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Boomt Kricket bald auch in Deutschland?

“Wieso mögt ihr Deutschen eigentlich kein Kricket?” Eine ungläubige Frage von vielen Flüchtlingen aus Ländern wie Afghanistan und Pakistan, wo der

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Boomt Kricket bald auch in Deutschland?

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“Wieso mögt ihr Deutschen eigentlich kein Kricket?”
Eine ungläubige Frage von vielen Flüchtlingen aus Ländern wie Afghanistan und Pakistan, wo der Sport eine wichtige Rolle spielt. Erst kürzlich hatte Spiegel Online über den Hamburger Verein THCC Rot-Gelb berichtet, der sich über steigende Mitgliederzahlen freut, rund 20 Prozent mehr seit 2015.

Kricket stammt ursprünglich aus Großbritannien und hat sich – vornehmlich in Ländern des Commonwealth of Nations – zu einer der beliebtesten Sportarten entwickelt. In Afghanistan, Indien und Pakistan
gilt Kricket als Nationalsport, ähnlich wie Fußball in Deutschland. Doch nun stehen die Chancen nicht schlecht, dass Kricket sich hierzulande von einem Randsport zu einer Mainstreamsportart entwickeln könnte. Von mehr als einer halben Million Menschen, die im vergangenen Jahr Asyl in Deutschland beantragt haben, kommen mehr als 40.000 aus Afghanistan und Pakistan. Viele hätten sich zeitnah nach ihrer Ankunft nach einer Möglichkeit des Kricketspielens in Deutschland erkundigt, wie Spiegel Online berichtet.

Beim Hamburger Kricketverein sind von 18 Spielern mittlerweile 12 Afghanen. Mangelnde Sprachkenntnisse sind keine Barriere, wenn man die Spielregeln ohnehin kennt.

Wie ein 23-jähriger Flüchtling aus Afghanistan auf Spiegel Online berichtet, war Kricket der einzige Sport in seinem Land, der von den Taliban nicht verboten wurde. Er habe dort regelmäßig jeden Freitag gespielt. Das habe ihn von seinen Sorgen abgelenkt und auch hier in Deutschland habe er nach einer Möglichkeit gesucht, sich mit Hilfe des Sports von den Problemen seines Alltags als Flüchtling abzulenken.

Der “Deutsche Cricket Bund (DCB):http://www.cricket.de/ wird seit den sprunghaft gestiegenen Zahlen Asylsuchender im vergangenen Jahr von Anfragen überflutet. Sie reichen von Bitten zur Unterstützung bei der Gründung neuer Vereine bis zu Ausrüstungs- und Ausstattungsanfragen. Brian Mantle, Geschäftsführer des DCB, erklärt, dass ihn täglich bis zu fünf Anfragen erreichen. Oftmals erkundigten sich Sozialarbeiter stellvertretend für Flüchtlingsgruppen nach einer Möglichkeit, den Sport in Deutschland zu betreiben.

Der DCB hat inzwischen mehr als 4000 registrierte Spieler und hieß kürzlich den hundertsten Klub im ostsächsichen Bautzen in seinem Verband willkommen. Für neue Vereine schickt der Verband eine Willkommensbox mit Schlägern, Bällen und Trainingskleidung, alles Spenden der britischen, gemeinnützigen Organisation Lord’s Taverners

Aber die Ressourcen sind begrenzt: Der Deutsche Cricket Bund ist selbst auf der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten und Sponsoren für die Zukunft und um den derzeitigen Boom zu unterstützen.

Dank der zahlreichen Einwanderer besteht die Hälfte des Teams der U-19 aus Afghanen, die in Deutschland eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten haben. Insgeheim hofft DCB-Chef Mantle, dass Kricket ähnlich erfolgreich wird wie in Irland oder Afghanistan. Doch bis dahin wird es wohl noch etwas dauern.