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Israelischer Sicherheitsexperte: So sollte Europa den Terror bekämpfen

Nach den Anschlägen von Brüssel hat Israel allen vom Terrorismus betroffenen Ländern eine Kooperation in Sicherheitsfragen vorgeschlagen. Man sei

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Israelischer Sicherheitsexperte: So sollte Europa den Terror bekämpfen

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Nach den Anschlägen von Brüssel hat Israel allen vom Terrorismus betroffenen Ländern eine Kooperation in Sicherheitsfragen vorgeschlagen. Man sei mitten in einem weltweiten Krieg gegen den Terror, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Terrorismus sei durch nichts zu rechtfertigen, betonte er.

Meinung

Es gab einige Fehler, für die teuer bezahlt wurde.

“In Paris, Brüssel, San Bernardino, Tel Aviv oder Jerusalem: Terror muss einheitlich verurteilt und bekämpft werden. Israel ist bereit, mit allen Nationen in diesem großen Kampf zu kooperieren. Die Terroristen wollen uns zerstören, doch sie werden scheitern. Wenn wir zusammenarbeiten, werden sie sehr viel eher scheitern”, so Netanjahu.

Israel führt unter anderem an seinen Flughäfen besonders strenge Kontrollen durchgeführt. Neben den üblichen Durchsuchungen von Reisenden und deren Gepäck stellen die Sicherheitsbeamten gezielte Fragen, unter anderem zum Aufenthalt in Israel. Mitunter werden Leibesvisitationen durchgeführt, die von manchen Fluggästen als erniedrigend empfunden werden.

Sicherheitsexperte fordert mehr Personal bei Nachrichtendiensten und Polizei

Yoram Schweitzer ist der ehemalige Leiter der israelischen Einheit zur Terrorismusbekämpfung und jetzt als Experte beim Institut für nationale Sicherheitsstudien tätig. Er beantwortet die Fragen von euronews-Reporter Damon Embling.

euronews:
Als Bürger Israels und als Experte im Kampf gegen den Terrorismus: Was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie die Anschläge in Brüssel sahen?

Yoram Schweitzer:
Leider ist das eingetreten, was erwartet wurde. Strategisch war es keine Überraschung: Wir haben erwartet, gedacht und gesehen, dass die Miliz Islamischer Staat internationale Terrorzellen aufgestellt hat.

euronews:
Wie lautet Ihre Einschätzung der Effektivität der belgischen und europäischen Geheimdienste im Kampf gegen diese Terrorzellen?

Schweitzer:
Ich bin mir sicher, dass die Fähigkeiten da sind. Die europäischen Nachrichtendienste haben bewiesen, dass sie Herausforderungen meistern können, da sie die meisten Anschlagsversuche von Al-Kaida und dessen Verbündeten im vergangenen Jahrzehnt zunichtegemacht haben.

euronews:
Das Scheitern der Nachrichtendienste bei den Brüsseler Anschlägen ist besorgniserregend. Was wurde falsch gemacht? Hätten die Anschläge verhindert werden können?

Schweitzer:
Meiner Meinung nach gab es einige Fehler, für die teuer bezahlt wurde. Und die sollten untersucht werden. Es gehört zum Kampf gegen den Terrorismus, dass es nicht nur Erfolge gibt, dass nicht alle Anschläge verhindert werden können.

euronews:
Jüngsten Einschätzungen zufolge hat der IS mindestens 400 Kämpfer nach Europa geschickt. Ist es realistisch zu erwarten, dass die Sicherheitsbehörden all diese Verdächtigen überwachen können?

Schweitzer:
Die Sicherheitsbehörden sollten mit Hilfe der Unterstützung der jeweiligen politischen Führung darauf vorbereitet sein. Sie sollten Quellen anzapfen und das Personal erheblich aufstocken: Es geht hier um qualifiziertes Personal bei den Nachrichtendiensten und bei der Polizei.

Weckruf? “Den hätte es bereits vor langer Zeit geben sollen”

euronews:
Gleichzeitig scheinen europäische Länder eine Brutstätte für den Terrorismus zu sein. Molenbeek in Brüssel wird bereits als Zentrum des Dschihads bezeichnet. Wie kann man in solche Netzwerke eindringen?

Schweitzer:
Da sollte man mit Vorsicht vorgehen, denn eine der grundlegenden Taktiken des Terrorismus ist, die Bevölkerung zu verführen, indem sehr drastische Antworten gegeben werden. Die Polizei sollte in die Problemviertel gehen und sich der Menschen annehmen, die mit Terrorismus zu tun haben, die anderen in Ruhe lassen und somit gleichzeitig Unterstützung von der Bevölkerung erhalten.

euronews:
An manchen Flughäfen werden Reisende vor den Terminals kontrolliert. Ihr Gepäck wird durchleuchtet, und ihre Papiere überprüft. Sollte das auch in Europa gemacht werden?

Schweitzer:
Es geht darum, dass sich die Menschen so frei wie möglich bewegen können und ihre Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt wird. Aber gleichzeitig muss man auf Verdächtige vorbereitet sein, die derartige Anschläge ausführen. Wir dürfen nicht kapitulieren und dürfen den Lebensstil weder in Europa noch anderswo vollständig auf den Kopf stellen.

euronews:
Sind die Anschläge von Brüssel und Paris ein Weckruf für Europa?

Schweitzer:
Den Weckruf hätte es bereits vor langer Zeit geben sollen. Ich hoffe, dass das nun in den Köpfen der Verantwortlichen angekommen ist.