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Aufreger-Thema: gefälschte Medikamente bergen hohes Risiko

Was, wenn auch Ihr Medikament gefälscht ist..?

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Aufreger-Thema: gefälschte Medikamente bergen hohes Risiko

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Hustensaft mit Frostschutzmittel, unwirksame Verhütungsmittel, falsche Kontaktlinsen, abgelaufene Medizin oder Säfte gegen Zahnschmerzen, die ähnliche Flüssigkeiten enthalten wie Autobatterien.

Der Weltgesundheitsorganisation zufolge fallen jährlich zwischen 100.000 und einer Million Menschen zum Opfer gefälschter Medikamente. Viele Arzneicocktails werden über das Internet vertrieben. Diesem sich ausbreitenden Phänomen will die Internationale Konvention Médicrime des Europarates seit Jahresbeginn einen Riegel vorschieben.

Davon betroffen sind nicht nur leichte Hustensäfte und Kopfschmerztabletten, sondern auch Medikamente gegen schwere Erkrankungen wie Krebs oder Gefäßleiden. Die Wirkstoffe können über- oder unterdosiert wenn nicht sogar giftig sein. Laut Weltgesundheitsorganisation hätten von etwa einer Million Malaria-Todesfälle 200.000 durch die Einnahme von qualitativ hochwertigen Medikamenten verhindert werden können.

Huguette Labelle: “Wie kann der Tod eines Kindes finanziell ausgeglichen werden, das bei einem chirurgischen Eingriff starb, weil die Spritze, die sein Herz wiederbeleben sollte, Wasser statt Adrenalin enthielt? Der Preis für Korruption im Gesundheitswesen ist menschliches Leid.”

Laut einer Studie von 2005 waren in Kenia knapp ein Drittel der Medikamente gefälscht, einige enthielten nichts anderes als Wasser und Kalk.

Höhere Gewinne als beim Drogenverkauf?

Medikamente zu fälschen verspricht sehr schnelle große Gewinne, ohne hohe Risiken einzugehen. Es bringt 10 bis 25 Mal mehr Geld ein als Falschgeld und 20 Mal mehr Geld als Drogenhandel. Gleichzeitig ist es leichter, schneller und risikoärmer, weil die Strafen für Korruption oft sehr gering ausfallen.

Investiert man beispielweise knapp 900 Euro, kann man mit Falschgeld oder durch den Verkauf von Heroin etwa knapp 18.000 Euro Gewinn machen. Mit gefälschten Zigaretten: rund 38.000 Euro. Doch mit gefälschten Medikamenten locken Gewinne von mindestens 180.000 Euro.

Welche Strafen für Medikamentenfälscher?

In den meisten Ländern drohen ähnlich hohe Strafen wie für das Fälschen von T-Shirts, DVDs oder Markenhandtaschen. Das Strafrisiko ist somit geringer als beim Drogenhandel.

In Bogota wurden 2001 bei einer Razzia 20.000 gefälschte Medikamente sichergestellt und zehn Dealer festgenommen, doch diese kamen nur wenige Tage später auf Kaution wieder frei.

Mangelnde Aufklärung

Etwa 82% der Franzosen hätten laut einer Untersuchung ein außerhalb der Apotheke beschafftes Medikament gar nicht erst gekauft, hätten sie gewusst, dass es sich um eine Fälschung handeln könnte.

Offenbar ist nur einer von fünf Europäern über mögliche Risiken von falschen Medikamente aufgeklärt, das ergab eine Umfrage bei 5.000 Menschen, die von Happycurious im Auftrag des Pharmariesen Sanofi durchgeführt wurde.

“Nur jeder fünfte Befragte hat bereits von gefälschten Medikamenten gehört, er bringt eher Luxusprodukte, Kleidung und Elektronik damit in Verbindung,” erklärt Caroline Atlani, die sich bei Sanofi mit der Bekämpfung von gefälschten Medikamenten befasst.

Welche Länder sind am stärksten betroffen?

Kriminalität in Verbindung mit gefälschten Medikamenten gibt es überall, sowohl in armen Ländern als auch in reichen wie in den USA oder Großbritannien.

Vor allem in Staaten mit großer Korruption und schwachen Strukturen wie in manchen Ländern südlich der Saharawüste, in Südostasien oder in Lateinamerika machen gefälschte Medikamente zwischen 30 und bis zu 70% aller Arzneimittel aus.

Im Visier der Medikamentenschmuggler sind auch die USA mit Dutzenden Millionen Menschen ohne Krankenversicherung. Eine breite Gesundheitsversorgung wie in Frankreich wirkt offenbar abschreckend auf Medikamentenfälscher.

Um die Bevölkerungen besser zu schützen, verlangen Experten seit langem, Medikamentenfälschungen wie eine Straftat und nicht wie ein Delikt zu behandeln.