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Sylvie Guillem sagt der Bühne Adieu

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Sylvie Guillem sagt der Bühne Adieu

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Sylvie Guillem ist zum letzten Mal in Europa aufgetreten. Im Festspielhaus von St. Pölten verabschiedete sich die 50-Jährige mit ihrer Produktion

Sylvie Guillem ist zum letzten Mal in Europa aufgetreten. Im Festspielhaus von St. Pölten verabschiedete sich die 50-Jährige mit ihrer Produktion „Life in Progress”. Es stehen noch ein paar Auftritte in Japan an und dann heißt es nach 35 Jahren: Adieu von der Bühne!

Meinung

Ich möchte zu einem Zeitpunkt aufhören, wo ich das, was ich tue, immer noch voller Stolz und Leidenschaft mache.

Ein persönliches Gespräch mit der Tanzkoryphäe über die Gegenwart, Zukunft und ihr ökologisches Engagement. Ihr letztes Programm entwarf der Choreograf Akram Khan

Über das Konzept sagt Sylvie Guillem “In meinen Augen handelt es sich um ein mangelndes Verständnis, das Scheitern, die Unfähigkeit zuzuhören und auf die Welt zu blicken. Es geht um eine Art stillen Dialog mit dem Baum und auch um die Sehnsucht eins zu werden, nach Verständnis und sich gegenseitig zu retten. Das ist zumindest mein Gedanke, der meinen Körper beherrscht, während ich der Musik folge und das ist, was ich fühle.”

Auch ihre Abschiedstournee verfolgt sie mit einer Ernsthaftigkeit wie man es von ihr gewohnt ist: “Ich könnte mir sagen, das sind meine letzten Auftritte, also lass ich mich gehen, und wenn das einmal nicht perfekt war, muss ich mir das Video nicht anschauen, um etwas für den folgenden Abend zu korrigieren. Aber so denke ich nicht. Jeder Auftritt ist anders. Manchmal gibt es eben kleine Stolperer oder minimale Fehler und diese kann ich heute besser akzeptieren, weil es kleine Unvollkommenheiten sind, Teil der Emotionen. Damit kann ich nun besser leben.”

Die Wegbereiterin des modernen Tanzes ist auch eine glühende Verfechterin der Artenvielfalt und des Umweltbewusstseins. Sie erklärt ihre Ablehnung gegen große Lebensmittelketten wie folgt: “Ich gehe nicht in Supermärkte, denn die zerstören unsere Erde und sind Ursache für so viele Leiden. Sie haben Fertigkeiten und Berufe zerstört. Sie sind verantwortlich dafür, dass Tiere so leiden müssen und als mir das alles klar wurde, konnte ich gar nicht begreifen, wie die Menschheit zu so etwas fähig sein kann. Ich will nicht Teil dieser Zerstörung sein.”

Sylvie wollte immer die Menschen durch den Tanz berühren. Ihre Zukunft geht wohl in eine ähnliche Richtung. “Natürlich habe ich Ideen, was meine Zukunft betrifft, denn mein Leben geht weiter, auch wenn ein wichtiger Teil wegfällt. Ich existiere immer noch als Person mit meinen eigenen Ideen und Wünschen und Interessen. Aber ich will nichts planen, das würde bedeuten, diesem wichtigen Moment im Leben auszuweichen, den man durchleben sollte. Ich brauche also etwas Zeit, innezuhalten und zu verstehen, wer ich wirklich bin und was ich ohne den Tanz sein will.”