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Multi-Instrumentalist Draghi will die Inflation hochgeigen

EZB-Chef Mario Draghi hat vor der versammelten Wirtschaftselite des Weltwirtschaftsforums in Davos seine Bereitschaft unterstrichen, im Kampf gegen

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Multi-Instrumentalist Draghi will die Inflation hochgeigen

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EZB-Chef Mario Draghi hat vor der versammelten Wirtschaftselite des Weltwirtschaftsforums in Davos seine Bereitschaft unterstrichen, im Kampf gegen die aus seiner Sicht viel zu niedrige Inflation nicht nachzulassen.

Meinung

Und was treibt die Erholung an? In erster Linie, würde ich sagen, unsere Geldpolitik

“Wir haben reichlich Instrumente”, versicherte Draghi. “Insbesondere haben wir die Entschlossenheit, den Willen und die Fähigkeit zu handeln und diese Instrumente einzusetzen.”

Schwächeres Wachstum in den Schwellenländern und der jüngste Verfall der Ölpreise bereiten den Währungshütern der Europäischen Zentralbank (EZB) zunehmend Sorgen. Die Situation bei der Inflation gebe derzeit wenig Anlass zu Optimismus, räumte der Italiener ein.

EZB-Präsident Mario Draghi:

“Wir sehen eine kontinierliche Erholung, bescheiden, aber nachhaltig. Es ist eine Erholung, die vom Konsum getragen wird. Und was treibt diese Erholung an? In erster Linie, würde ich sagen, unsere Geldpolitik”.

In den zwei Jahren bis März 2017 pumpt die EZB durch den Ankauf von Wertpapieren rund 1,5 Billionen Euro ins Finanzsystem. Die zarten Wachstumsraten gingen zuletzt eher wieder zurück – und vor allem die Geldentwertung.

“Falls der Ölpreis in einer Spanne von 30 bis 35 Dollar bleibt, könnte die Inflation bald wieder negativ werden und dies für einige Monate bleiben”, warnt der Chefvolkswirt der italienischen Großbank Unicredit, Marco Valli.

Nach Ansicht von Experten wird die EZB im Zuge des massiven Preisverfalls beim Schwarzen Gold ihr Inflationsziel auch die nächsten Jahre deutlich verfehlen. Für das laufende Jahr senkten die EZB-Beobachter ihre Prognose auf 0,7 von zuvor 1,0 Prozent. Im Dezember waren die Preise im Währungsraum gerade einmal um 0,2 Prozent angezogen.

Fallende Preise gelten als gefährlich, weil Unternehmen dann Investitionen aufschieben und sich Konsumenten zurückhalten, weil sie davon ausgehen, Produkte bald noch günstiger zu bekommen. Aus einer solchen Deflationsspirale wieder rauszukommen, gilt als schwierig.

Draghi zu Griechenland:

“Beim Thema Austritt Griechenlands aus der Eurozone sind wir in einer besseren Lage als im Juni letzten Jahres. Die griechische Regierung hat erhebliche Fortschritte bei Reformen und Haushaltskonsolidierung gemacht. Es gibt drei Bereiche der Debatte:

1. Festlegen des Finanzrahmens für 2018-19 2. nachhaltige Renten 3. Reform des Finanzsektors.”

Draghi zu Flüchtlingen:

“Die Flüchtlinge sind für Europa sind eine Herausforderung und eine Chance. Die Herausforderung steht fest. Es wäre töricht, ihre Größe und ihr Ausmaß zu ignorieren.

Sie verändert unsere Gesellschaft. In welche Richtung, können wir nur vermuten. Und es ist auch zu früh, um wissen, wie lange es dauern wird, diese Herausforderung in eine Chance zu verwandeln.”

Draghi hatte erst in dieser Woche die Tür für eine weitere Lockerung der Geldpolitik im März weit aufgestoßen. Es sei notwendig, die bisherigen Maßnahmen auf der nächsten Zinssitzung zu überprüfen, weil sich die Lage verändert habe. Die Hoffnung auf weitere EZB-Geldspritzen schob daraufhin die Aktienmärkte kräftig an. Dax und EuroStoxx50 legten jeweils etwa zwei Prozent zu.

su mit dpa, Reuters