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Extremismus fordert tunesische Demokratie heraus

Vor der Verleihung des Friedensnobelpreises an die vier tunesischen Organisationen hatte das Quartett den Orden der Ehrenlegion, die höchste

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Extremismus fordert tunesische Demokratie heraus

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Vor der Verleihung des Friedensnobelpreises an die vier tunesischen Organisationen hatte das Quartett den Orden der Ehrenlegion, die höchste Auszeichnung Frankreichs, entgegengenommen. Einen Monat nach den Anschlägen in Paris erinnerte mit Abdessattar Ben Moussa (Vorsitzender der Menschenrechtsliga) einer der Preisträger auch an das Blutvergießen in der Heimat.

“Die furchtbaren Anschläge, die es im selben Monat in Tunis gab, waren ein Versuch, den demokratischen Prozess zu beenden. Wir müssen der jungen Demokratie in Tunesien helfen, den Frieden in Tunesien, Frankreich und überall auf der Welt zu bewahren”, sagte er.

Genau darum hatten sich die Preisträger im Jahr 2013 bemüht. Das Auswahlgremium würdigte damit den Einsatz für einen friedlichen Dialog zwischen der Bevölkerung, den politischen Parteien und den Behörden.

Nach dem Sturz von Präsident Ben Ali 2011 und einer folgenden Übergangsphase wurde 2014 eine demokratische Verfassung beschlossen, in der unter anderem die Unabhängigkeit der Justiz und die Gleichheit von Frau und Mann festgeschrieben sind. Ende 2014 wurden zudem Parlaments- und Präsidentenwahlen durchgeführt. Aus Letzteren ging der Jurist Béji Caid Essebsi als Staatsoberhaupt hervor.

Doch zur Ruhe kam Tunesien nach den großen politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen der vergangenen Jahre nicht: Terroranschläge wie der Angriff auf das Nationalmuseum Bardo im März erschütterten das Land. Die Tat von Extremisten kostete 24 Menschen das Leben.

Im Juni tötete ein Attentäter am Strand in der Nähe der Touristenhochburg Sousse mehr als 30 Menschen. Radikale Strömungen haben in dem Land großen Einfluss, über 3.000 meist junge Tunesier sind bereits in den Krieg im Irak und in Syrien gezogen.

Staatspräsident Essebsi verhängte nach dem Anschlag im Sommer den Notstand und tat das Gleiche, als am 24. November bei der Explosion eines Sprengsatzes in Tunis zwölf Mitglieder der Präsidentengarde getötet wurden. Die Miliz Islamischer Staat hatte für dieses Attentat im Zentrum der Hauptstadt die Verantwortung übernommen.