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Gemischte Gefühle in Srebrenica vor Gerichtsurteil gegen Karadzic

Im bosnischen Srebrenica schwanken die Gefühle an das Urteil gegen den früheren Serbenführer Radovan Karadzic wegen Völkermordes zwischen

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Gemischte Gefühle in Srebrenica vor Gerichtsurteil gegen Karadzic

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Im bosnischen Srebrenica schwanken die Gefühle an das Urteil gegen den früheren Serbenführer Radovan Karadzic wegen Völkermordes zwischen Gleichgültigkeit und Anspannung.

Meinung

Manchmal träume ich noch von den Schüssen und dann kommt die Angst wieder.

Karadzic ist einer der Hauptangeklagten des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag wegen des Massakers in der damaligen UN-Schutzzone während des Bosnienkrieges.

Serbische Einheiten hatten im Juli 1995 rund 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet. Karadzic war 2008 nach 13 Jahren auf der Flucht festgenommen worden.

“Manchmal träume ich noch von den Schüssen und dann kommt die Angst wieder. Ich hoffe, dass Karadzic das härteste Urteil bekommt”, erzählt eine ältere Dame.

“Mich interessiert nur, ob ich und meine Kinder morgen etwas auf dem Teller haben. Ob Karadzic Verbrechen begangen hat oder nicht, ist seine Angelegenheit. Sie sollten ihn bestrafen, wenn er schuldig ist”, so ein Mann im mittleren Alter.

Der Bürgermeister von Srebrenica, Ćamil Duraković, sieht in dem Urteil die Chance auf einen Neuanfang für seine Gemeinde. Es gebe immer noch zahlreiche Politiker, die den Völkermord leugnen: “Wenn wir die Dinge vor Ort nach diesem Urteil nicht ändern, dann ist das Urteil sinnlos. Wenn es dazu dient, den Völkermord und die Dinge, die in diesem Land geschehen sind anzuerkennen, ist das gut aber wenn es keine Konsequenzen gibt, dann ist es nur ein Blatt Papier.”

Viele Einwohner von Srebrenica sprachen sich gegenüber euronews-Korrespondentin Andrea Hajagos allerdings auch für die Freilassung Karadzics aus, wollten das vor der Kamera aber nicht sagen.

“Etwa die Hälfte der Einwohner in Srebrenica betet in einer Kirche, die andere Hälfte in einer Moschee. Aufgrund der religiösen und ethnischen Unterschiede wird es gezwungenermaßen auch Enttäuschung geben nach dem Urteilsspruch”, so Andrea Hajagos.