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Marrakesch: Goldener Stern für "Very Big Shot", Jury-Preis für alle Wettbewerbsfilme

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Marrakesch: Goldener Stern für "Very Big Shot", Jury-Preis für alle Wettbewerbsfilme

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Den Goldenen Stern des Festivals von Marrakesch erhielt in diesem Jahr ein libanesischer Debütfilm. Jury-Präsident Francis Ford Coppola gab den

Den Goldenen Stern des Festivals von Marrakesch erhielt in diesem Jahr ein libanesischer Debütfilm. Jury-Präsident Francis Ford Coppola gab den Sieger bekannt: “Very Big Shot” von Mir-Jean Bou Chaaya. Der junge Regisseur bedankte sich mit einem besonderen Gedanken an seine Heimat.

Meinung

Ich widme diesen Preis meinem Land Libanon, das leider nicht an uns glaubt, aber an das wir immer glauben werden.

Mir-Jean Bou Chaaya: “Vielen Dank, ich widme diesen Preis meinem Land Libanon, das leider nicht an uns glaubt, aber an das wir immer glauben werden.”

Als bester Regisseur wurde der Brasilianer Gabriel Mascaro für seinen zweiten Film “Neon Bull” ausgezeichnet. Eine echte Überraschung, wie er euronews-Reporterin Lise Pedersen auf dem Roten Teppich gestand.

Gabriel Mascaro: “Als ich hörte, dass mein Film vom Festival ausgewählt worden war, konnte ich es kaum glauben. Und als ich erfuhr, dass Coppola in der Jury sitzen würde, war das bereits wie eine Auszeichnung. Hierher zu kommen, eine wundervolle Woche mit anderen Regisseuren zu verbringen, erstaunliche Menschen zu treffen und dann noch den Preis für den Besten Regisseur von dieser herausragenden Jury zu erhalten, ist unbeschreiblich. Mir fehlen die Worte, ich bin überglücklich.”

Der Isländer Gunnar Jonsson erhielt den Preis für seine, quasi auf den Leib geschneiderte Rolle als schüchterner Riese in “Virgin Mountain” von Dagur Káris. Der war Schauspieler so begeistert, dass er einen Freudentanz veranstaltete.

Die blutjunge Französin Galatéa Bellugi holte den Preis für die Beste Schauspielerin für ihre Rolle als schwangerer Teenager in “Keeper” von Guillaume Senez. “Ich fühle mich sehr geehrt, hier zu sein. Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet. Erst recht nicht, dass ich gewinnen könnte. Es ist wunderbar”, schwärmte die junge Schauspielerin.

euronews-Korresponentin Lise Pederson berichtet: “Für Überraschung sorgte die Entscheidung der Jury unter dem Vorsitz von Francis Ford Coppola, ihren Preis an alle übrigen 14 Filme im Wettbewerb verleihen, und zwar ausnahmslos.”

Der Cinécole Preis für den besten Nachwuchsfilmer schließlich ging an Reda Jai für seinen Kurzfilm “La fille qui venait de nulle part (Das Mädchen von nirgendwo)”.

*Pläne für 2016”

2015 war dem künstlerischen Direktor des Festivals Bruno Barde zufolge eine reichhaltige Ausgabe, die er aus gut 1000 Filmen zusammenstellte. “Ich habe nach Streifen gesucht, die eine Dringlichkeit oder ein großes Bedürfnis nach filmischer Umsetzung zum Ausdruck brachten. Es ist interessant festzustellen, dass es etablierten Ländern im Alten Europa wie Frankreich, Italien oder Spanien schwer fällt, Filme zu machen, die nicht dem gängigen Fernsehformat entsprechen, die diese Dringlichkeit zum Ausdruck bringen. Auf spannende Dinge bin ich in Kasachstan, Island oder Dänemark gestoßen, in Ländern, die das Bedürfnis haben, die Kinosprache neu zu erfinden.”

Die Meisterklassen des Festivals von Marrakesch bieten jungen Filmemachern die Möglichkeit, von erfahrenen Regisseuren zu lernen. Großer Andrang herrschte etwa bei der Masterclass des renommierten iranischen Regisseurs Abbas Kiarostami. Seine Inspirationsquelle? “Alles, was ich über meine Arbeit sagen kann, ist, dass ich mich nicht am Kino, an Romanen oder anderen literarischen Texten orientiere. Ich schaue mich ganz einfach um und beobachte das Leben.”

Das vor 15 Jahren gegründete Festival unter der Schirmherrschaft von König Mohammed VI hat in eine neue Generation marokkanischer Filmemacher heranwachsen sehen. Sarim Fassi Fihri, Leiter des marokkanischen Filmzentrums setzt große Hoffnung auf die Zukunft. “Ich wünsche mir, dass wir es in fünf Jahren, in die offizielle Auswahl der großen Festivals in Cannes, Berlin oder Venedig schaffen. Denn seit ‘Othello’ waren wir nicht mehr in der offiziellen Auswahl von Cannes. Das wäre eine echte Anerkennung für das marokkanische Kino.”

Für die nächste Ausgabe planen die Veranstalter, die Rolle des Festivals als Vermittler zwischen der einheimischen Branche und Vertretern der internationalen Filmindustrie zu stärken.