Eilmeldung

Eilmeldung

Iran und Saudi-Arabien: Schlafwandler in den offenen Krieg?

Unsere Korrespondentin Fariba Mavadat sprach von Brüssel aus mit Ahmad Salamatian, dem ehemaligen stellvertretenden iranischen Außenminister der

Sie lesen gerade:

Iran und Saudi-Arabien: Schlafwandler in den offenen Krieg?

Schriftgrösse Aa Aa

Unsere Korrespondentin Fariba Mavadat sprach von Brüssel aus mit Ahmad Salamatian, dem ehemaligen stellvertretenden iranischen Außenminister der frühen Revolutionsjahre, der jetzt in Paris lebt.

Euronews:
Herr Salamatian – hier ist die Grenze des üblichen diplomatischen Geplänkels ja wohl überschritten worden. Können Iran und Saudi-Arabien das noch kontrollieren?

Ahmad Salamatian:
Der Konflikt zwischen Iran und Saudi-Arabien hat sich in einer Weise zugespitzt, dass die derzeitige Lage verglichen werden kann mit derjenigen vor den beiden Weltkriegen des vorigen Jahrhunderts.
Es sieht ganz so aus, also ob die Beteiligten wie Schlafwandler auf eine Krise zusteuern, die durch einen bloßen Zwischenfall, wie eine Hinrichtung oder ein Attentat, quasi explodieren und zum offenen Krieg gegeneinander werden kann.

Euronews:
Was wollen die beiden Seiten voneinander?

Ahmad Salamatian:
Es geht um die Vorherrschaft in der Region, einer Region, deren Nationen derzeit selbst schon wegen des arabischen Frühlings in schweren Krisen stecken. Autokratische Regierungen und Diktaturen werden in Frage gestellt.
Hinzu kommt die rein geographische Ausdehnung der Krise und des Kampfes um die Vorherrschaft, vom Jemen bis nach Syrien, vom Libanon bis nach Bahrain.
Und sowohl Iran als auch Saudi-Arabien sehen sich, gewollt oder nicht, als Bannerträger eines geopolitischen, religiösen und politischen Führungsanspruchs.
In dieser explosiven Situation kann jeder Zwischenfall die Dinge außer Kontrolle geraten lassen.

Euronews:
Welche Auswirkungen wird diese Krise auf den Krieg in Syrien haben?

Ahmad Salamatian:
Wenn es nicht gelingt, die Krise beizulegen, dann kann man die nächste Friedenskonferenz, und jegliche Hoffnung auf einen Fahrplan für eine Lösung in Syrien erst einmal vergessen.
Ohne ein Minimum an Einverständnis zwischen Iran und Saudi-Arabien gibt es keinen Ausweg aus der Krise in Syrien, keine Möglichkeit, Daesh erfolgreich zu bekämpfen, kein Ende der Kämpfe im Jemen, keine Hoffnung, weitere Konflikte zu vermeiden und auch keine Aussicht auf eine Regierungsbildung im Libanon.
Und: die Sicherheitslage im Nahen Osten ist ja heutzutage nicht auf die Region selbst beschränkt, sondern betrifft direkt die Sicherheitslage in Europa, den USA und vielen anderen Teilen der Welt.