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London Stock Exchange umwirbt Fusionskandidat Deutsche Börse - selbst mit "Brexit" könne man umgehen

Der Chef der London Stock Exchange (LSE) wirbt für einen Zusammenschluss mit der Deutschen Börse. “Es handelt sich um eine Riesenchance – eine

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London Stock Exchange umwirbt Fusionskandidat Deutsche Börse - selbst mit "Brexit" könne man umgehen

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Der Chef der London Stock Exchange (LSE) wirbt für einen Zusammenschluss mit der Deutschen Börse.

Meinung

Es handelt sich um eine Fusion auf Augenhöhe

“Es handelt sich um eine Riesenchance – eine Verbindung würde beide Unternehmen stärken und die Branche verändern”, sagte LSE-Chef Xavier Rolet.

Zu einem möglichen Gegenangebot für die LSE, das der US-Konkurrent ICE in Aussicht gestellt hat, äußerte sich Rolet nicht.

Er deutete an, dass die Fusion von LSE und Deutscher Börse das politische Vorhaben einer europäischen Kapitalmarktunion unterstützen würde – eine Meinung, die der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger (laut “Reuters”) offenbar teilt: “Wir haben unsere Regeln. Wir haben unsere Spielräume. Und im Rahmen der Spielräume hoffe ich auf eine wohlwollende Begleitung. Im Bereich der Börsen haben wir eine globale Entwicklung und die beiden Börsen sind je alleine auf Dauer tendenziell zu klein.”

Mit einem möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU könnte die LSE unabhängig von möglichen Fusionen oder Übernahmen umgehen, sagte Rolet. Experten gehen allerdings davon aus, dass die LSE einen Brexit zusammen mit der Deutschen Börse besser verkraften könnte – schließlich hätte das Unternehmen dann ein starkes Standbein in der EU.

Rolet wies den Vorwurf zurück, die Deutsche Börse gebe bei der Fusion den Ton an. “Es handelt sich um eine Fusion auf Augenhöhe – anders kann man diese Transaktion nicht beschreiben.” Mehrfach wies er darauf hin, dass der Sitz der fusionierten Börse in London sein soll – eine Tatsache, die wiederum in Frankfurt auf Kritik stößt.

Die Zustimmung der EU-Kommission gilt neben Gegenangeboten als größte Hürde für einen Zusammenschluss von LSE und Deutscher Börse. Verantwortlich für den Fall in Brüssel ist allerdings nicht EU-Digitalkommissar Oettinger, sondern seine für Wettbewerb zuständige Kollegin Margrethe Vestager.

Die beiden Börsenbetreiber hatten in der vergangenen Woche Gespräche über einen gut 25 Milliarden Euro schweren Zusammenschluss bekanntgegeben. Nach den bisher veröffentlichten Plänen sollen die Aktionäre der Deutschen Börse an dem Gemeinschaftsunternehmen mit 54,4 Prozent eine knappe Mehrheit halten. Zusammen würden die beiden Unternehmen nach Börsenwert zu den beiden US-Schwergewichten ICE und CME aufschließen.

Die IntercontinentalExchange (ICE) ist ein Börsenbetreiber mit Sitz in Atlanta, USA, der auf den elektronischen Handel von Optionen und Futures auf Elektrizität, Energie- und Agrarrohstoffe sowie Emissionen spezialisiert ist. Die US-amerikanische CME Group ist eine der weltgrößten Optionsbörsen und die größte Terminbörse der Welt, mit Sitz in Chicago im Bundesstaat Illinois.

Im vergangenen Jahr legte der Umsatz der London Stock Exchange um 78 Prozent auf knapp 3 Milliarden Euro zu. Der bereinigte operative Gewinn kletterte um 27 Prozent auf rund 915 Millionen Euro.

su mit Reuters