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Griechenland: Deutschland soll für Nazi-Verbrechen zahlen

Am 10. Juni 1944 verübte die SS im südgriechischen Distomo ein Massaker, 218 Menschen wurden ermordet. Für dieses Verbrechen verlangt Athen

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Griechenland: Deutschland soll für Nazi-Verbrechen zahlen

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Am 10. Juni 1944 verübte die SS im südgriechischen Distomo ein Massaker, 218 Menschen wurden ermordet. Für dieses Verbrechen verlangt Athen Reparationszahlungen von Deutschland – nicht zum ersten Mal, und auch für andere Nazi-Untaten in Griechenland will die Athener Regierung Entschädigungen. Deutschland weist die Forderungen zurück, das Thema sei längst abgeschlossen.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: “Wir sollten uns auf die Themen der Gegenwart und der hoffentlich guten Zukunft für unsere beiden Länder konzentrieren.”

Die Frage, ob solche Zahlungen angebracht sind, wird unterschiedlich beantwortet. Für den griechischen Rechtsprofessor Stelios Perakis ist die Sache klar: “Wenn man es akzeptiert und einräumt, dass das heutige Deutschland Verantwortung für die Vergangenheit trägt als Nachfolger des damaligen Staats, dann muss Deutschland Entschädigung zahlen.”

Griechenlands Justizminister Nikos Paraskevopoulos sagte, er erwäge, deutsches Eigentum in Griechenland pfänden zu lassen, sollte Berlin nicht zahlen. Insgesamt geht es Medienberichten zufolge um Forderungen von bis zu 332 Milliarden Euro. Der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag hatte allerdings in einem ähnlich gelagerten Fall 2012 entschieden, dass diese Art von Vollstreckung im Ausland völkerrechtswidrig sei, da dadurch die «Staatenimmunität» Deutschlands verletzt würde. In das Verfahren war damals auch Griechenland involviert.

Zusatzinfos
Rede von Alexis Tsipras zu Entschädigungen, dokumentiert bei FAZ.net
Urteil des IGH