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Ukraine: "Die Regierung hilft zwar, aber die meiste Unterstützung kommt von der Bevölkerung"

Die prorussischen Separatisten wollten Debalzewo unbedingt zurückerobern. Die Stadt, die seit der Gegenoffensive der ukrainischen Regierungstruppen

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Ukraine: "Die Regierung hilft zwar, aber die meiste Unterstützung kommt von der Bevölkerung"

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Die prorussischen Separatisten wollten Debalzewo unbedingt zurückerobern. Die Stadt, die seit der Gegenoffensive der ukrainischen Regierungstruppen im Juli 2014 unter deren Kontrolle stand. Im Februar dieses Jahres haben sie es geschafft. Von Januar bis zum 16. Februar herrschten hier schwere Kämpfe. Der Gipfel von Minsk endete im selben Monat. Er sollte mit einem Abkommen den vorgesehenen Waffenstillstand wieder vorantreiben. Peter Filipovics gehört der ungarischen Minderheit an. Er ist ukrainischer Soldat und lebt nur wenige Kilometer von der ungarischen Grenze entfernt in Transkarpatien. “Als sie das Minsker Protokoll wieder aufgreifen wollten, kam es zu heftigen Beschüssen und sie haben die sogenannte Zurückeroberung von Debalzewo eingeleitet. So haben wir die Verbundenheit der Politiker mit dem Abkommen von Minsk hier vor Ort erlebt”, sagt er.

Uschgorod ist die Regionalhauptstadt Transkarpatiens. Einst war sie ungarisch, heute leben hier vorwiegend Ukrainer. Sie liegt gleich an der Grenze zur Slowakischen Republik, nur 26 Kilometer von Ungarn entfernt. Ein Tor nicht nur zur Europäischen Union. Fast klingt es zu schön, um wahr zu sein: Slowaken, Ukrainer, Russen und die deutsche Minderheit leben hier friedlich zusammen, man respektiert die anderen Kulturen und deren Religion. “Niemand hatte hier jemals einen Nachteil wegen seiner Muttersprache, besonders hier im multikulturellen Uschgorod. Wenn es hier Spannungen gibt, dann werden sie von äußeren Kräften nach Transkarpatien importiert”, meint der Journalist Attila Sterr.

Laszlo Brenzovics ist der einzige ungarischstämmige Abgeordnete im Parlament in Kiew. Er sagt, obwohl die Straßen friedlich seien, spüre man den Krieg auch hier: “Der Krieg trifft Transkarpatien genauso, wie er alle anderen Teile der Ukraine trifft. Auch hier wird rekrutiert, hunderte Menschen nehmen an den Operationen im Osten des Landes teil.”

Peter Filipovics ist vor ein paar Wochen aus der Kampfzone zurückgekehrt. Er sagt, dass es für ihn ganz normal gewesen sei, für die Ukraine zu kämpfen, denn er lebe hier. Ironischerweise sprechen die meisten in seiner Einheit russisch, obwohl alle außer ihm ukrainischstämmig sind. Und sie kämpfen gegen Soldaten, die ebenfalls russisch sprechen. “Die Separatisten brauchen eine Verbindung zur Krim”, meint er, sie brauchen das Donbassbecken und die Region Lugansk. Das Hauptziel ist eine Landverbindung zur Krim. Sie werden von Russland unterstützt, ich meine mit Munition, technischer Ausrüstung und Leuten. Nicht mit Lebensmitteln. Sie folgen keinem Befehl. Nun, sie haben zwar Kommandeure, aber sie hören auf niemanden auf der Ebene darüber.”

Die Ukrainer, so sagt Filipovics überraschenderweise, erhielten die größte Unterstützung von Freiwilligen aus der Bevölkerung. Filipovics: “Die Regierung hilft nicht viel. Sie hilft zwar. Aber nicht so viel wie die einfachen Leute. Freiwillige. Jede Woche kommen sie her und bringen Kleidung oder andere Dinge, außer Munition. Eher andere Ausrüstung wie thermische Kameras. Dies ist ein Krieg. Wie im Film. Aber hier wird mit echter Munition geschossen.”