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Sudans Präsident Omar al-Baschir weist gegenüber euronews Massenvergewaltigungsvorwürfe in Nord-Darfur zurück

Streitkräfte der sudanesischen Armee haben bei einem koordinierten Angriff auf die Stadt Tabit in Nord-Darfur im Oktober 2014 mehr als 200 Mädchen

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Sudans Präsident Omar al-Baschir weist gegenüber euronews Massenvergewaltigungsvorwürfe in Nord-Darfur zurück

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Streitkräfte der sudanesischen Armee haben bei einem koordinierten Angriff auf die Stadt Tabit in Nord-Darfur im Oktober 2014 mehr als 200 Mädchen und Frauen vergewaltigt. Das berichtet die Menschenrechtsorganisation “Human Rights Watch” in einem in dieser Woche veröffentlichten Bericht. Sollte sich zeigen, dass die Massenvergewaltigungen im Zuge eines großangelegten, systematischen Angriffs auf die Zivilbevölkerung verübt wurden, so wäre dies ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Gegenüber euronews wies Sudans Präsident Omar al-Baschir die Vorwürfe zurück.

Es handle sich nicht um einen Bericht, so Baschir, es sei vielmehr eine Radiomeldung eines regierungsfeindlichen Senders, des von der Opposition betriebenen Radio Dabanga. Dieser Sender werde unter anderem von Israel finanziert. Traurigerweise hätten die Vereinten Nationen auf diese Nachricht reagiert und eine Gruppe von Ermittlern in die Stadt Tabit geschickt. Diese habe dann festgestellt, dass die Information nicht korrekt sei und dass es keine Vergewaltigungen gegeben habe.

Die ersten Anschuldigungen wegen Massenvergewaltigung wurden am 2. November in einem Bericht des in den Niederlanden beheimateten Radiosenders Dabanga erhoben. Der Sudan leugnete den Bericht und verweigerte den UN-Friedenstruppen den Zugang nach Tabit. Am 9. November ließ die Regierung die Blauhelme zwar für einen kurzen Zeitraum passieren, die Sicherheitskräfte hinderten sie jedoch daran, eine glaubwürdige Untersuchung durchzuführen. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hat bereits einen Haftbefehl gegen Baschir wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord in Dafur ausgestellt.


SUDAN

  • Zwischen 1899 und 1956 befand sich das Gebiet des heutigen Sudan und Südsudan unter gemeinsamer britischer und ägyptischer Kontrolle. Die Fäden zog dabei London, weil auch Ägypten damals ein De-facto-Protektorat Großbritanniens war.
  • Die offizielle Unabhängigkeit am 1. Januar 1956 verdankt der Sudan auch einer Taktik ägyptischer Nationalisten: Nach der Revolution 1952 erreichten sie die Aufgabe der ägyptischen Hoheitsansprüche und zwangen damit auch Großbritannien, sich aus dem Sudan zurückzuziehen.
  • Nach der Übernahme des Sudan 1899 tolerierten Ägypten und Großbritannien die Region Darfur zunächst als unabhängiges Sultanat. Die Autonomie währte aber nur bis zum ersten Weltkrieg: Um den Osmanen den Zugriff zu erschweren, schlug London die Region Darfur im Jahr 1916 dem Sudan zu.
  • Der Sudan blieb der größte Flächenstaat Afrikas – bis zur Unabhänigkeit des Südsudan: Bei einem Referendum im Jahr 2011 sprachen sich offiziell 98,83 Prozent der südsudanesischen Bevölkerung für die Abspaltung aus. Sechs Monate später, am 9. Juli 2011, wurde der Südsudan ein souveräner Staat.
  • IN ZAHLEN:

    • Fläche: 1,86 Millionen Quadratkilometer
    • Einwohner: 37,29 Millionen (Schätzung, Juli 2014)
    BIP pro Einwohner: ca. EUR 1600
    • Durchschnittsalter: 19,1 Jahre
    • Alphabetisierungsrate: 71,9 Prozent
    • Religionen: sunnitischer Islam, christliche Minderheit
    • Amtsprachen: Arabisch und Englisch

    (Quellen: Republic of Sudan Bureau of Statistics, CIA World Factbook, IMF)