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China wertet Yuan weiter ab - Börse taumelt

Zum zweiten Mal seit Jahresbeginn schickt der Absturz der chinesischen Aktienbörsen Schockwellen rund um den Globus. In Shanghai wurde der Handel

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China wertet Yuan weiter ab - Börse taumelt

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Zum zweiten Mal seit Jahresbeginn schickt der Absturz der chinesischen Aktienbörsen Schockwellen rund um den Globus.

Meinung

Die Regierung könnte etwas wissen, was die Märkte noch nicht wissen

In Shanghai wurde der Handel automatisch abgebrochen, weil die Kurse nach nur einer halben Stunde um sieben Prozent abgestürzt waren. So kurz war eine Börsensitzung in China noch nie. Auslöser für die jüngste Verkaufswelle war eine neue Abwertung des chinesischen Yuan. Sie schürte die Furcht vor einer weiteren Abkühlung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft.

Dax und EuroStoxx50 brachen um je rund drei Prozent ein. Der deutsche Leitindex rutschte zum erstenmal seit Oktober wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten. Heißt, dass in vier Handelstagen fast der gesamte Jahresgewinn von fast zehn Prozent aus dem Jahr 2015 verpuffte.

Am Montag war die Börse Shanghai schon einmal um sieben Prozent abgestürzt und der Handel von den Behörden per Notbremse gestoppt worden.

Das hatte von Tokio bis zur Wall Street in New York für kräftige Kursabschläge gesorgt und dem Dax in Frankfurt den schwärzesten Jahresauftakt seiner Geschichte eingebrockt.

“Es besteht das Risiko für die chinesische Administration, dass sie das Vertrauen, das ihr bislang für die zahllosen Reformschritte entgegengebracht wurde, verspielt”, warnten die Analysten der Essener National-Bank in einem Kommentar. “Dieses Mal dürften zusätzliche geld- und fiskalpolitische Maßnahmen zur Stimulierung des Wachstums allein nicht ausreichen.”

Mitte Januar legt China Zahlen zum Wirtschaftswachstum im vierten Quartal vor. Börsianer befürchten, dass das von der Regierung angepeilte Ziel von sieben Prozent wie im Vorquartal verfehlt wird.

Die chinesische Notenbank hob den Referenzwert des Dollar, den der Wechselkurs maximal zwei Prozent über- oder unterschreiten darf, zum achten Mal in Folge an und wertete damit die eigene Währung ab. “Die Frage drängt sich auf, warum sie es damit so eilig hat”, sagte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets, Frankfurt. “Die Regierung könnte etwas wissen, was die Märkte noch nicht wissen.”

“Die Angst vor der Ungewissheit ist derzeit das größte Risiko für den Yuan-Kurs”, schrieben die Experten der Oversea-Chinese Banking Corporation, Singapur, in einem Kommentar. Es sei unklar, wie stark die People’s Bank of China (PBoC) die eigene Währung abwerten lassen wolle. Ein rückläufiger Wechselkurs macht Waren chinesischer Unternehmen auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger, erhöht gleichzeitig aber die Gefahr eines Abwertungswettlaufs mit anderen Exportnationen wie Japan oder Deutschland.

Mit ihrer aktuellen Wechselkurspolitik fördere die PBoC zudem die Erwartung eines kontinuierlich fallenden Yuan-Kurses, warnten die Experten der Australia and New Zealand Banking Group
(ANZ Bank), Melbourne. “Dies verstärkt die Kapitalflucht und führt zu starker finanzieller Instabilität.”

Die Furcht vor einer schwächeren China-Nachfrage schlug auch an den Rohstoffmärkten voll durch: Der Preis für Brent-Rohöl rutschte um bis zu sechs Prozent ab. Mit 32,16 Dollar war ein Barrel (159 Liter) der Sorte aus der Nordsee so billig wie zuletzt vor knapp zwölf Jahren. Das “schwarze Gold” leidet unter Konjunktursorgen und weltweiter Überproduktion.

Industriemetalle wie Kupfer, Zink oder das zur Stahl-Herstellung benötigte Nickel verbilligten sich um bis zu 4,6 Prozent. Der Kurs von Palladium, das bei der Herstellung von Autokatalysatoren zum Einsatz kommt, fiel zum erstenmal seit 2010 unter 500 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Gold war dagegen als “sicherer Hafen” gefragt und legte 0,8 Prozent auf 1102,80 Dollar je Feinunze zu. Auch bei Bundesanleihen griffen Investoren zu. Der Bund-Future, der auf den zehnjährigen Titeln basiert, gewann zeitweise 50 Ticks auf 159,84 Punkte. Das ist der höchste Stand seit vergangenem Frühjahr.

Die Furcht vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft und der anhaltende Preisverfall des Rohöls dämpften die Erwartungen für die Teuerung in der Euro-Zone. Damit schürten sie Spekulationen auf weitere Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB), um die drohende Deflation – eine desaströse Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen – abzuwenden. Ein von den Notenbankern beachtetes Inflationsbarometer fiel auf den niedrigsten Wert seit Oktober. Der Euro verteuerte sich dennoch um mehr als einen halben US-Cent auf 1,0850 Dollar. Die Gemeinschaftswährung profitiere derzeit von der Suche der Anleger nach sicheren Anlagen, sagte Commerzbank-Analystin Antje Praefcke. Die Geldpolitik spiele nur eine untergeordnete Rolle. “Das kann sich aber schnell wieder ändern.”

su mit Reuters