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Ungarn: "Slut Walk" gegen umstrittenes Polizeivideo zu Vergewaltigungen

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Ungarn: "Slut Walk" gegen umstrittenes Polizeivideo zu Vergewaltigungen

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In Budapest haben mehrere Tausend Menschen gegen ein umstrittenes Video der ungarischen Polizei demonstriert, das Frauen eine Mitschuld an einer Vergewaltigung gibt. Einige Teilnehmer waren bei dem sogenannten Slut Walk (“Schlampenmarsch”) betont knapp bekleidet, um deutlich zu machen, dass eine Frau nicht wegen ihrer Kleidung dafür verantwortlich gemacht werden könne, dass ihr sexuelle Gewalt widerfahre.

Dieser Zusammenhang wird in dem "Selfie Klip" der ungarischen Polizei unterstellt. Er entstand im Auftrag des südungarischen Kreises Baranya und sollte im Rahmen einer Gewaltpräventionskampagne an Schulen gezeigt werden. Am Ende des Clips ist eine vergewaltigte junge Frau zu sehen. Dazu wird eine Inschrift eingeblendet: “Du kannst etwas dafür. Du kannst etwas dagegen tun” – eine Botschaft, mit verheerenden Konsequenzen, so die Demonstranten: “Viele vergewaltigte Frauen trauen sich nicht zur Polizei, vor Gericht oder zu irgendeiner anderen Stelle zu gehen, weil sie unter anderem wegen dieses Videos denken, dass sie mitschuldig seien, aber das ist falsch.”

Das Video wurde bereits vor über einer Woche veröffentlicht und nicht nur in Ungarn heftig kritisiert. Die ungarische Polizei hält an ihrer Kampagne fest. “Die Teilnehmer der Demonstration fordern, dass das Video zurückgezogen wird”, so euronews-Reporter Attila Magyar. “Die Polizei sagt jedoch, dies sei nicht möglich. Sie sagt, die Botschaft des Videos sei unmissverständlich.”

“Slut Walks” werden seit 2011 in Budapest regelmäßig organisiert. Auch in anderen Städten gab es in den vergangenen Jahren mehrere dieser Protestmärsche, die gegen die Umkehr von Opfer- und Täterrolle demonstrieren. Der erste “Slut Walk” fand in Toronto statt. Dort hatte ein Polizist Frauen geraten, sich nicht "wie Schlampen" zu kleiden, wenn sie nicht sexuell belästigt werden wollten.