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Telegram, Playstation - Terrorwerkzeuge 2.0?

Die Chat-App Telegram mit Sitz in Berlin gilt seit einigen Wochen als Onlinesammelpunkt für Unterstützer des sogenannten Islamischen Staates, unter

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Telegram, Playstation - Terrorwerkzeuge 2.0?

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Die Chat-App Telegram mit Sitz in Berlin gilt seit einigen Wochen als Onlinesammelpunkt für Unterstützer des sogenannten Islamischen Staates, unter anderem, weil die Accounts der Dschihadisten auf Twitter zuletzt immer häufiger und schneller blockiert wurden. Telegram, 2013 von den Brüdern Nikolai und Pawel Durow gestartet, kommt auf rund 60 Millionen Nutzer weltweit. Spezialität: Die starke Verschlüsselung.

Meinung

Wenn wir anfangen würden zu sagen: 'Wir müssen als Staat in der Lage sein, Verschlüsselungen zu brechen', dann würde das nur dazu führen, dass alle Bürger abhörbar wären, aber nicht die kriminellen Terroristen

Eine echte Herausforderung für Fahnder, meint Frank Rieger, Analyst, Chaos Computer Club:

“Wir haben überall Verschlüsselung. Wir haben das in jedem Messenger, in What’s App ist heute Verschlüsselung drin, alle Banksysteme sind verschlüsselt. Verschlüsselung ist überall da draußen. Und wenn wir jetzt anfangen würden zu sagen: “Wir müssen als Staat in der Lage sein, Verschlüsselungen zu brechen’, dann würde das nur dazu führen, dass alle Bürger abhörbar wären, aber nicht die kriminellen Terroristen. Die würden unbrechbare Verschlüsselungen verwenden.”

So sind bei Telegram zum Beispiel sogenannte geheime Chats möglich: Nur Absender und Empfänger können die ausgetauschten Nachrichten lesen. Nicht einmal Telegram-Mitarbeiter können den Inhalt der Nachrichten einsehen.

Fotos, Videos, Dokumente aller Art, Sprach- und natürlich auch Textnachrichten können zwischen einzelnen Personen oder auch Gruppen mit bis zu 200 Mitgliedern ausgetauscht werden.

Dank eines sogenannten Selbstzerstörungsmodus kann man Chat-Nachrichten auf Wunsch noch eine Haltbarkeit mitgeben, das bedeutet: auf Wunsch verschwinden die Nachrichten vom Gerät, nachdem sie verschickt oder gelesen wurden.

Die Attentäter von Paris haben Medienberichten zufolge bei der Vorbereitung der Anschläge möglicherweise über die Chatfunktion der Spielekonsole Playstation 4 kommuniziert.

Die Nutzer der Playstation 4 können sich über “Voice-Chat” in verschiedenen Spielen in Echtzeit via Kopfhörer und Mikrofon austauschen. Technische Grundlage dafür ist “Voice over IP”, mittels derer Audiodaten in Echtzeit über das Internet übertragen werden können. Der Chat bietet dem Nutzer die Möglichkeit, mit mehreren oder einzelnen Mitspielern simultan über den Spielverlauf in sogenannten Multiplayer- oder Coop-Spielen zu kommunizieren.

Die Überwachung dieser Kommunikation dürfte sich allein aufgrund der hohen Anzahl von verschiedenen Multiplayer-Spielen extrem schwierig gestalten, die jeweils eigene Chatkanäle anbieten. Ein zusätzliches Hindernis stellt die Geschlossenheit der “Voice-Chats” innerhalb eines Spiels dar, der man nur auf Einladung durch andere Nutzer beitreten kann.

Nach Angaben von Sicherheitsexperten bieten sich darüber hinaus vielfältige Möglichkeiten, innerhalb von Multiplayer-Spielen auch ohne direkten sprachlichen Austausch verschlüsselt zu kommunizieren. Dabei könnten auf non-verbale Weise vorher verabredete Codes ausgetauscht werden, indem der Spieler bestimmte Handlungen mit seinem Avatar, dem digitalen Alter-Ego des Spielers, ausführt.

Belgiens Innenminister Johan Jambon hatte bereits vor den Anschlägen in Paris darauf hingewiesen, dass diese Form der Kommunikation die Sicherheitsbehörden bei der Überwachung vor extreme Herausforderungen stellt.

su mit Reuters