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Nach Zinsanhebung der Fed: "Viel Geld wird in die Eurozone fließen"

Nun hat sie es also getan: Zum ersten Mal seit fast zehn Jahren hat die US-Notenbank Fed die Zinsen wieder erhöht. Ein Schritt, den viele erwartet

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Nach Zinsanhebung der Fed: "Viel Geld wird in die Eurozone fließen"

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Nun hat sie es also getan: Zum ersten Mal seit fast zehn Jahren hat die US-Notenbank Fed die Zinsen wieder erhöht. Ein Schritt, den viele erwartet hatten und der weltweit an den Börsen positiv aufgenommen wurde.

Meinung

"Die Eurozone ist im Moment ein attraktiver Investitionsstandort."

Trotz der leichten Anhebung ist der Leitzins immer noch historisch niedrig. Noch kurz vor der Finanzkrise lag er bei mehr als 5 Prozent. Die jetzige Anhebung: ein Schritt zurück zur Normalität, so Fed-Chefin Janet Yellen.

“Dieser Schritt markiert das Ende einer außergewöhnlichen, siebenjährigen Periode, in der die Zinssätze der Fed nahe null gehalten wurden, um die wirtschaftliche Erholung nach der schlimmsten Finanzkrise und Rezession seit der Weltwirtschaftskrise zu unterstützen.”

2008 hatte die Fed den Leitzins drastisch gesenkt auf einen Wert zwischen 0 und 0,25 Prozent, seither verharrte er dort. Nun also die leichte Anhebung. Ein wichtiger Grund dafür ist die Stabilisierung der US-Wirtschaft. Der Schritt war immer wieder hinausgezögert worden. Jetzt herrscht Klarheit, die Anleger sind erleichtert. Weitere Zinserhöhungen sollen, so Yellen, graduell erfolgen. Der nächste Schritt könnte Experten zufolge erst in mehreren Monaten erfolgen.

Nicht nur die Wirtschaft zeigt sich robuster, auch die Arbeitslosenzahlen in den USA sind derzeit so niedrig wie seit 2008 nicht mehr. Von mehr als zehn Prozent in der Finanzkrise ist die Quote auf zuletzt fünf Prozent gesunken. Außerdem geht der Offenmarkt-Ausschuss der Bank davon aus, dass sich die Inflation wieder der Zielmarke von zwei Prozent annähern wird.

INTERVIEW: “Es wird viel Geld in die Eurozone fließen”

Alasdair Sandford, euronews
Am Mittwoch hob die US-Notenbank den Leitzins an, das war seit langem erwartet worden. Ein Zeichen des Vertrauens in die US-Wirtschaft, aber wie wird das andernorts gesehen? Aus London ist uns Craig Erlam zugeschaltet, Börsenexperte von Oanda. Die Reaktion der Märkte war recht positiv, glauben Sie, das hält an?

Craig Erlam, Oanda
Ich denke schon, die Märkte haben die Zinserhöhung begrüßt und auch die moderate Art, mit der dies geschah. Es gab die Notwendigkeit, die Zinsen graduell anzuheben, um künftige Unruhe an den Märkten zu vermeiden, um die Erholung, die wir bisher in den USA hatten, nicht zu ersticken. Die Märkte unterstützen den Schritt der Federal Reserve. Irgendwann musste der Zeitpunkt kommen, an dem wir über höhere Zinssätze sprechen müssen. Die Arbeitslosigkeit ist bei fünf Prozent, es entstehen neue Arbeitsplätze, die Löhne werden bald steigen, das ist ein guter Zeitpunkt für die Anhebung. Das gibt den Märkten Sicherheit und schafft die Unsicherheit aus der Welt, die die Märkte dieses Jahr belastet hat.

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So viel zur US-Wirtschaft. Welche Folgen wird die Zinserhöhung für Europa haben, und hier speziell für die Eurozone?

Craig Erlam
Die Eurozone ist im Moment ein attraktiver Investitionsstandort. Es geht wieder voran, und bei der Menge an Stimuli, die von der EZB kommen und angesichts der Tatsache, dass die Fed ihre Geldpolitik wieder anzieht, wird die Eurozone ein noch viel interessanterer Ort für Investitionen. US-Aktien haben enorm vom sehr stimulierenden Programm der Fed profitiert. Jetzt, wo die Geldpolitik etwas anzieht, wird sicher viel Geld in die Eurozone fließen. Es ist eine phantastische Zeit, gerade jetzt, wo die Eurozone die Kurve kriegt. All die Probleme mit Griechenland und davor Italien und davor Spanien, lösen sich langsam auf.

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Ist der Schritt der Fed eine schlechte Nachricht für Schwellenländer und Rohstoffe?

Craig Erlam
Ich denke, die Schwellenländer haben mit dem Schritt der Fed gerechnet. Im August gab es starke Turbulenzen, was die Fed meiner Ansicht nach daran hinderte, die Zinsen schon früher, im September, zu erhöhen. Die Schwellenmärkte haben damit gerechnet. Natürlich gibt es weiterhin Länder, die sehr empfindlich reagieren auf das Verhalten der USA, Brasilien zum Beispiel, wo wir bereits Anzeichen einer schweren Rezession sehen. Dort gibt es viele Dinge wie auf US-Dollar lautende Schulden und enorme Leistungsbilanzdefizite, Haushaltsdefizite. Solche Länder werden weiter problematisch bleiben, was die Zinsanhebung der Fed angeht. Alles in allem stehen die Schwellenländer aber gut da und können noch weitere Anhebungen von der Fed verkraften, das haben wir an den Märkten jetzt gesehen. Die Börsen in den Schwellenländern reiten auf dem Rücken dieser Zinsanhebung. Der Grund dafür ist, dass die Unsicherheit weg ist, von der ich vorhin gesprochen habe.

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Die Fed gilt vielen als Ausgangspunkt der Finanzkrise. Führt sie nun die Welt in Richtung Erholung?

Craig Erlam
Ja, die USA standen wirklich am Ausgangspunkt der Finanzkrise. Aber sie waren auch einer der ersten Staaten, die etwas dagegen unternommen haben, mit all den Zwangsvollstreckungen und so weiter. Während der Wirtschaft enorme Schäden zugefügt wurden, waren die USA das erste Land, das die Finanzkrise bekämpft hat und versuchte, einen Ausweg zu finden. Jetzt sehen wir den Erfolg. Am Anfang hatten sie es sehr schwer, aber nun sehen wir die Früchte dieser Schritte, die damals unternommen wurden. Die anderen Länder hängen etwas hinterher, Großbritannien liegt vielleicht sechs Monate zurück, was die Zinserhöhung angeht, die Eurozone liegt vielleicht ein paar Jahre zurück. Aber ich denke, eine starke US-Wirtschaft ist gut für die Weltwirtschaft. Sie ist die größte Wirtschaft der Welt, und wenn es ihr gutgeht, profitieren alle davon.