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Vorreiter in Nordafrika: Marokkos Energiewende

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Vorreiter in Nordafrika: Marokkos Energiewende

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Die nächste UN-Klimakonferenz steht an, im November in Marrakesch. In Wien gab es jüngst schon mal einen Vorgeschmack: Beim Crans Montana Forum diskutierten Politiker, Wirtschaftsbosse und Vertreter internationaler Organisationen, wie es weitergehen kann mit dem Klimaschutz nach dem Erfolg der letzten Konferenz in Paris.

Bei der Diskussionsrunde waren auch Gastgeber der Konferenz in Marokko vertreten. Umweltministerin Hakima el Haité betont: “Oft hören wir, der Klimawandel sei ein Problem für die künftigen Generationen. Das ist ein Irrtum. Der Klimawandel ist eine Herausforderung dieses Jahrhunderts, und die Menschen haben schon heute im täglichen Leben die Konsequenzen zu tragen.”

Energiewende in Marokko: Vorzeige-Solaranlage in der Wüste

Marokko hat sich selbst eine Energiewende verordnet. Das Königreich ist bislang auf Energieimporte angewiesen. In vier Jahren will es über vierzig Prozent seines Bedarfs mit erneuerbaren Energien decken, 2030 sollen es 52 Prozent sein. Nachhaltige Entwicklung und Ressourcenschutz wurden auch in der neuen Verfassung verankert.

Kernstück und Vorzeigeprojekt der marokkanischen Energiewende ist das gigantische NOOR-Solarkraftwerk in der Wüste. Der erste Teil wurde in diesem Jahr eröffnet. Die Anlage überwindet auch eins der früheren Probleme, die Speicherung der Energie, dank einer speziellen Salzmischung. So kann mehrere Stunden nach Sonnenuntergang noch Strom abgerufen werden. Die Finanzierung kam maßgeblich aus Deutschland, und am Bau waren ebenfalls deutsche Firmen beteiligt.

Mehr Solarstrom ist nur ein Teil der Strategie des Landes, Marokko setzt auch auf Energieeffizienz, wie Said Mouline von der Nationalen Agentur für erneuerbare Energien und Energieeffizienz erklärt: “Unser Ziel ist, bis 2030 die Energieeffizienz um 20 Prozent zu verbessern. In Industrie, Transport, Bau, Straßenbeleuchtung, Landwirtschaft – das geht alle Wirtschaftssektoren an. Und wir fahren die Subventionen für fossile Energieträger herunter. Schrittweise, aus sozialen Gründen, aber es findet statt.”

Handeln statt überlegen

Marokko gilt mit seiner Energiewende als Vorreiter unter den afrikanischen Ländern. Auch für die internationale Klimakonferenz, die sie jetzt austrägt, hat die Regierung sich viel vorgenommen: “Wir wollen schlicht vom Verhandlungsmodus auf den Aktionsmodus umschalten”, erklärt Umweltministerin Hakima el Haité, “statt zu überlegen, wollen wir jetzt etwas aufbauen – handeln statt reden.”

Die Umsetzung der Ziele liegt in der Hand von Unternehmen. Die türkische Firma Eko Renewable Energy berät bei der Entwicklung von Projekten im Bereich erneuerbarer Energien, von der Machbarkeitsstudie bis zu rechtlichen Fragen. EKO-Chef Süzer hat eine weitergehende Vision: “Meiner Ansicht nach sollten die Länder nicht darüber reden, welchen Anteil an erneuerbaren Energien sie meinetwegen 2030 oder 2050 erreichen wollen. Sie sollten vielmehr darüber reden, wann sie 100 Prozent erneuerbare Energien haben wollen, in welchem Jahr. Sie sollten dieses Jahr offiziell festsetzen und diesem Ziel dann auch verpflichtet sein – wir alle sollten auf dieses Ziel hinarbeiten.”

So weit dürfte die Welt bei der Klimakonferenz in Marrakesch wohl noch nicht sein…

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