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"Die NATO ist nicht dazu gedacht, Krieg zu führen, sondern Krieg zu verhindern"

Trident Juncture – in etwa, die Dreizackverbindung – das größte NATO-Manöver seit 2002, ist am Freitag zu Ende gegangen. Seit Mitte Oktober übten

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"Die NATO ist nicht dazu gedacht, Krieg zu führen, sondern Krieg zu verhindern"

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Trident Juncture – in etwa, die Dreizackverbindung – das größte NATO-Manöver seit 2002, ist am Freitag zu Ende gegangen.

Seit Mitte Oktober übten 36tausend Soldaten aus 30 Ländern darunter auch aus Nicht-Bündnisstaaten, wie Schweden, Finnland und der Ukraine, den Ernstfall – in Italien und auf der iberischen Halbinsel, im Atlantik und im Mittelmeer.

Die Seestreitkräfte übten unter anderem Landeoperationen, Hafenverteidigung und Piratenbekämpfung.

Unser Korrespondent Andrei Beketov war mit NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg an Bord des britischen Hubschrauberträgers HMS Ocean und sprach mit ihm.

Andrei Beketov:
“Während dieses Manövers hat die NATO auch eindeutig offensive Übungen durchgeführt, Angriffstraining gemacht. Was bedeutet das für die NATO-Strategie, ändert sie sich?”

Jens Stoltenberg:
“Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis. Unser Daseinsgrund besteht darin, alle Verbündeten gegenüber jeder Art von Bedrohung zu beschützen, wobei alles, was wir tun der Verhältnismäßigkeit und unseren internationalen Verpflichtungen entspricht.
Aber wenn wir mit einer sich verschlechternden Sicherheitslage konfrontiert sind, müssen wir reagieren, wenn wir sehen, wie sich Unruhen und Gewalt im Nahen Osten und in Afrika ausbreiten.
Und zugleich beobachten wir etwas ganz anderes, das aber die NATO auch vor eine große Herausforderung stellt: ein auftrumpfendes Russland, das nun schon über viele Jahre seine militärischen Fähigkeiten ausgebaut hat, undzwar auch entlang seiner Grenzen mit NATO Staaten.”

Andrei Beketov
“Was stört Sie an der russischen Präsenz, besonders im Mittelmeer, aber auch im Ostseeraum?”

Jens Stoltenberg
“Fachleute nennen das Anti-Access Area Denial, also Zugangsverweigerung und Raumabschottung.
Mit anderen Worten, Russland hat verschiedene Waffensysteme und Operationsfähigkeiten eingerichtet, die darauf abzielen, anderen Streitkräften den Zugang zu bestimmten Gebiet zu verwehren. Das wird unsere Fähigkeit dort einzugreifen, wenn es denn vonnöten sein sollte, natürlich beeinträchtigen.”

Weitab der östlichen Krisenherde sollte Trident Juncture gleichwohl die Bereitschaft des Bündnisses testen, der aktuellen, negativ veränderten Sicherheitslage gewachsen zu sein.

Andrei Beketov
“Militärübungen in Europa haben in jüngster Zeit deutlich zugenommen, auch an Ernsthaftigkeit. Was steckt dahinter?”

Jens Stoltenberg
“Ich mache mir Sorgen. Russland hat eine neue Praxis ins Leben gerufen: sehr kurzfristig einberaumte Manöver, zu denen dann auch keine Beobachter zugelassen sind. Das bedeutet natürlich weniger Vorhersehbarkeit und weniger Transparenz.”

Andrei Beketov
“Der russische Präsident hat öffentlich darüber nachgedacht, sein nukleares Arsenal zur Verteidigung der Krim in Bereitschaft zu versetzen. Warum haben sie diesen Aspekt nicht in das Manöver mit aufgenommen?”

Jens Stoltenberg
“Weil wir zutiefst davon überzeugt sind, dass mit Nuklearwaffen in sehr vorsichtiger und vorhersehbarer Weise umgegangen werden sollte. Sie sind natürlich ein Teil der Abschreckung…”

Andrei Beketov
“Arbeitet die NATO noch an einem Raketenabwehrschild in Europa?”

Jens Stoltenberg
“Wir setzen die Arbeit am Raketenabwehrsystem in Europa wie geplant fort. Es ist Teil unseres Abschreckungspotentials. Der Grund dafür, dass die NATO weiter eine starke, gemeinsame Verteidigungskapazität anstrebt, liegt ja nicht darin, dass wir Krieg führen wollen, sondern darin, dass wir Krieg verhindern wollen.”