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Griechischer Supermarktkette Marinopoulos geht die Puste aus - 13.000 Jobs bedroht

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Griechischer Supermarktkette Marinopoulos geht die Puste aus - 13.000 Jobs bedroht

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13 Jahre lief Carrefour-Marinopoulos gut, ein französisch-griechisches Joint Venture. Jetzt haben die Finanzkrise und der starke Rückgang des Konsums auch einen der größten Arbeitgeber Griechenlands getroffen: Die Supermarktkette Marinopoulos mit mehr als 12.500 Beschäftigten und einst mehr als 800 Läden hat Konkurs angemeldet, ein Gericht beschloss Gläubigerschutz bis Ende September. Carrefour war schon vor vier Jahren ausgestiegen.

Marinopoulos, der bis 2011 an die französische Handelskette Carrefour gebunden war, hatte den Abzug der französischen Investoren als Sieg präsentiert. Mit der “rein griechischen Firma” sollte der einheimische Markt erobert werden. Noch 2014 war Marinopoulos mit knapp 23,3 Millionen Euro Werbeausgaben der größte Anzeigenkunde der griechischen Presse.

Dazu betrieb das Management eine aggressive Handelspolitik, die Konkurrenz wurde regelmäßig mit Rabatten unterboten. Frische Milch von einheimischen Markenherstellern gab es für weniger als einen Euro pro Liter, was in keinem Geschäft der Konkurrenz möglich ist. Kleinere Ketten oder Einzelhändler kaufen die gleiche Milch von den Molkereien zu einem höheren Einstandspreis, als Marinopoulos-Endkunden zahlten.

Gleichzeitig kaufte das Unternehmen gezielt Mitbewerber auf, um so die Vormachtstellung auszubauen. Das ging so lange gut, wie die Banken mit immer neuen Krediten die Liquidität aufrechterhielten. Die Kapitalverkehrskontrollen schoben neuen Krediten einen Riegel vor und brachten so das Kartenhaus zum Einstürzen.

Eine Kundin:

“Ich gehe jetzt seit fünfzig Jahren in diesem Supermarkt einkaufen. Meine Schwägerin hat hier ihr ganzes Leben lang gearbeitet, seit sie aus der Schule kam. Ich bin sehr traurig über all dieses Chaos und über das, was da auf uns zukommt.”

Matheos Mavrakis, Marinopoulos- Angestelltengewerkschaft:

“Jetzt müssen die Eigentümer der Firma Antworten geben – ob sie einen Rettungsplan haben. Wir als Mitarbeiter kennen keinen derartigen Plan, wir haben keine Ahnung, was in ihren Köpfen vorgeht und welche Absichten sie haben. Was uns interessiert, und worauf wir drängen, ist die Rettung unserer Jobs und dass das Unternehmen nicht untergeht.”

Marinopoulos hat nach Medienberichten («Kathimerini») 1,3 Milliarden Euro Schulden, andere Schätzungen sprechen von bis zu 1,8 Milliarden Euro – das wäre knapp ein Prozent der griechischen Wirtschaftsleistung. Allein die Rückstände bei rund 2.000 landwirtschaftlichen Betrieben und anderen Lieferanten überträfen 700 Millionen Euro. Konstantinos Michalos von der griechischen Industrie- und Handelskammer befürchtet Auswirkungen, die die Marinopoulos Pleite wie ein griechisches Lehman-Brothers-Desaster erscheinen lassen.

Stamatis Giannisis, Euronews, Athen:

“In den vergangenen sieben Jahren hat die Krise der griechischen Wirtschaft eine Viertelmillion Geschäfte und Unternehmen unterschiedlicher Größe plattgemacht. Mehr als eine Million Arbeitsplätze sind verloren gegangen. Mit einer Schließung der Supermarktkette Marinopoulos kämen hunderte Filialen und bis zu 13.000 Jobverluste dazu.”

su mit dpa

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