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Stahl-Überkapazitäten: China reagiert eisern auf internationale Vorhaltungen

Die Stahlindustrie in Europa leidet unter massiven Überkapazitäten und Billigimporten. Ein von der OECD und Belgien organisiertes Krisentreffen in

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Stahl-Überkapazitäten: China reagiert eisern auf internationale Vorhaltungen

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Die Stahlindustrie in Europa leidet unter massiven Überkapazitäten und Billigimporten. Ein von der OECD und Belgien organisiertes Krisentreffen in Brüssel förderte vor allem die Kluft zwischen China, dem weltgrößten Stahlproduzenten, und anderen Ländern wie den USA zu Tage. Sie drohten China mit ökonomischen Strafmaßnahmen. Einziger gemeinsamer Punkt: In der Branchenkrise sei ein rasches und strukturiertes Vorgehen notwendig, so die Teilnehmer aus mehr als 30 Staaten.

Meinung

Wir subventionieren keinen Stahl-Export

China wies Vorwürfe zurück, eigene, defizitäre Betriebe zu subventionieren. Vielmehr habe die Volksrepublik die Kapazitäten deutlich gesenkt.

Shen Danyang, Sprecher des Handelsministeriums:

“Chinas Stahlproduktion ist auf die Erfüllung der Binnennachfrage ausgerichtet . Wir subventionieren keinen Stahl-Export und haben die Ausfuhrsteuern auf einige Stahlprodukte angehoben.”

Die Volksrepublik habe die Kapazitäten deutlich abgebaut. Gleichzeitig erreichte die Produktion laut China Iron & Steel Association allerdings im vergangenen Monat ein Rekordhoch.

Viele Experten sind der Meinung, dass China mit dem Verkauf von Stahl
ins Ausland versucht, die Überkapazitäten der heimischen Branche zu
abzumildern. Weil zur Zeit wegen des abgekühlten Wachstums in der
Volksrepublik weniger gebaut werde, betrieben viele Stahlkonzerne mehr
Fabriken und beschäftigten mehr Arbeiter als eigentlich benötigt.

Nach einem Anstieg der Stahlpreise wurden laut Branchenbeobachtern stillgelegte Hochöfen wieder angeworfen.

Europäische Stahlkonzerne und auch die EU-Kommission hatten China zuletzt immer wieder vorgeworfen, Stahl teilweise zu Preisen unter den Produktionskosten zu exportieren. Die EU-Kommission hat Anti-Dumping- und Anti-Subventionsmaßnahmen in Kraft gesetzt.

EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska warnte vor einer Verschärfung der Situation gegen Ende des Jahres. Dann werde die EU China den Marktwirtschaftsstatus zuerkennen müssen, wie beim Beitritt des Landes zur Welthandelsorganisation (WTO) vereinbart. «Wir haben gar keine Wahl, wenn wir keinen Handelskrieg wollen», sagte sie. Zudem stehe China der Status nach Ansicht des Juristischen Dienstes der Kommission zu.
Die Anerkennung würde Chinas Stellung in Handelsstreitigkeiten
stärken – damit wäre es auch für die Kommission viel schwerer als
bisher, Anti-Dumping-Zölle gegen China zu verhängen.

Die OECD schätzt die globalen Stahlkapazitäten auf 2,37 Milliarden Tonnen (2015), davon seien nur gut zwei Drittel (67,5 Prozent) abgenommen worden, nach 70,9 Prozent im Jahr 2014.

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su mit Reuters