist eine steigende Tendenz zu beobachten.

Der Quilliam-Bericht geht von mehr als 16.000 ausländischen Kämpfern in der Krisen-Region im Nahen Osten aus. Der Report wurde veröffentlicht, kurz nachdem die UNO davon gesprochen hatte, dass Dschihadisten in einem bisher nicht dagewesenen Ausmaß in den Irak und nach Syrien gehen.

Soziale Netzwerke

Laut dem Bericht nutzt die Terrormiliz ISIL das Internet, um neue Mitglieder und Kämpfer zu rekrutieren. Die Nutzung der Sozialen Medien durch die Terrorbande bezeichnete der Report als “nicht dagewesen”, es sei der “Goldstandard für Propaganda was Qualität und Quantität angeht.”

Weiter schreiben die Verfasser des Berichts: “Die neue Krisenfront, das Internet, muss besser verteidigt werden. Ungewollten extremistischen Inhalt und Propagandamaterial zu zensieren ist allerdings nicht nur ineffektiv, sondern oft sogar kontraproduktiv. Zensur bekämpft das Symptom, aber nicht die Ursache. Im Internet muss eine stärkere Auseinandersetzung mit solchen Inhalten stattfinden, es sind Gegeninitiativen von Gemeinschaften notwendig, außerdem müssen Strategien zur kritischen Auseinandersetzung entwickelt werden.”

Das passt zur Aussage von Robert Hannigan, dem neuen Chef des britischen Geheimdiensts GCHQ, der Twitter, Facebook und WhatsApp als "Steuerungs- und Kontrollnetzwerke der Wahl für Terroristen" bezeichnet hatte.

Er rief die US-Konzerne auf, den Nachrichtendiensten mehr Zugang zu gewähren, um Terrorattacken zu vereiteln.

“Die Herausforderung für Regierungen und ihre Geheimdienste ist enorm. Ihr kann nur durch größere Kooperation der Technologiekonzerne begegnet werden”, schrieb Hannigan in der Financial Times.

“Wenn sie sich dieser Herausforderung stellen, dann schließt das bessere Abmachungen mit ein, um rechtmäßige Ermittlungen durch die Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden leichter zu gestalten, als es derzeit der Fall ist.”

Weibliches Netzwerk

ISIL nutzt die sozialen Medien auch, um Frauen zu rekrutieren. Inzwischen sind laut dem Bericht geschätzte 200 Islamistinnen aus Europa nach Syrien oder in den Irak gereist.

Die Verfasser schreiben: “Viele von ihnen sagen, sie seien dorthin gereist, um Dschihadisten zu heiraten. Sie wurden durch dieselben Erzählungen radikalisiert, die auch junge Männer anlocken.”

Im September wurden fünf Personen, darunter ein junger Mann und seine Schwester, nahe Lyon unter dem Verdacht verhaftet, zu einer Gruppe zu gehören, die junge Frauen aus Frankreich für die Sache der Islamisten rekrutiert.

In Österreich verließen die beiden befreundeten Teenager Samra Kesinovic (16) und Sabina Selimovic (15) ihr Zuhause, um sich den Dschihadisten in Syrien anzuschließen.

Der Bericht fügt hinzu: “Manche Frauen aus Westeuropa, die nun in ISIL-Gebiet leben, haben ihre Rolle angenommen. Sie radikalisieren sich weiter und missionieren sowohl on- als auch offline, rufen andere Frauen dazu auf, Teil des sogenannten Kalifats zu werden.”

“Es gibt zahlreiche Berichte in der Region über Missbrauch und Gewalt gegen die Frauen durch ihre dschihadistischen Ehemänner. Leider sind viele der jungen Rekruten nicht mit Gegen-Narrativen in Kontakt gekommen, die von den negativen Aspekten ihrer möglichen Rolle handeln.”

Der britische Sicherheitsminister James Brokenshire sagte gegenüber euronews: “Großbritannien rät allen von Reisen nach Syrien oder in Teile des Iraks ab. Wer dennoch in diese Gegenden geht, aus welchen Gründen auch immer, begibt sich selbst in erhebliche Gefahr. Wir tolerieren die Existenz von terroristischer und extremistischer Onlinepropaganda nicht, die junge und für Radikalisierung anfällige Menschen gezielt anspricht.

“Wir arbeiten bereits mit den großen Internetunternehmen zusammen, um terroristische Inhalte, die in Großbritannien oder in Übersee gehostet werden, zu entfernen. Wir bauen Beziehungen zu jüngeren Plattformen auf, um dort dasselbe zu tun. Seit Februar 2012 hat die Einheit “Counter Terrorism Internet Referral Unit”, die gegen Terrorismus im Internet vorgeht, sichergestellt, dass mehr als 53.000 Seiten mit gesetzeswidrigem, terrorbezogenem Inhalt gelöscht wurden, die entweder zu Terrorakten aufriefen oder diese verherrlichten.”

INFOGRAFIK: GESCHÄTZTE ZAHL VON STAATSBÜRGERN DER JEWEILIGEN LÄNDER, DIE IM IRAK ODER IN SYRIEN KÄMPFEN SOLLEN

Fahren Sie mit der Maus über ein Land, um die aktuelle Zahl und den prozentualen Zuwachs seit Dezember 2013 zu sehen.