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Russland: Schwester von inhaftierter ukrainischer Soldatin an Ausreise gehindert

Die Schwester der in Russland inhaftierten ukrainischen Kampfpilotin Nadya Sawtschenko ist von russischen Beamten an der Ausreise in die Ukraine

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Russland: Schwester von inhaftierter ukrainischer Soldatin an Ausreise gehindert

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Die Schwester der in Russland inhaftierten ukrainischen Kampfpilotin Nadya Sawtschenko ist von russischen Beamten an der Ausreise in die Ukraine gehindert worden.

Die Grenzer am Übergang Tschertkowo zogen nach übereinstimmenden Berichten zunächst den Pass von Vira Sawtschenko ein, die in einem Diplomatenfahrzeug mitreiste. Erst nach einer intensiven Intervention ukrainischer Diplomaten durfte sie Stunden später ausreisen.

Grund ist offenbar ein in Russland laufendes Verfahren gegen Vira Sawtschenko, die als Aktivistin für die Freilassung mehrerer ukrainischer Gefangener in Russland eintritt – darunter auch ihre Schwester Nadya. Vira Sawtschenko wird vorgeworfen, im vergangenen November bei einem Prozess im tschetschenischen Grosny einen Richter als “Schwachkopf” bezeichnet und damit beleidigt zu haben.

Mit den Verhandlungen über das Schicksal ihrer Schwester hat der Zwischenfall offiziell nichts zu tun. Laut dem Anwalt von Nadya Sawtschenko, Mark Feygin, ist der Zeitpunkt aber zumindest auffällig. Die Sache könnte die angestrebte Auslieferung komplizieren oder in die Länge ziehen, Druck Seitens der Ukraine bringe nichts.

“Wir haben ein Problem”, so Feygin. “Nadeshda Sawtschenko ist weiter im Hungerstreik und verlangt eine Beschleunigung des Prozesses. Aber Anwälte und der ukrainische Präsident können dabei nichts beschleunigen, sie haben keinen Einfluss. Die Entscheidung wurde schon gefällt, jetzt gibt es die bürokratische Prozedur der Umsetzung.”

Offenbar auf eine Übereinkunft zwischen den Präsidenten Petro Poroschenko und Wladimir Putin hin läuft derzeit ein Auslieferungsverfahren für Nadya Sawtschenko, möglicherweise im Rahmen eines Gefangenenaustauschs.

Ein russisches Gericht verurteilte Sawtschenko Ende März zu 22 Jahren Haft. Sie war Mitte 2014 als freiwillige Kämpferin in der Ostukraine und wurde dort von prorussischen Separatisten festgenommen. Russland wirft ihr vor, Mörserfeuer auf Zivilisten gelenkt zu haben und deshalb für den Tod zweier russischer Journalisten verantwortlich zu sein.

Sawtschenko selbst hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen, wegen des Prozesses trat sie mehrfach in den Hungerstreik. Viele Ukrainer sehen Sawtschenko als Symbolfigur eines Widerstands gegen russische Aggression. Ihre Anhänger werfen Russland vor, einen Schauprozess mit fingierten Vorwürfen inszeniert zu haben. Kiew sprach bislang von einer Entführung und forderte, die Soldatin als Kriegsgefangene zu behandeln.