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Streitfall Idomeni: "Menschenrechtlich kein offizielles Camp"

Fünf Tage nach der Schließung der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland gerät Idomeni erstmals in die internationalen Schlagzeilen. Frustrierte

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Streitfall Idomeni: "Menschenrechtlich kein offizielles Camp"

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Fünf Tage nach der Schließung der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland gerät Idomeni erstmals in die internationalen Schlagzeilen. Frustrierte Flüchtlinge und Migranten können ihren geplanten Weg über die sogenannte Balkanroute in Richtung Westeuropa nicht fortsetzen. Die Enttäuschung entlädt sich in Protestaktionen.

Binnen weniger Tage entwickelt sich Idomeni bei winterlichen Temperaturen und Nässe zum humanitären Brennpunkt. Schutz bieten lediglich nicht wintertaugliche Zelte. Sanitäre Einrichtungen oder eine Trinkwasserversorgung sind praktisch nicht vorhanden.

Trotzdem lassen sich mehr als 11.000 Schutzsuchende auf das vermeintliche Geduldsspiel ein. Der Glaube an eine Wiedereröffnung der Grenze zu Mazedonien hält die meisten aufrecht.

Trotz Kritik durch das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, UNHCR, ändert sich tagelang wenig an den menschenunwürdigen Zuständen.

UNHCR-Sprecherin Liene Veide mit einer Zwischenbilanz:

_“Idomeni ist menschenrechtlich betrachtet kein offizielles Camp. Es erfüllt nicht einmal die geringsten Mindeststandards. Es gibt keine Serviceleistungen. Nichts ist organisiert. Es fängt an bei sanitären Anlagen, Trinkwasser, Lebensmitteln und geht bis zur fehlenden medizinischen Versorgung und dem Mangel an Privatsphäre.”

Auch rund zwei Wochen später hat sich die Anzahl der in Idomeni ausharrenden Menschen kaum verringert. Die Balkanroute bleibt ihnen versperrt. In ihrer Verzweiflung greifen mehrere Hundert zum vermeintlich letzten Strohhalm und versuchen, einen reissenden Fluss in Richtung Mazedonien zu überwinden. Unterstützung erhalten sie von Aktivisten, die zuvor offenbar mit Flugblättern auf die illegale Möglichkeit der Grenzüberquerung aufmerksam gemacht haben. Auch Kinder, Frauen und Ältere wagen den Weg über das Wasser. Zwei Männer und eine Frau aus Afghanistan sterben.

Elf Tage später kommt leichte Bewegung in den Stillstand von Idomeni. Wohl auch, weil immer mehr Kinder bei Dauerregen erkranken, werden bereit stehende Busse in Anspruch genommen. Mehrere hundert Menschen entschließen sich zu dem Transfer in griechische Registrierungszentren im Landesinneren. Der Andrang fällt geringer aus, als von den griechischen Behörden erhofft: Nur vier der 25 Busse füllen sich.

Die griechische Regierung scheint überfordert. Der Minister für Immigration, Yannis Mouzalas, verlangt bei einer Rede vor dem Parlament am 1. April mehr Zeit:

“Die Schande von Idomeni wird aufhören, aber das kann dauern. Die Regierung muss und wird das organisieren. Wollen wir dort etwa Polizeikräfte und den Einsatz von Tränengas erleben? Nein, natürlich nicht! Also benötigen wir Zeit und Organisation.”

euronews-Korrespondent Stamatis Giannisis kommentierte in Athen:

“Trotz heftiger Kritik bleibt die griechische Regierung ihrem Plan treu, die Migranten und Flüchtlinge durch die abschreckenden Zustände in den provisorischen Camps an der Grenze zu ermüden. Ohne Gewaltanwendung sollen sich die Menschen so gezwungen sehen, aus eigenem Antrieb ihre Unterkünfte zu verlassen und die vernünftig ausgestatteten Registrierungszentren im Landesinneren aufzusuchen.”