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Trotz Reker-Attentat: Köln wählt neuen Oberbürgermeister

Köln ist noch in der Schockstarre, doch rund 800.000 Wahlberechtigte sind heute an die Wahlurnen gerufen. Reker ist nach wie vor Favoritin der Wahl.

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Trotz Reker-Attentat: Köln wählt neuen Oberbürgermeister

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Trotz des gestrigen Attentats auf die parteilose Kandidatin Henriette Reker wird heute in Köln ein neuer Oberbürgermeister gewählt.

Meinung

'Wir schaffen es' - um es mal mit Frau Merkel zu sagen

Vor dem Rathaus versammelten sich am Samstagabend zahlreiche Menschen zu einer Mahnwache. Politiker und Bürger hielten sich an den Händen, um ein Zeichen gegen Fremdenhass zu setzen – laut Polizei das mutmaßliche Motiv des Angreifers. Nach IInformationen des SPIEGEL gab der 44-jährige, arbeitslose Täter bei der Vernehmung fremdenfeindliche Parolen von sich. Ausländer nähmen Deutschen die Arbeitsplätze weg; zudem befürchte er, dass in Deutschland bald die Scharia gelte.

Auf einem Karton waren die Solidaritätbekundungen “Je suis Henriette” zu lesen, die nach dem Attentat auf die Pariser Satirezeitung “Charly Hebdo” weltweit bekannt wurden. Die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft hatte die Tat bereits am Samstag heftig verurteilt: “ Wir stehen hier zusammen als Demokraten um ein Zeichen zu setzen, ein Zeichen gegen diese verabscheuungswürdige Tat, um zu zeigen, dass wir zusammenstehen, über Parteigrenzen hinweg, und dass wir die Demokratie miteinander verteidigen”. Zahlreiche Bundes- und Lokalpolitiker verurteilten die Tat.

Der Angreifer hatte Reker am Samstagmorgen auf einem Kölner Wochenmarkt mit einem Messer attackiert und am Hals verletzt. Nach einer Notoperation war sie nach Angaben ihrer Ärzte am Samstagabend außer Lebensgefahr. Reker war zuletzt als Sozialdezernentin für die Unterbringung von Flüchtlingen zuständig. Die parteilose Kandidatin wird von CDU, FDP und Grünen unterstützt.

Aus Sorge um die zunehmende Radikalisierung der Flüchlingsdebatte, leuchteten am Abend auch in Berlin tausende Kerzen. Flüchtlinge sind willkommen, so die Botschaft der laut Polizei rund 8.000 Teilnehmer – die Veranstalter sprachen unterdessen von bis zu 20.000 Teilnehmer. “Es ist wichtig, ein Zeichen zu setzen gegen Fremdenfeinlichkeit und es wichtig zu zeigen, dass wir den Menschen in Not, Armut und Krieg helfen wollen. Wir sind so ein reiches Land, und ich denke ‘Wir schaffen es’ – um es mal mit Frau Merkel zu sagen”, erklärte Andrea Erbgut.

Die Demonstranten forderten die Bundesregierung zudem auf, aktiver gegen die Fluchtursachen, wie etwa Krieg, vorzugehen. Die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland ist in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Von Januar bis September wurden laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge insgesamt 577.000 Asylanträge registriert.