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Nouruz: Sinnliches Frühlingsfest


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Nouruz: Sinnliches Frühlingsfest

Jedes Jahr feiern rund 300 Millionen Menschen weltweit Nouruz. Mit dem Fest endet der Winter und beginnt der Frühling. Das Neujahrfest geht auf eine jahrhundertalte Tradition zurück. Es wird in Zentralasien und anderen Regionen begangen.

Nouruz wird bis heute von vielen Menschen vom Balkan bis Indien zur Sommersonnenwende zelebriert. Seit 2009 ist das vorislamische Fest von der UNESCO als “immaterielles Weltkulturerbe” anerkannt. In Aserbaidschan fiebern Groß und Klein jedes Jahr den Feierlichkeiten entgegen, die Vorbereitungen beginnen bereits einen Monat vorher.

Folklore-Experte Seyfaddin Rzasoy erklärt: “Dem alten Glauben zufolge wurde die Welt aus vier Elementen erschaffen: Erde, Feuer, Wasser und Luft. Im Monat vor dem Fest erwacht jeden Dienstag eines der Elemente. Am letzten Dienstag vor Nouruz wacht die Luft auf, die Natur atmet ein und steht auf.”

Wer das Frühlingsfest besser verstehen will, muss vor allem eins: die traditionellen Gerichte kosten. Doch erst einmal müssen die Zutaten eingekauft werden. Wir sind mit dem renommierten Koch Elmin Sharifov auf den Markt in Baku gegangen. Elmin will Alcha, kleine saure Pflaumen, kaufen. Aus den Pflaumen wird eine Paste gemacht, die dann getrocknet wird. Sie schmeckt sehr sauer. Elmin braucht für sein Gericht noch Kutum, eine Art Karpfen.

Ab an den Herd: Der Levengi, der Fisch mit Nussfüllung, darf auf der Nouruz-Festtafel nicht fehlen. “Der Fisch heißt Kutum. Wir haben ihn heute auf dem Markt gekauft. Jetzt werden wir damit Levengi zubereiten. Das ist ein traditionelles Gericht, das aus der Lenkaran Region kommt. Die Füllung wird aus Nüssen, Zwiebeln und der sauren Pflaumen-Paste gemacht,” so Elmin. Als nächstes wird Plov zubereitet, ein Reisgericht mit Lammfleisch, Karotten und Zwiebeln, das schon Alexander der Große und seine Krieger gegessen haben sollen. Es gibt hunderte Variationen. Elmin fügt Kastanien, saure Pflaumen, Rosinen und Aprikosen hinzu.

Nouruz ist vor allem ein Familienfest. Wir sind bei Arzu Melikova eingeladen. Sie sagt: “Für uns ist es der wichtigste Feiertag. Er weckt Kindheitserinnerungen. Die Kinder freuen sich immer sehr auf das Fest. Jedes Jahr feiern wir zu Hause Nouruz, die ganze Familie kommt zusammen.”

Die Rezepte für das Festessen werden oft von einer Generation zur nächsten weitergereicht. Khumar Melikova, Arzus Mutter, kocht in einem Topf, den sie von ihrer
Großmutter bekommen hat. Er ist aus Kupfer und sehr alt. Alles auf der Nouruz-Tafel hat eine Bedeutung. Neben den Gerichten gibt es sieben Dinge, die mit dem Buchstaben “S” des iranischen Alphabets anfangen und als Glücksbringer gelten sollen. Das hellgrüne Weizengras Samani steht für Fruchtbarkeit. Der Ring im Mund des Fisches symbolisiert Reichtum. Naila Melikova erklärt: “Samani muss auf der Tafel sein, denn es ist das wichtigste Nouruz-Symbol. Wir zünden die Kerzen an und die ganze Familie kommt zu Tisch. Der Tradition zufolge gibt es genauso viele Kerzen wie Familienmitglieder.”

Feuer, das Symbol der Reinigung und des Neuanfangs spielt auch eine wichtige Rolle bei den Nouruz-Feierlichkeiten. In Aserbaidschan, dem Land des Feuers, ist das Springen über die Flammen ein sehr beliebter Brauch.

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